388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1894,
vom Magdalena abzweigenden und südlich von Cartagena mündenden Flufsarmes,
doch war diese Verbindung in einigen Monaten des Jahres wegen Wassermangels
geschlossen. Die Cartagena-Magdalena-Eisenbahngesellschaft ist ein amerikanisches
Unternehmen mit dem Sitze in Boston und ist eng verbunden mit der Cartagena-
Terminal & Improvement-Kompagnie, welch letztere Besitzerin einer grofsen
Landungsbrücke und eines Hisenbahngeleises bis zur Stadt ist. Beide Gesell-
schaften stehen unter derselben Leitung und arbeiten Hand in Hand. Die Brücke
hat Anlegeraum für drei Dampfer und zwei Segler. Das Zollhaus und ein Lager-
haus sind auf der Mitte derselben erbaut, so dafs alle Waaren, welche von der
Brücke expedirt werden, schon zollberichtigt sind. Besondere Anlagen zum Aus-
löschen schwerer Güter sind nicht vorhanden, auch keine kleinen Dampfwinden
zur Aushülfe für Segler; es ist vielmehr alles auf die Dampfer mit ihrem Lösch-
geschirr eingerichtet. Selten geht ein Tag vorüber, dafs nicht europäische oder
nordamerikanische Dampfer gehen und kommen, so dafs ein reger Verkehr vor-
handen ist, welcher sich mit der Entwickelung der Eisenbahnverbindung nach
dem Magdalena-Flulß noch bedeutend heben wird.
Ballast ist hier schwer zu bekommen; die meisten Segler nehmen ihn vonSandy
Point in Boca Chica, was gegen Bezahlung eines Ausgangszolls von 50 Cents die
Tonne an die Regierung erlaubt ist. Das Schiff wird dort hinten und vorn verankert
und dicht ans Land gezogen, wo dann die eigene Besatzung den Sand längsseite
bringt. Dies geht auch ganz gut mit kleinen Quantitäten; kommt man aber mit
einem Stahlschiff, welches 300 bis 400 Tonnen Ballast benöthigt, auch ohne etwa die
Hälfte desselben gar nicht nach Sandy Point kommen kann, da hier keine Schlepp-
dampfer vorhanden sind, so ist die Sache recht schwierig, und man ist ganz auf
die Gefälligkeit der Eisenbahngesellschaft angewiesen, dal diese das Schiff mit
Ballast versorgt. Wir mufsten auch unter diesen Umständen 50 Cents Ausgangs-
zoll an die Regierung zahlen, und da der Transport zum Bahnstrang viel Arbeits-
lohn bedingte, so kostete uns der Ballast in Allem 2 Doll. die Tonne. Glück:
licherweise war der Kurs ein sehr niedriger, der Dollar nur etwa 1,45 Mk. werth,
und deshalb im Ganzen die Sache nicht so schlimm. Durch Mängel an Wagen
entstand uns jedoch ein ziemlicher Zeitverlust, indem wir acht Tage zum HEin-
nehmen des Ballastes gebrauchten. Der Arbeitslohn beträgt hier pro Tag und
Mann 1,50 Doll., die Arbeitsleistung -ist indessen eine sehr geringe. Die Tonnen-
gelder betragen 1 Doll. für 1000 kg eingebrachte Ladung, doch waren wir, mit
Kohlen für die Eisenbahngesellschaft kommend, frei davon. An sonstigen Ab-
gaben zahlten wir 22 Doll. an Feuergeld und 10 Doll. für die Lootsen ein und
aus, was äufserst billig ist.
Cartagena ist eine alte Stadt und noch von Mauern umgeben; sie sieht
sehr verfallen und verwahrlost aus und enthält auch wohl manche unbewohnte
Häuser. Proviant für die Reise ist sehr theuer hier, und es ist wenig mehr zu
haben, als was man in Delikatessenhandlungen kaufen kann. Frisches Fleisch ist
höchst mittelmäfsig, kommt jedoch jeden Morgen frisch zu Markt und kostet
25 Cents das Pfund. Gemüse und Früchte sind knapp, Fische gut und hillig,
aber nicht immer zu haben.
Ausladung für Segler bietet Cartagena nicht, da die Dampfer Alles in
kleinen Posten wegnehmen. Kaffee, Cocosnüsse und Farbholz sind die Haupt-
ausfuhrartikel.
Notizen.
1. Beruhigung der Wellen durch Oel. Kapt. 0. Kampehl vom
Schiffe „Industrie“ berichtet: „Auf unserer Reise von Liverpool nach St. Fran-
cisco hatten wir bei der Ansegelung von Kap Horn mehrere Stürme aus WSW
zu bestehen, doch kam die Windstärke nie über 10; nur am 14. März 1893 auf
57,6° S-Br und 75° W-Lg artete der Wind, nachdem er auf SW gegangen war
und das bis auf 725 mm gefallene Barometer wieder zu steigen begonnen hatte,
zum vollen Orkan aus, mit äußerst heftigen Schnee- und Hagelböen. Um uns
vor der furchtbaren See zu schützen, hingen wir vorn und mittschiffs je einen
Delbeutel aus. Vorher war die See immer über das Schiff hinweg gebrochen,