Wharton: Die physikalischen Verhältnisse des Meeres,
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durch das Gefühl -— nicht durch das Gesicht — die verschiedenen Erhöhungen
und Vertiefungen des Meeresbodens finden. Wenn man eine Landkarte anfertigt,
steht ein einzelner Felsen oder Hügel wie ein Wahrzeichen über dem umgebenden
Land und wird sofort festgelegt und bezeichnet, aber ein ähnlicher Gegenstand
unter der See kann nur durch geduldiges lang fortgesetztes Lothen gefunden und
sehr leicht ausgelassen werden.
Wenn man bedenkt, dafs nautische Vermessungen erst seit etwa 100 Jahren
ernstlich in Angriff genommen worden sind, mit einer sehr beschränkten Anzahl
von Schiffen, dann wird man, glaube ich, begreifen, wie in der weiten Wasser-
fläche, nur die Küstengewässer gerechnet, jährlich viele unvermuthete Gefahren
entdeckt werden. Sehr, sehr wenig Küsten sind genau vermessen, und ganz ab-
gesehen von den grofsen Aenderungen, die in der Nähe von Ufern mit Sand-
bänken vor sich gehen, würde ich mich sehr hüten zu behaupten, dafs die See-
karten selbst an unseren eigenen Küsten vollkommen seien. ‚Jährlich werden
bei Grofsbritannien bisher unbekannte Felsen entdeckt, und wenn dies bei uns
zu Hause der Fall ist, was sollen wir dann über den Zustand der Karten von
weniger bekannten Gegenden denken? Unsere Hauptanstrengungen sind also
darauf gerichtet, die Schiffahrt durch Verbesserung der Karten immer mehr zu
sichern, und die für die Aufklärung rein wissenschaftlicher Aufgaben verfügbare
Zeit ist spärlich bemessen. Aber die tägliche Arbeit des Vermessers ist doch
mit diesen wissenschaftlichen Aufgaben so eng verbunden, dafs wir langsam aber
sicher alljährlich unsere Kenntnisse über die See bereichern.‘
Zur Hydrographie und Meteorologie der deutschen Postdampfer-
route zwischen Singapore und Herbertshöh (Neu-Pommern).
Der Reichspostdampfer „Lübeck“, Kapt. F. Mentz, trat am 12, April 1893
eine Reise von Sydney nach Friedrich -Wilhelms-Hafen in Kaiser Wilhelms-Land
an. Am 18. April wurde die Adele-Insel, die östlichste der Louisiaden, gesichtet,
am 21. der Bestimmungshafen erreicht. Von hier aus wurden dann — seit dem
19. Mai unter Führung des Kapt. C. Dewers — regelmäfsige Fahrten zwischen
dem deutschen Schutzgebiet und Singapore ausgeführt, wobei folgender Weg
innegehalten wurde: Friedrich Wilhelms-Hafen—Surabaya—Batavia— Singapore—
Batavia— Friedrich Wilhelms-Hafen — Stephansort — Langemak-Bucht — Herberts-
höh— Friedrich Wilhelms-Hafen. Die erste Strecke führt durch die Dampier-
und Pitt-Strafse, Pitt- und Buton-Passage, Salayer- und Madura-Strafse, die dritte
Strecke durch die Banka- und Rhio-Strafße. Nur auf der ersten Reise wurde
statt der Pitt-Passage die Manipa-Straße und weiter der Weg durch die Flores-
See gewählt, sowie auf dem direkten Wege von Surabaya nach Singapore die
Karimata-Strafßse.. Der Weg nach Herbertshöh führt im Süden von Neu-Pommern
vorbei, die Rückreise im Norden. Nur auf der ersten Reise, wo die Langemak-
Bucht nicht angelaufen wurde, führte auch die Hinreise im Norden vorbei.
Zur ersten Orientirung folgen hier nach der D. Adm,-Karte No. 100
/Tit. XII, 119a), Berichtigungen bis 1894, VI, „Kaiser Wilhelms-Land, Bismarck-
Archipel und Salomon-Inseln“, Breite und Länge der von der „Lübeck“ im
Schutzgebiet angelaufenen Häfen:
Friedrich Wilhelms-Hafen, 5° 14’ S-Br, 145° 47' O-Lg, mit der Dallmann-
Einfahrt. “
_. Stephansort, 5° 32‘ S-Br, 145° 44‘ O-Lg; 4 Sm nordwestlich davon Erima,
einmal angelaufen.
Langemak-Bucht, 6° 35‘ S-Br, 147° 50‘ O-Lg, unmittelbar südlich von
Finschhafen.
Herbertshöh, 4° 21’ S-Br, 152° 16‘ O-Lg; Matupi in der Blanche-Bai liegt
ca 8 Sm nordwestlich davon, Mioko in Neu-Lauenburg 12 Sm nordöstlich davon.
Von Br. Adm.-Karten wurden benutzt: 941 A (XI 86), 941 B (II 88),
942 A. (XII 87), 942 B (VIII 92), 2759a (IX 77), wobei Monat und Jahr (in
Klammern) sich auf die letzte Verbesserung beziehen.