Notizen.
353
selten antrifft, lassen sich oft ermattet auf Schiffen nieder. In einem Falle flogen
im Monat Oktober eines Jahres Hunderte von Goldhähnchen an Bord eines
Deutschen, im Englischen Kanal segelnden Schiffes, alle derart ermattet, dafs sie
nach wenigen Stunden starben. Dieses Vorkommen war um so auffallender,
weil hier in weiter Ferne Land in Sicht war. Die große Masse der nach See
verschlagenen Vögel besteht indessen aus den verschiedenen Finkenarten, aus
Staaren, Lerchen etc., Sperlinge trifft man nicht an, sie sind wohl zu gewitzigt
und fliegen zu selten hoch, um sich verschlagen zu lassen. Ueber das Antreffen
vereinzelter Rauchschwalben berichten nicht selten Schiffe, die sich im Nordatlan-
tischen Ocean, südwestlich von den Kap Verde-Inseln befinden. Auch in dem
Madagaskar benachbarten Meere wurden sie mehrfach beobachtet,
Ueber einen recht lehrreichen Fall des Antreffens von Landvögeln auf
See berichtet auch Kapt. Kühlken vom Bremer Schiffe „Johannes“. Als sich
dies Schiff am 19. Oktober 1889 in der Nähe von 45° N-Br. und 45° W-Lg.
befand, hatte es dort einen schweren Sturm zu überstehen, in dem der Wind,
nach vorhergehender kurzer Stille, von ESE nach NW umsprang. Das Schiff
stand damals ganz nahe am Mittelpunkte eines Niederdruckgebietes, das von
West nach Ost zog und welches sich auf seiner Bahn, in der betreffenden synop-
tischen Wetterkarte des Nordatlantischen Oceans, bis zum 16. Oktober zurück
verfolgen lief. Zur Zeit der Windstille ließen sich dann plötzlich viele Land-
vögel, unter denen sich auch zwei Habichte und zwei Reiher befanden, auf dem
Schiffe nieder. Neufundland, das nächste Land, war zur Zeit etwa 450 Sm vom
Schiffe entfernt, die Ostküste der Union aber, von woher der Luftwirbel diese
Vögel wahrscheinlich fortgerissen hatte, mehr als 1000 Sm, HE. HE.
2. Tiefer Barometerstand. An Bord der Bark „F. E, Hagemeyer“,
Kapt. M. Haak, wurde am 9. Januar d. J. auf der Reise von Dublin nach New
York, auf 47° 55‘ N-Br und 24° 42‘ W-Lg bei schwerem Sturm der aufserordent-
lich tiefe Barometerstand von 705,1 mm (red.) beobachtet. Der Sturm begann
des Morgens gegen 3 Uhr aus SSE und nahm bei äufserst schnell abnehmendem
Luftdruck — in 4 Stunden 18,4 mm — sehr rasch .an Stärke zu, wobei sich
seine Richtung für das beigedreht liegende Schiff nach Ost und ENE veränderte.
Die oberen Wolken zogen zu der Zeit aus Süd. Bis 11 Uhr vormittags wehte
es orkanartig; dann trat mit dem tiefsten Barometerstande plötzlich Windstille
ein — See ganz furchtbar wild, Luft überall drohend; darauf folgte um 11'/4 Uhr
leiser Zug aus NNW, aber schon um 11'/a Uhr wehte es aus NW wieder mit
orkanartiger Stärke. Die hintere Hälfte des Sturmfeldes ging viel weniger rasch
am Schiffe vorüber; noch den ganzen folgenden Tag und den zweitfolgenden
blieb der Wind stürmisch aus West und SW, und das Steigen des Barometers
ging dementsprechend auch viel langsamer vor sich.
In der „Pilot Chart“ des „Hydrographic Office“ in Washington für
Februar 1894 sind für diesen Sturm einige noch etwas tiefere Barometerstände
verzeichnet, doch ist nicht angegeben, ob sie an geprüften Instrumenten beob-
achtet worden sind. Das Barometer an Bord des „F. E. Hagemeyer“ ist Eigen-
thum der Seewarte und von diesem Institut geprüft worden.
Eingänge von meteorologischen Tagebüchern bei der Deutschen
Seewarte im Monat August 1894.
Von Kauffahrteischiffen.
a. Segelschiffe:
ı. Hamburger Vollschiff „Diamant“, Kapt. C. L. Jensen. Lizard—
Callao, 2/9-—24/12 1893, 113 Tage. Callao—Iquique, 2/2—24/2 1894, 22 Tage.
[quiaque—Lizard, 3/4—24/7 1894, 112 Tage.