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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
Postverbindung. Der dem Norddeutschen Lloyd in Bremen gehörende
Reichspostdampfer „Lübeck“ vermittelt im Anschlufs an die ostasiatische Linie
die Verbindung des Schutzgebietes mit Singapore in regelmäfsiger Fahrt, in
Zwischenräumen von acht Wochen.
Zölle. Gegenwärtig wird Zoll nur von eingeführten Spirituosen und aus-
geführter Kopra sowie neuerdings auch von Beche de mer oder Trepang erhoben,
Die Bevölkerung der Inseln des Bismarck-Archipels ist noch kaum an-
nähernd zu schätzen. Unter der Voraussetzung, dafs die uns unbekannten Theile
ebenso dicht wie die bekannten bevölkert sind, würden sich für
Neu-Pommern etwa . . . . 50000,
Neu-Mecklenburg etwa . . . 30000,
die übrigen Inseln etwa . . 60000
Menschen ergeben. .
Die Anzahl der Weifsen auf allen Inseln des Archipels schwankt zwischen
30 und 50 Köpfen.
Bis vor wenigen Jahren waren die einzelnen Stämme und Gebiete noch
vollständig voneinander getrennt und bekämpften sich bei jeder Begegnung un-
erbittlich. Kannibalismus wurde überall geübt, ist heute aber auf der Gazelle-
Halbinsel beinahe ausgerottet,
Gemeinsam ist allen Inseln eine durchaus demokratische Verfassung; es
ziebt keine Häuptlinge, kaum eine sich über den Einzelnen oder seine nächste
Familie erhebende Macht. Das Verhältnis zwischen Weifsen und Eingeborenen
war während der 20 Jahre, seitdem sich Weifse hier niedergelassen haben, im
Grofsen und Ganzen gut zu nennen. Die Eingeborenen haben überall, wo sie in
richtiger Weise behandelt wurden, ihre ursprüngliche Freundschaft für die Fremden
beibehalten, und alle Zerwürfnisse, Kämpfe und Schwierigkeiten sind auf Mifs-
verständnisse zurückzuführen, wobei die Schuld nicht immer die Eingeborenen
allein trifft.
Das Klima im Bismarck-Archipel ist dasselbe wie auf den Sunda-Inseln.
Die Hitze des Tages wird durch die kühle Seebriese gemildert, die mit beträcht-
licher Stärke von 10 Uhr vormittags bis gegen Sonnenuntergang weht. Das
Thermometer erreicht selten mehr als 90° F (32° C) im Schatten, geht aber auch
nie unter 75° F (24° C) hinunter.
Fieber und Malaria treten allenthalben an den Küsten auf; doch sind
Jiese Fieber nur denen gefährlich, die sich unbedachterweise den Einflüssen des
Wetters aussetzen, und pflegen sofort einigen Dosen Chinin zu weichen. Neu-
ankömmlinge sollten es sich zur Regel machen, sich so wenig wie möglich den
direkten Strahlen der Sonne auszusetzen und niemals unter freiem Himmel zu
schlafen. Wenn Chinin genommen wird, so geschehe dies gleich in Dosen von
nicht weniger als 1 g; am besten in Oblaten oder Pillen.
Wind und Wetter. Vom Mai bis Dezember weht im Bismarck-Archipel
der Südostpassat ziemlich ungestört bis zur Linie. Im südlichen Sommer dagegen,
vom Dezember bis April, ist im Osten von Nord-Australien und von 12° S-Br
bis zum Aequator der Nordwestmonsun zu erwarten. Er bringt die Regenzeit
mit anfänglich stürmischem Wetter und besonders reichlichen Niederschlägen bei
Windstillen und umlaufenden Winden. Auch sind in dieser Jahreszeit auf der
Route von Sydney nach dem Archipel schon einige Orkane westlich von Neu-
Kaledonien beohachtet worden, während dieselben im Bismarck-Archipel selbst
niemals, nördlich von 12° S-Br nur selten auftreten.
Strömungen. Bis auf den längs der Ostküste von Australien nach
Süden laufenden Strom setzen die Strömungen sowohl auf der ganzen Route als
im Archipel selbst durchweg mit dem herrschenden Winde und machen ein Auf-
kreuzen gegen den Wind sehr beschwerlich, im St. Georgs-Kanal sogar zuweilen
anmöglich.
Von Sydney nach dem Bismarck-Archipel während des Südostpassats.
Mai bis Dezember.
Wenn ein Schiff während -dieser Jahreszeit Sydney mit südlichem oder
westlichem Winde verläfst, so kann es gewöhnlich auf dem direktesten Wege,
westlich von den Chesterfield-Riffen passirend, den St. Georgs-Kanal und Blanche-