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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Wharyton: Die physikalischen Verhältnisse des Meeres 
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hohe Wellen zu sehen bekommt, auch wenn sie ihr ganzes Leben auf See zu- 
bringt. Ueber die sogenannten allerhöchsten Wellen werden verschiedene An- 
gaben gemacht, sie schwanken von 40 bis 90 Fuß (12 bis 27 m), zwischen 
Wellenthal und Wellenberg. Wir können höchstens sagen, dafs der wahrschein- 
lichste Werth ca 50 oder 60 Fuß (15 bis 18 m) ist. Diese grofsen Sturmwellen 
pflanzen sich weithin fort. In einigen Fällen überbringen sie eine Warnung, da 
ihre Geschwindigkeit die der Fortbewegung des ganzen Sturmgebietes bei Weitem 
übertrifft. In anderen Fällen deuten sie an, dafs ein Sturm, von dem man nichts 
weiter sieht, irgendwo gewüthet hat, möglicherweise in großem Abstand. Wenn 
sie über die Grenzen des erzeugenden Windes hinausgewandert sind, verlieren 
sie die steile Form, die sie kennzeichnet, so lange sie unter seinem Kinflufs 
stehen, und gehen in ein Wogen über, das in tiefem Wasser kaum bemerkt wird. 
Aber bei der Annäherung an seichtes Wasser kommen sie wieder zum Vorschein 
und die „Roller“, die gelegentlich an verschiedenen Orten in Breiten auftreten, 
wo niemals Stürme vorkommen, sind anscheinend verursacht durch solche Wellen, 
die in Gegenden entstehen, welche viele Tausende von Meilen entfernt sind. 
Dies scheint der Ursprung der wohlbekannten Roller bei Ascension und St. Helena 
zu sein, wo diese Erscheinung wegen des felsigen und der See voll ausgesetzten 
Landungsplatzes besonders auffällt.!) 
Andere Roller dagegen entstehen unzweifelhaft durch Erdbeben 
oder vulkanische Ausbrüche auf dem Meeresboden. Viele der grofsen und 
plötzlich auftretenden Wellen, die an der Westküste von Süd-Amerika Ver- 
wüstungen und grofsen Verlust an Menschenleben verursacht haben, gehören 
hierher. Gewöhnlich hat es an Beobachtungen gefehlt, aus denen man auf den 
Herd der Störung hätte schliefßsen können, aber wahrscheinlich ist bei hohen 
Wellen der Ausgangspunkt nicht sehr weit entfernt gewesen, In einem be- 
merkenswerthen Falle lagen die Verhältnisse umgekehrt, Der Ausgangspunkt 
war bekannt und die Entfernung, welche die entstandene Welle zurücklegte, 
konnte in ziemlich befriedigender Weise verfolgt werden. Dies war der große 
Ausbruch in der Sunda-Straße im August 1883, wobei an Ort und Stelle der 
gröfsere Theil der Insel Krakatoa verschwand und an den benachbarten Küsten 
Javas und Sumatras durch die ungeheure Welle, die sie verwüstete, nahezu 
40000 Menschen ihr Leben verloren. Die Aufzeichnungen von selbstthätigen 
Fluthmessern und KEinzelbeobachtungen machten es möglich, die Wellen, die 
von diesem Ausbruch herrührten, auf weite Entfernungen zu verfolgen, Diese 
Wellen hatten eine grofse Länge; die Kämme trafen in Zwischenzeiten von etwa 
einer Stunde ein, bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von ca 350 Meilen 
die Stunde, und waren also auch ungefähr um diesen Betrag voneinander ent- 
fernt. Die am Kap Horn aufgezeichneten Wellen waren unzweifelhaft durch 
den Ausbruch verursacht und legten 7500 und 7800 Meilen an beiden Seiten 
des Südpolarlandes zurück. Sie waren nur 5 Zoll (13 cm) in Höhe über dem 
mittleren Meeresspiegel, während die an Plätzen in Süd-Afrika, in einem Abstande 
von 5000 Meilen von der Ausbruchsstelle, beobachteten Wellen 1 bis 2 Fufßs 
hoch waren, die ursprünglichen langen Wellen von unbekannter Höhe, aber ver- 
mu%hlich nicht über 10 bis 15 Fufs (3 bis 4/2 m). Dies ist die erste derartige 
Gelegenheit gewesen, die Entfernungen zu untersuchen, bis zu denen sich große 
Wellen fortpflanzen können; aber da eine Katastrophe wie diese im Wieder- 
holungsfalle auch von einem ähnlichen Verlust von Menschenleben begleitet sein 
dürfte, wollen wir hoffen, dafs zu unseren Lebzeiten keine zweite Gelegenheit 
sich bietet, so interessant auch die Bearbeitung der vielen Begleiterscheinungen 
gewesen ist, 
Die durch die Gezeitenwelle verursachte Bewegung der Wassertheilchen 
erstreckt sich bis zum Boden des tiefsten Wassers und spielt ohne Zweifel in- 
sofern eine wichtige Rolle, als sie eine beständige Bewegung in den unergründ- 
lichen Tiefen unterhält; aber die Tiefe, bis zu der die Wirkung der durch 
den Wind hervorgerufenen Oberflächenwellen reicht, ist durch Beobachtungen 
1) Nach C. Abbe’s direkten Beobachtungen der „Roller“ von Crofs Hill auf Ascension in 
870 Fufs Höhe entstehen Roller im Wesentlichen. nur aus der nach der Leeseite der Insel abgelenkten 
schweren Dünung der Luvseite. Von Einflufs sind nach demselben auf die Höhe der Roller. die 
Form und Gröfse der Insel, Lage und Art der die Insel umgebenden Untiefen, Länge und Höhe. der 
ursprünglichen Dünung. Vergl. „Amer. Meteor. Journal“, Oktober 1891. D. Red.
	        
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