346 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1894.
führen kann, Da im Fluß keine regelmäfsigen Vermessungen stattfinden, 8o
werden neuentstehende Bänke gewöhnlich erst dann bemerkt, wenn ein Dampfer
dort festgerathen ist. Der nächste Dampfer sucht dann das neuentstandene
Fahrwasser aufzufinden.
Der am meisten veränderliche Theil des Flusses ist augenblicklich zwischen
Wuhu und Kiukiang. Die vier Dampferkompagnien, welche die regelmäfige
Fahrt auf dem Flusse unterhalten, lassen deshalb zwei Dampfer beständig auf
diesem Theile des Flusses auf- und abfahren und lothen. Zur Bezeichnung des
Fahrwassers werden dann Bojen ausgelegt. Dieselben bestehen aus dreieckigen
Bambusflöfsen, welche kleine rothe oder blaue Flaggen tragen. Beim Herauf-
yehen muß man die rothen Flaggen an St. B., die blauen an B. B. lassen.
Diese Bojen sind bei unsichtigem Wetter sehr schlecht zu erkennen und
werden durch Wind und Strom häufig weggetrieben, 30 dafs man sich vielfach
nicht auf sie verlassen kann. Da auch das Loth nicht immer rechtzeitig
Warnung giebt, weil die Bänke meistens sehr steil abfallen, so ist man bei
schlechtem Wetter öfters genöthigt, sofort zu ankern und auf besseres Wetter
zu warten.
Singapore—Colombo—Seychellen—Sansibar— Kapstadt.
Aus dem Reisebericht S, M. S. „Sperber“, Kommandant Korv.-Kapt. VON ARNOLDI.
Am 31. Januar 1894 8" a verliefs S. M. S. „Sperber“ die Rhede von
Singapore. Am 1. und 2, Februar wurde die Malakka-Strafse passirt, und in
derselben bei verschiedenen Winden im Durchschnitt ein westlicher Strom von
etwa 20 Sm beobachtet. Nach Verlassen der Strafßse wurde sofort im Meerbusen
von Bengalen der Nordostmonsun angetroffen, der nach mehrstündiger Stille
plötzlich mit Stärke 4 einsetzte und bis zum 7. morgens anhielt, aus sämmtlichen
Richtungen des 1. Quadranten zeitweise mit Stärke 6 wehend.
Der im Meerbusen von Bengalen angetroffene Strom war folgender:
Am 3. bis 4. Februar N 60,5° W 27 Sm.
4 „ 5 „WW 26
5. „ 6 „ SWU°W U,
5. „7. „ S63°W 20 ,
Am 7. nachmittags wurde im Hafen von Colombo festgemacht.
Das Wetter während des Aufenthaltes war gut. Die Temperatur betrug
mittags im Durchschnitt 30°. Nachts fiel das Thermometer bis auf 24° C. Da
durch die jetzige Nord—Süd laufende Mole bei längerem nördlichen Winde ein
beträchtlicher Seegang im Hafen nicht verhindert wird, beabsichtigt die Regierung,
noch eine Ost— West gehende Mole anzulegen.
Am 12, vormittags wurde der Hafen von Colombo verlassen, Kurs auf
die Insel Minikoi (Laccadiven) gesetzt und südlich derselben in Sicht des Feuers
passirt. Die auf der Weiterreise nach den Seychellen angetroffenen Wind- und
Stromverhältnisse waren folgende:
Wind:
{3. his 14, Februar verschieden,
14. 15, „ NNW-—ESE 1--3
15. „ 16. ® östlich 2—4
16. „ 17. # südöstlich 2—4
17. „ 13 - östlich 1—2
18. „ 219 “ verschieden 1—2 %
Diese Verhältnisse entsprechen in keiner Weise den im Atlas „Indischer
Ocean“ (Deutsche Seewarte) enthaltenen Angaben. 58. M. S. „Möwe“, die den:
selben Weg im Anfang des Februar in umgekehrter Richtung zurückgelegt hatte,
war denselben Stromverhältnissen begegnet.
Bemerkenswerth ist der für die offene See sehr hohe "Thermometerstand
während der Reise. Die Temperatur fiel selbst nachts nicht unter 27°C., betrug
mittags stets über 30°, an einem Tage um 4" p noch 33,7°.
Strom:
N 25° W
N 88° W
N 68° W
N63°W 2ı
NS5°W 58
382° W 60
20)