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Annalen der Hydrographie und Maritimean Meteorologie, September 1894
Von Montevideo nach Punta Arenas und Valparaiso.
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Arcona“, Kommandant Kapt. z. S. HOFMEIER.
I. Von Montevideo nach Punta Arenas.
i. Wind und Wetter. Auf der Rhede von Montevideo setzte am
20. Mai 1894 morgens bei fallendem Barometer Nordwestwind, Stärke 5, ein,
der am folgenden Tage, indem das Wetter böig und regnerisch wurde, bei sehr
schnell fallendem Barometer auf SE umsprang. Der Wind erreichte bald die
Stärke 7 und verursachte einen dementsprechenden Seegang. Bei steigendem
Barometer änderte der Wind seine Richtung auf SW, dann auf NW, dabei all-
mählich abflauend bis Stärke 1. Beim Verlassen der Rhede von Montevideo am
23. abends hatte der Nordwestwind bis zu Stärke 7 wieder aufgefrischt und ging
am 24. morgens, ohne seine Stärke zu ändern, auf WSW herum, indem gleich-
zeitig das Barometer wieder zu fallen begann und heftige Böen einsetzten. Die
südwest- bis südliche Richtung des Windes bestand bis zum 27. morgens. Die
Böen hatten am 26. mittags aufgehört, als das Barometer entschieden zu steigen
begann.
Während dieser ganzen Zeit war das Wetter schlecht, der Himmel meist
ganz bedeckt, die Böen von Regen oder Hagel begleitet. Am 27. flaute der
Wind bei steigendem Barometer ab, und nach fünfstündiger Stille setzte am
folgenden Tage NW bis zu Stärke 5 ein.
2. Strom. Der Strom setzte durchweg der Richtung des Windes ent-
sprechend, und bei dem starken Nordwestwind war die Stromversetzung bedeutend,
so am 25. Mai N 44° 0 47 Sm und am 26. Mai N 17° O 44 Sm; die Wirkung
der Brasilströmung wurde dadurch aufgehoben.
3. Ansteuerung und Einsegelung. Kap Virgins wurde am 28, nach-
mittags gesichtet, jedoch so, dafs der einbrechenden Dunkelheit wegen die Ein-
fahrt in die Magellan-Strafse nicht mehr zu gewinnen war. Nachdem während
der Nacht das Schiff auf nördlichen und südlichen Kursen in der Nähe des Kaps
gehalten war, wurde am 29. Mai mit Hellwerden bei regnerischem Wetter auf
die Küste nördlich von Kap Virgins zugedampft, bis dasselbe an B.B. auf kurze
Zeit in Sicht kam.
Auf Grund einer Peilung und einer Tieflothung wurde, um Strafsburg-
Ville-Rock zu vermeiden, ein entsprechender südlicher Kurs gedampft, und da es
nun ganz unsichtig geworden war, die Garmiento-Bank durch Lothungen an-
gesteuert. Nachdem die letzteren ergeben hatten, dafs die Bank und damit
Nassau Rock passirt waren, wurde unter beständigem Lothen Kurs auf die Küste
zwischen Kap Virgins und Dungeness Point genommen, welches etwa 2 Sm ab
in Sicht kam.
Das Wetter klarte nach dem Passiren von Dungeness Point für einige
Zeit ganz auf. Kurz nachdem der Ankerplatz von Possession-Bai erreicht war,
stellten sich jedoch wieder Regen und Nebel ein.
Die am 30. Mai fortgesetzte Fahrt nach Punta Arenas bot bei klarem
Wetter keine Schwierigkeiten. Auf dem Grunde östlich von Santa Magdalena
(Queen’s Channel) wurde das Wrack eines französischen Dampfers bemerkt,
welcher etwa zwei Wochen vorher bei der Passage des New Channel auf einen
anbekannten Felsen leck gestofsen und dann bei der erwähnten Insel auf Grund
gesetzt war. Die Position des Felsens ist noch nicht gefunden.!) Die Passage
durch Queen’s Channel ist somit gerathener als die durch New Channel.
Il. Von Punta Arenas nach Valparaiso.
i. Wind und Wetter. Die weitere Fahrt, nachdem Punta Arenas am
3. Juni verlassen war, bis Puerto-bueno (Smyth Channel), welches am 7. Juni
erreicht wurde, war von böigen Nordwestwinden begleitet, das Wetter regnerisch,
Vol. _Nachr. f. Seef.“ 1894. No 1784. D. Red.