410 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
breiten Einfahrt. Die auf der Krater-Halbinsel liegenden kahlen kegelförmigen
Berge der „Mutter und Töchter“ einerseits sowie die reiche tropische Vegetation
der bis zu grofser Höhe mit Palmen gekrönten Südseite der Bucht andererseits,
geben der Landschaft ein wechselvolles, malerisches Aussehen.
Zwischen Schulze-Huk und der Vulkan- oder Ariadne-Insel öffnet sich die
Bucht von Karavia, ein Theil der Blanche-Bai, mit Ankergrund nur in nächster
Nähe der Küste.
Die Vulkan-Insel, ein kahler, nur mit wenigen Kasuarinabäumen be-
standener Sandring, ca 50 Fuß (15 m) hoch, fällt an der Ostseite beinahe senk-
recht in die See und umschliefst eine Lagune von warmem, sehr schwefelhaltigem
Wasser, die durch einen kleinen Durchbruch mit dem Meere in Verbindung
stehl. Die Insel stieg im Jahre 1878 während des Ausbruches des Matupi gegen-
überliegenden Kraters aus dem Meere empor. Nordwestlich durch einen Aus-
Jäufer mit ihr verbunden, liegt die kleine, dicht bewachsene Koralleninsel
Green Island.
In NW der Vulkan-Insel ist ein guter Ankerplatz in 15 m, von wo Green
Island SOzO peilt.
Weiter nördlich öffnet sich der Simpson-Hafen, ebenfalls ein Theil der
Blanche-Bai, in einer Breite von ca 1%4 Sm bei über 2 Sm Länge. Er ist vor
allen Winden geschützt, hat aber nur in nächster Nähe der Küste passenden
Ankergrund, da in größerem Abstand die Tiefen, zwischen 50 und 100 m, zu
beträchtlich sind.
Die Bienenkörbe sind zwei leicht kenntliche Felsen aus zusammen-
gekitteten Lavamassen in der Mitte des Einganges zum Simpson-Hafen. Sie
stehen beide auf demselben Korallen-Untergrund, durch einen seichten Kanal
voneinander getrennt. Der größere ist eiwa 70 m hoch und bietet in den
Klüften der verwitterten Lava den Wurzeln einiger Palmen noch Nahrung und
Halt. Der felsige Saum der Bienenkörbe trägt einige Dutzend der einfachsten
Hütten, Wohnungen von etwa hundert Eingeborenen, die sich hier armselig durch
Fischfang ernähren. 2 Kabllg. östlich von den Bienenkörben liegt eine felsige
Untiefe mit nur 10 Fuß (3 m) Wasser.
Die den Simpson-Hafen in SO begrenzende Landspitze, nördlich von
Matupi, heifst Bridges-Huk. Von hier aus nordwärts liegen die Pflanzungen
der KEingeborenen von Matupi bis zu einer tiefeinschneidenden engen Bucht,
deren Wasser, durch dem Boden entsteigende Schwefeldämpfe gelb gefärbt, an
vielen Stellen kochend heifs ist. Jenseits der Bucht liegt das zur Matupi-Faktorei
gehörende Gut, auf dem Viehzucht betrieben wird. Vor demselben und von da
an südlich bis zum Bridges-Huk ist guter Ankergrund in ca 18 bis 20 m, Schlamm-
boden, 2 bis 3 Kabllg. Abstand vom Lande.
Die Insel Matupi ist ihres ausgezeichneten Hafens und ihrer allen anderen
Plätzen des Archipels überlegenen gesundheitlichen Verhältnisse wegen der
wichtigste und bekannteste Punkt im ganzen Archipel. Sie ist etwa 40 Fuß
(12 m) hoch bei einem Durchmesser von ungefähr !/2 Sm, aus vulkanischem Sande
gebildet und dicht mit Kokospalmen bewachsen, zwischen welchen die Hütten
der Eingeborenen sich erheben. Die Bevölkerung beträgt über 1000 Köpfe und
ist in zwei Dorfschaften, Raulai im Osten und Kurapun im Westen, vertheilt.
Dazwischen liegt auf der Nordseite der Insel die Rolavio genannte Faktorei der
Firma Hernsheim & Co., wo immer Kohlen, Schmiermaterial, Schiffsproviant
und Ausrüstungsgegenstände vorräthig sind. Die Faktorei besitzt mehrere eiserne
30 Tonnen-Leichter und eine Dampfbarkasse und kann auf Verlangen ca 180 Tonnen
Kohlen in 12 Stunden liefern.
Trinkwasser wird aus den Cisternen der Firma zum Preise von 0,01 Mk.
pro Liter abgegeben, Steinballast zum Preise von 4 Mk. pro Tonne frei längs-
seits geliefert. Kokosmatten zum Garniren kosten ca 5 Mk. pro 100 Stück.
Frisches Rindfleisch ist an Schlachttagen zum Preise von 0,80 Mk. pro Pfund;
Schweine, Geflügel, Gemüse, Milch und Früchte sind jederzeit in großen Mengen
zu haben.
Eine Postagentur befindet sich im Bureau der Faktorei.
Der Reichspostdampfer „Lübeck“ läuft Herbertshöh und Matupi in regel-
mäfsiger Fahrt von Singapore und Batavia alle acht Wochen an.