Ann. d. Hydr. usw., LXV. Jahrg. (1937), Heft XII.
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Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher.
Von Erich Wasmund, Kiel.
Meeresgeologische Arbeiten Kiel-Kitzeberg Nr. 141),
(Hierzu Tafel 65.)
1. Sichtverhältnisse und Umwelt.
Licht und Farbe unter Wasser sind für uns nicht nur ein physikalisches
Problem. Sondern dem Sinn dieser Arbeit entsprechend, fragen wir, wieweit der
naturforschende Taucher überhaupt beobachten kann — das hängt von den Sicht-
verhältnissen ab, und wieweit er wahr und ungestört, bzw. selber störend be-
obachten kann. Das hängt in der leblosen Welt davon ab, wie sehr der Taucher
durch Störung der Sedimentruhe die Wasserzusammensetzung zuungunsten der
Klarheit ändert, ferner von den mit zunehmender Tiefe auslöschenden Spektral-
farben, und schließlich vom Verhalten der lebendigen Umwelt gegen den Taucher.
Die Erörterung der Sichtverhältnisse ist außerdem Voraussetzung für das Ver-
ständnis der Unterwasser-Photographie.,
Der Laie, auch mancher Naturwissenschafter, macht sich meist nicht klar,
daß Sichttiefe und Sichtweite sehr voneinander verschieden sind. Wir sind
noch kaum in der Lage, beide örtlich und zeitlich stets wechselnden Größen in
eine gesetzliche funktionale Beziehung zueinander zu setzen. Die Sichttiefe in
das Wasser hinein, vertikal, setzt nicht nur völlig ruhigen Wasserspiegel voraus,
sondern nimmt mit der Höhe über Wasser (Flugzeug!) zu. Die Sichtweite im
Wasser selbst, horizontal (und auch in anderen Richtungen), hängt ab von der
absolut eindringenden Lichtmenge, damit von Breitenlage, Jahreszeit, Himmels-
bedeckung, vom Seegang und von der Reinheit des Wassers von suspendierten
Stoffen. Das sind nur die Hauptfaktoren, Praktisch kann man das zunächst
daran veranschaulichen, daß zwei Taucher im flachen Wasser, die der Zuschauer
an Land oder an Deck gut arbeiten sieht, voneinander nichts zu sehen brauchen.
Die Sichtweite kann bei guter Sichttiefe dann so schlecht sein, daß die beiden
Taucher sich nicht optisch, sondern nur durch Berühren der Helme akustisch
verständigen können,
Beginnen wir mit dem Einfachsten, Die größere Lichtmenge der Tropen
hat naturgemäß zur Folge, daß man in gleicher Tiefe eines Korallenriffs erheb-
lich weiter sieht als etwa am Ufer eines norwegischen Fjords. Dazu kommt
sofort, daß heller weißer Boden, etwa Kreide oder Quarzsand, das Licht reflektiert,
also das Wasser darüber aufhellt, dunkler Boden, wie etwa Gyttja, die Strahlen
absorbiert, also das Wasser verdunkelt. Der Unterschied in Helligkeit und
Klarheit beispielsweise auf den Sandgründen westlich Fehmarn und den Faul-
schlammböden gleicher Tiefe im Kieler Hafen ist enorm. Er wird natürlich wie
auch anderswo mit bedingt von der Planktonmenge und dem leblosen Detritus.
So erklären sich regionale Unterschiede. Wir wissen aus Taucherbeobachtungen
zu wenig, um die regionalen Verschiedenheiten schon wirklich zu kennen, denn
Sichttiefenbeobachtungen lassen sich nicht ohne weiteres übertragen, Aber sicher
ist, daB Herabsetzung der Sichttiefe durch Suspension auch die Sichtweite herab-
setzt, meist noch stärker. So können als Pessimumgewässer z. B. dystrophe
Seen oder die Flachsee des Wattenmeeres, der Golfküste angesehen werden;
optimale Sichtweiten scheinen im Mittelmeer und in pazifischen Tropengewässern
vorzuliegen. Rickett fand in Green Lake, Wisconsin, in 7 m noch „fairly bright
sunlight“, darunter aber eine scharfe Grenze, und bei 10 m Tiefe fast völlige
Dunkelheit (33 m mittlere Tiefe des Sees), Bei Versuchsarbeiten mit dem
Panzertauchgerät von Neufeld u. Kuhnke in Kiel im Großen Plöner See in
Holstein zeigt sich, daß in etwa 15 m Tiefe ebenfalls eine ziemlich scharfe Grenze
von hellem Öberwasser zu fast völlig dunklem Tiefenwasser vorhanden war, In
2) Nr. 13 ist: K. Lamcke, Natürliche Anreicherungen von Schwermineralien in Küstengebieten, -—
Geol, d. Meere u. Binnengew. 1, 1, S. 106 bis 125, 1937.
Ann. d, Hydr. usw. 1937, Heft XM.