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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

378 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1894. 
ist der Dampfer „Liguria“ der Pacific Steam Navigation Company vor Kurzem 
gestofsen. Jedenfalls ist es bei der Benutzung des New Channel gerathen, sich 
von der Magdalena-Insel mindestens 2,5 Sm östlich frei zu halten. Um 2* 30° 
wurde auf der Rhede von Punta Arenas geankert. 
Auf der Rliede lag der Kosmos-Dampfer „Isis“, von Valparaiso kommend, 
ein kleines, von einem sogenannten Piloten kommandirtes chilenisches Regierungs- 
fahrzeug, das Vermessungen anstellen soll, und ein argentinisches Transportschiff 
(„I de Majo“), das Proviant nach der Staten-Insel und der Missionsstation in 
Ushusaia, Beagle Channel, Tierra del Fuego, bringen sollte. Das Feuer auf der 
Staten-Iusel wird von Argentinien unterhalten. Es wäre sehr wünschenswerth für 
die Passage der Straße, daß auch auf Kap Virgins ein Leuchtthurm gebaut würde. 
Doch hat sich Argentinien, dem Kap Virgins gehört, bis jetzt geweigert, den 
Bau auszuführen. Die chilenische Regierung beabsichtigt deswegen, einen Leucht- 
thurm auf der Chile gehörenden Dungeness-Spitze in der Nähe der Bake zu bauen, 
Am nächsten Morgen verholte das Schiff längsseits des auf Punta Arenas- 
Rhede liegenden eisernen Kohlenhulks. Das Kohlen geht sehr langsam, da nur 
ein Dampfkrahn auf dem Hulk vorhanden ist. "Trotzdem mit Wippen von Bord 
aus, so gut es ging, geholfen und die Nacht über wachweise durchgearbeitet 
wurde, waren die 270 Tonnen erst am 7. Juni mittags über. Der Hulk ist mit zwei 
Ankern gut verankert, so dafs während der Nacht einsetzende heftige Böen ihn 
nicht zum Treiben brachten, obgleich S. M. S. „Alexandrine“ längsseits fest- 
gemacht war. 
Da die Tage nur acht Stunden lang waren, wurden mit Rücksicht auf die 
in den Segelanweisungen als brauchbar und sicher bezeichneten Häfen, nach 
Rücksprache mit dem in Punta Arenas ansässigen Lootsen Groenwold, früherem 
Kapitän der Kosmos-Linie, für die Reise durch die Magellan-Strafse und den 
Smyth-Kanal die folgenden Stationen und Tagesstrecken festgesetzt: 
‚1, Tag: Punta Arenas bis Borja-Bai (Crooked Reach) 110 Sm. 
>, Tag: Borja-Bai bis Sholl-Bai (Smyth-Kanal, Anfang) 86 Sm. 
3. Tag: Sholl-Bai bis Isthmus-Hafen (52° 10‘ S-Br) 38 Sm. 
4. Tag: Isthmus-Hafen bis Puerto Bueno (51° 0’ S-Br) 80 Sm. 
5%, Tag: Puerto Bueno bis Port Charrua (50° 1‘ S-Br) 80 Sm. 
5. Tag: Port Charrua bis Edon-Hafen (49° 8’ S-Br) 72 Sm. 
]l. Tag: Edon-Hafen bis Gray-Hafen (48° 55‘ S-Br) 25 Sm. 
Die Reise ist nach diesein Programm ausgeführt worden, die kleinen Ab- 
weichungen wie der längere Aufenthalt in Puerto Bueno und das Anlaufen von 
Island-Hafen wurden durch besondere Umstände bedingt. Jedenfalls kann diese 
Eintheilung der Fahrt durch die Kanäle während des Winters nur empfohlen 
werden, Die Häfen sind alle als Ankerplätze gut geeignet und trotz der kurzen 
Tage mit 10 bis 11 Sm Durchsehnittsfahrt sicher zu erreichen. 
Um in Borja-Bai bei Tageslicht ankern zu können, wurde am Morgen des 
8. Juni, 4a, die Rhede von Punta Arenas verlassen, so dafs sich das Schiff bei 
Tagwerden um 7" 48” a querab von Kap Valentyn auf der Dawson-Insel befand. 
Es wurden die in den Karten vorgedruckten Kurse gesteuert, bei schönem 
klaren Wetter, wenn auch heftigem Westwinde, Froward, English und Croocked 
Reach passirt und um 3* 30” p in Borja-Bai geankert. 
Am 9. Juni 7* 30” a wurde ankerauf gegangen und in den Long Reach 
gedampft. Das Wetter war sehr dick und regnerisch, der Wind West 6, doch 
wurde die Fahrt nicht weiter beeinflufst, da Long und Sea Reach keine 
Schwierigkeiten bieten und in Borja-Bai die Marsraaen und Bramstängen an 
Deck genommen waren. Von dem Streichen der Marsstängen war Abstand 
genommen worden, weil sich das Stängegut bei dem nafskalten Wetter nicht zu- 
verlässig hätte wieder setzen lassen. 
Beim Passiren der Tamar-Insel klarte das Wetter etwas auf, so dafs 
Fairway-Insel in Sicht kam, worauf zugesteuert wurde. Strom wurde nicht beob- 
achtet; der Schiffsort läfst sich überall mit Leichtigkeit durch Peilungen ermitteln. 
In Sea Reach stand irotz des Westwindes nur wenig Dünung; mitunter soll 
dieselbe so schwer sein, dafs nach Angabe des Kapitäns der „Isis“ Kosmos- 
Dampfer auf der Strecke Tamar-Insel und Sholl-Bai schon Boote verloren haben. 
Um 3% 40” p wurde in Sholl-Bai geankert. Bald nach uus ankerte der englische 
Dampfer „Gulf of Corcovado“, von Norden kommend.
	        
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