108 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
kleinen Kraters im Jahre 1878. Von den damals hier treibenden Bimssteinfeldern
ist seitdem nichts mehr zu sehen. Während des Nordwestmonsuns werden
indessen hier häufig treibende Baumstämme angetroffen, welche mit ihren. hoch
aufragenden Aesten und Wurzeln einem Fahrzeuge oft täuschend ähnlich sehen.
Neu-Lauenburg.
Neu-Lauenburg besteht aus einer grofsen und etwa zwölf kleineren
Inseln, welche bis auf die im NW liegende Insel Makada alle niedrig und dicht
bewaldet sind.
Von Süden gesehen, erscheint die Gruppe als ein langer grüner Streifen,
woraus sich besonders ein hoher auf Mioko befindlicher Baum hervorhebt.
Von den drei Häfen der Gruppe, dem Makada-, Hunter- und Mioko- oder
Wesley-Hafen, hat nur noch der letztere Bedeutung für die Schiffahrt. Auf der
Insel Mioko befindet sich die Faktorei und das Arbeiterdepot der deutschen
Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg.
Der Hafen von Mioko ist vollständig sicher und ringsum vom Lande
eingeschlossen. Zwei Passagen führen in verschiedener Richtung hinein und
ermöglichen es, ihn bei jedem Winde zu erreichen und zu verlassen.
Die östliche oder Levinsohn-Passage führt zwischen der Mioko-Insel im
Süden und dem kleinen Inselchen Muarlin im Norden in den Hafen. Beim
Einsegeln mufßs man Muarlin auf höchstens 1 Kabllg. Abstand passiren, um eine
von Mioko aus sich nach Norden erstreckende Bank mit nur 4 bis 5m Tiefe zu
vermeiden. Sobald Muarlin passirt ist, und die auf dem Südwestende von Mioko
gelegene Faktorei in Sicht kommt, wird auf sie losgesteuert und bei 1 bis
14 Kabllg. Abstand davon in-ca 15 m geankert oder an die Landungsbrücke
der Station herangeholt. Zum Verlassen des Hafens bei Südostwind oder zum
Einsegeln während des Nordwestmonsuns benutzt man die zwischen der Haupt-
insel und Ulu belegene Nordwestpassage und nimmt, da mehrere Riffe und flache
Stellen westlich der Passage vorgelagert sind, am besten die Dienste eines in
Mioko oder Herbertshöh leicht erhältlichen Lootsen in Anspruch. Die Strömung
läuft in dieser Passage mit dem herrschenden Winde oft 3 bis 4 Sm die Stunde
and erfährt durch die Gegengezeit nur eine ganz kurze Unterbrechung. Nördlich
von Utuan und durch eine reine Passage davon getrennt, liegt mitten im Mioko-
Hafen ein Riff, das bei Niedrigwasser trocken fällt. Von oben ist übrigens bei
dem klaren blauen Wasser hier jede Gefahr leicht zu erkennen und zu vermeiden,
Es ist Hochwasser im Mioko-Hafen bei Voll- und Neumond um 9 Uhr.
Die Fluthhöhe beträgt 0,9 m.
Die Insel Mioko ist niedrig, bewaldet und am Strande dicht mit Kokos-
palmen bewachsen. Auf der Insel leben nur wenige Eingeborene, deren Hütten
sich gröfstentheils am Nordende befinden. Die Handels- und Plantagen-Gesellschaft
wirbt mit einem kleinen hier stationirten Schoner Arbeiter im Archipel an, die
dann von dem hiesigen Depot aus unter einem dreijährigen Vertrage nach den
Pflanzungen der Gesellschaft auf den Samoa-Inseln übergeführt werden. In der
Faktorei sind Schiffsproviant und Ausrüstungsgegenstände gewöhnlich vorräthig,
aber keine Kohlen und kein Schmiermaterial. Aus den Cisternen kann Trink-
wasser abgegeben werden. Als Ballast ist nur weißer Sand zu haben.
Eine der Station gegenüber liegende Einbuchtung im Norden des Hafens
bietet bei tiefem Wasser bis dicht zum Strande Gelegenheit zum Kielholen und
zu Schiffsreparaturen.
Der Hunter-Hafen ist eine im Norden von Neu-Lauenburg belegene
tiefe, nach Norden offene Bucht, an deren Nordwestspitze auf Mitchell-Huk sich
eine Station der Wesley’schen Mission befindet. Der Ankergrund ist schlecht
and in nächster Nähe der Korallen noch 40 bis 50 m tief.
Der westlich vom vorigen gelegene Makada-Hafen hat, seitdem die
Faktorei der Firma Hernsheim & Co. von da nach Matupi verlegt wurde, seine
Bedeutung für die Schiffahrt verloren, zumal auch Trinkwasser jetzt rascher und
hesser . in Matupi und Mioko aus den Cisternen der Faktoreien als aus dem
Makada-Bach entnommen werden kann. Die Eingeborenen der Neu-Lauenburg-
Gruppe sind durch die hier stationirten Fiji- und Samoa-Lehrer der We sley’schen
Mission zwar etwas civilisirt, aber auch sehr träge geworden und haben nur