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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1894,
Frankreich, die britischen Inseln, Deutschland, Belgien und die Niederlande; an
zielen Orten ist in sechs Wochen kein Regen gefallen. Es ist im Allgemeinen
die längste Dürreperiode, welche sich ereignete, seit genauere meteorologische
Aufzeichnungen vorliegen. Diese Dürre war die Folgeerscheinung der Wirkung
sines Hochdruckgebietes, welches mit grofser Beständigkeit sich über dem westlichen
and mittleren Europa erhielt. Daher das entschiedene Vorwalten der heiteren,
dagegen das Zurücktreten der trüben Tage. Auch der vorigjährige Frühling
war entschieden zu trocken, namentlich von Mitte März bis Mitte April, aber
keineswegs in demselben Mafse, wie der diesjährige.
Bei vorwiegend südwestlichen bis nordwestlichen Winden war das Wetter
in der ersten Dekade des März veränderlich und vielfach unruhig, dann aber
heiter und trocken, welch letztere Witterung bis in den Sommer hinein andauerte.
Auch der Sommer zeigte in Uebereinstimmung mit Nordamerika (nur
der Juli ausgenommen) einen nicht unerheblichen Wärmeüberschuls. Heitere
Tage waren bei geringer Nebelhäufigkeit, ungewöhnlich oft vertreten, insbesondere
im Juni und Juli. Regenfälle kamen insbesondere bei Gelegenheit der Gewitter-
erscheinungen vor und dann stellenweise in großer Menge, so dafs die Ver-
Yheilung der Regenmengen eine sehr ungleichmäfßige war; indessen waren die
Regenmengen im Juli, theilweise auch im August, größer als es dem Dureh-
schnitt entspricht; die Regenhäufigkeit war in allen drei Sommermonaten im
Allgemeinen zu gering. Im Gegensatze zu den Verhältnissen in Europa (im
Juli und August), war Nordamerika in den Sommermonaten ungewöhnlich
trocken, so dafs hier vielfach Dürreperioden auftraten. — Die Temperaturmaxima
erreichten in diesem Jahre keine extremen Höhen; sie fallen meistens in den Juli
und August (Berlin-Juni), — Die Luftbewegung war in allen drei Sommer-
monaten durchschnittlich geringer als im vieljährigen Mittel, und dementsprechend
war die Anzahl der Windstillen gröfser, als es gewöhnlich der Fall ist.
Mit Anfang des Herbstes kehrte der Gang der Witterung zu‘ mehr
normalen Verhältnissen zurück. Der September war unfreundlich, feucht, kühl,
anruhig, ja vielfach stürmisch. Dieser Witterungscharakter hielt während des
ganzen Herbstes an, nur lag die mittlere Temperatur des Oktober erheblich
über dem Mittelwerthe, abweichend von den beiden anderen Monaten. Mit dem
häufigen Wechsel der Luftdruckvertheilung war auch ein rascher Wechsel von
Wind und Wetter verbunden. Heitere Tage zählte der September wenige, im
Oktober entsprachen sie dem Durchschnittswerthe und im November waren sie
verhältnifsmäfsig häufig. Die Nebelhäufigkeit war im Herbste, wie im ganzen
Jahre geringer, als es dem Mittel zukommt. Schneefälle waren nicht häufig und
dann nicht sehr ergiebig,
Hervorzuheben sind die aufserordentlich schweren Stürme, welche um die
Mitte November die Küstengegenden des nordwestlichen Europa heimsuchten.
Sie sind nicht allein bemerkenswerth wegen ihrer Heftigkeit und der vielen
und argen Verheerungen, welche sie anrichteten, sondern auch wegen ihres
eigenartigen Verlaufs. Der Ursprung jener Stürme liegt jenseit des Oceans
in der Nähe der Bahama-Inseln, wo um Mittag des 7. November sich ein Wirbel
ausgebildet hatte, welcher zuerst nordwärts dem Kap Hatteras zuwanderte, dann
in ostnordöstlicher Richtung den atlantischen Ocean durchquerte, Anfangs waren
die von diesem Wirbel erzeugten Winde nur schwach, aber beim Verlassen der
amerikanischen Küste nahm die Intensität der Depression sehr stark zu, wobei
die Winde eine orkanartige Gewalt erreichten, die sich auf dem ganzen Wege
von Amerika nach Europa ungeschwächt erhielt. In acht Tagen, vom 8. bis
16. November, war der Ocean überschritten; am 16. abends erreichte das
Wirbelcentrum die irische Küste, am 17. morgens lag es mitten über Schottland,
auf den britischen Inseln und Umgebung überall stürmische Luftbewegung hervor-
rufend. Am heftigsten waren daselbst die Stürme am 18., indem die Nordwinde
vielfach die Stärke eines vollen Orkanes erreichten. In HEuropa erlitt der
Wirbel bemerkenswerthe Umwandlungen. Am 18. wandte sich das Minimum
nach Südosten hin und ging dann über in ein Gebiet niedrigen Luftdruckes,
welches ganz Centraleuropa überdeckte und ein Hauptminimum am Südfufse der
Alpen aufwies. Am folgenden Tage entwickelte sich ein neuer Kern über Oester-
veich, der sich nach Mitteldeutschland verlegte, während ein Hochdruckgebiet von
Nordwesten her immer mehr nach Südost vordrang. Daher die heftigen Nordost-