362 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1894.
oder 4 Sm, aber es ist kaum zu bezweifeln, dafs noch andere ähnliche Ein-
senkungen gefunden werden.
Die größte mittlere Tiefe scheint dem Stillen Meere zuzukommen, das
67 von den 188 Millionen Quadratmeilen der ganzen Erdoberfläche bedeckt.
Von diesen 188 Millionen gehören 137 der See, so dafs das Stille Meer gerade
die Hälfte des Wassers der Erde ausmacht und über ein Drittel der ganzen Erd-
oberfläche. Für den nördlichen Stillen Ocean schätzt Herr John Murray die
mittlere Tiefe auf über 2500 Faden, während dem südlichen etwas weniger als
2400 Faden zukommen sollen. Diese Zahlen stützen sich auf eine Anzahl
Lothungen, die nur als sehr lückenhaft zu bezeichnen sind.
Um einen Begriff davon zu geben, was noch zu thun übrig bleibt, will
ich bemerken, dafs sich in dem östlichen "Theil des mittleren Stillen Oceans
eine Fläche von 10'/2 Millionen Quadratmeilen befindet, innerhalb deren nur
7 Lothungen liegen, während in einem langen Streifen quer über den ganzen
nördlichen Stillen Ocean von 2% 4 Millionen Quadratmeilen nicht eine einzige
Lothung liegt. Aber trotzdem die angeführte genäherte mittlere Tiefe mit zu-
aehmender Kenntnifs beträchtlichen Aenderungen unterworfen sein mag, wissen
wir doch genug, um zu sagen, dafs der Stille Ocean im Allgemeinen tiefer ist
als die anderen Oceane. Es ist schwer, sich von der ungeheuren Ausdehnung
dieser grofsen Wassermasse dem körperlichen Inhalt und der Oberfläche nach
eine Vorstellung zu machen; aber es mag uns die Sache erleichtern, wenn wir
uns klar machen, dafs alles Land der Erde oberhalb des Meeresspiegels in den
Stillen Ocean geschaufelt, nur ein Siebentel von ihm ausfüllen würde. Der
{ndische Ocean hat nach Herrn Murray bei einer Oberfläche von 25 Millionen
Quadratmeilen eine mittlere Tiefe von etwas über 2000 Faden, Diese Schätzung
beruht ebenfalls auf einer ungenügenden Zahl von Lothungen. Der Atlantische
Ocean, der weitaus am besten ausgelothet ist, hat bei einer Fläche von 31 Millionen
Quadratmeilen eine mittlere Tiefe von etwa 2200 Faden.
Die Temperatur dieser aufserordentlichen Masse Wassers ist ein inter-
essanter Punkt. Die Temperatur der Oberfläche ist für uns am wichtigsten,
da von ihr in beträchtlichem Maße die Klimate der verschiedenen Welttheile
abhängen. Sie läfst sich verhältnifsmäfig leicht bestimmen, Wir wissen soviel
darüber, dafs wir wahrscheinlich in einer Reihe von Jahren keine bedeutenden
Fortschritte machen werden. Wir verstehen vollkommen, warum Gegenden mit
gleicher geographischer Breite in ihren Mitteltemperaturen so weit auseinander-
gehen; warum Nebel in bestimmten Gegenden häufiger auftreten als in anderen;
and wie es kommt, dalß gewisse Gegenden schweren Stürmen häufiger ausgesetzt
sind als andere. Mit Bezug auf den letzten Punkt haben neuere Unter-
suchungen ganz klar ergeben, dafs Stürme dort entstehen, wo grofse Unterschiede
in der Oberflächentemperatur der See auftreten. Es ist durch Beobachtungen
erwiesen, dafs in der Gegend südlich von Neu-Schottland und Neufundland viele
der Stürme entstehen, die über den Atlantischen Ocean die britischen Inseln er-
reichen. Eine Untersuchung der Wassertemperatur an der Oberfläche zeigt, dafs
die Aenderungen in dieser Gegend aufsergewöhnlich grofs sind, nicht nur, weil
an der Innenseite des warmen Wassers des Golfstroms, und zwar unmittelbar
Janeben, das kalte Wasser des Polarstroms südwärts flielst, sondern auch, weil
innerhalb des Golfstroms selber, der aus Streifen warmen und kälteren Wassers
besteht, Unterschiede bis zu 20° F (11° C) vorkommen. Dieselben Verhältnisse
wiederholen sich südlich vom Kap der guten Hoffnung, einer anderen ganz be-
kannten Geburtsstätte von Stürmen. Hier ergiefst sich die Agulbas-Strömung
von ca 70° F (21° C), abgelenkt durch das Land, in die südlicher liegende, um
25° F (14° C) kältere Wassermasse, und der Ort, wo sich beide treffen, ist als
besonders stürmisch wohl bekannt. Südöstlich vom Rio de la Plata ist eine
andere stürmische Gegend; hier finden wir dieselben aufsergewöhnlichen Wechsel
in der Oberflächentemperatur. Noch eine andere liegt in der Nähe der Nordostküste
Japans mit ähnlichen Verhältnissen. Diese Unterschiede entstehen durch eine
Mischung von Wassermassen entweder so, daß eine starke durch das Land ab-
gelenkte Strömung in Wasser von verschiedener Temperatur geräth, wie beim
Kap der guten Hoffnung, oder so, dafs untere Schichten kühleren Wassers durch
einen seichten Oberflächenstrom aufsteigen, wie es im Golfstrom der Fall zu
sein scheint.