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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1894. 
Photographische Küstenaufnahmen. 
Von ROBERT TALBOT. 
Zweck der nachfolgenden Zeilen ist, den Schiffsführern der Kauffahrtei- 
flotte eine kurze Anleitung zu geben, aus der Photographie Nutzen zu ziehen, 
während sie sich an Bord des Schiffes befinden. Wie die Ueberschrift ergiebt, 
handelt es sich besonders um Küstenaufnahmen, sei es, dafs dieselben zur Küsten- 
oeschreibung oder im Interesse einer sicheren und schnellen Navigirung liegen. 
Es ist klar, dafs photographische Küstenaufnahmen vom Schiff aus andere 
Apparate bedingen, als Aufnahmen auf dem festen Lande, weil sich das Schiff 
in fortwährender Bewegung befindet.“ Aus diesem Grunde mufs die Belichtungs- 
dauer eine so kurze sein, dafs sich die Schwankungen des Schiffes auf der photo- 
graphischen Platte nicht markiren. 
Wir setzen voraus, dafs den Lesern ein photographischer Apparat mehr 
oder weniger bekannt ist. Nachstehend eine Abbildung, welche den Bau einer 
zerlegbaren Reise-Camera, wie 
sie jetzt gebraucht werden, zeigt. 
Wegen der Feuchtigkeit der Luft 
muß die Camera aus ganz 
trockenem Mahagoniholz gefertigt 
und mit Messingbeschlägen und 
einem ledernen Balgauszug ver- 
sehen sein. Apparate, welche 
diese Eigenschaften nicht besitzen, 
sind unbedingt zu verwerfen, da 
sie sich infolge der Feuchtigkeit 
werfen und bald werthlos werden. 
Um die Feuchtigkeit soviel als möglich abzuhalten, empfehlen wir, jede 
Kassette in einer Tasche von Gummituch (Kassettenschoner genannt) auf- 
zubewahren. Die Camera kommt gleichfalls in eine solche Tasche, und das 
Ganze bewahrt man in einem mit wasserdichtem Segeltuch überzogenen Koffer 
auf. Sehr gut haben sich auch lederne Koffer, sogenannte Gladstone Bags, mit 
starkem und sorgfältig gearbeitetem Bügel bewährt. Auf alle Fälle müssen die 
Koffer Schlösser besitzen, um unbefugtes Oeffnen zu verhindern, 
Bildgröfse. Von den Normalgröfsen 9 >12, 13 > 18 und 18 > 24 cm 
ist 13 >< 18 die empfehlenswertheste. Es liegt auf der Hand, dafs man mit einer 
grofsen Camera kleinere Bilder machen kann, nicht aber umgekehrt. Von dem 
für Küstenaufnahmen empfohlenen Mafßs 12 >< 40 cm rathen wir entschieden ab. 
Objektiv und Verschlufs. Da man wegen der Schwankung des 
Schiffes eine kurze Belichtungszeit anwenden mufs, um Doppelbilder zu vermeiden, 
so gebraucht man lichtstarke Objektive, versehen mit einem Augenblicks-Ver- 
schlufs, Als Objektive kommen für uns nur die modernen in Frage, als da sind 
die Anastigmate und Rapid-Antiplanete. Von Verschlüssen giebt es eine ganze 
Anzahl vortrefflicher Muster, welche sich für unsere Zwecke gleich gut eignen. 
In unseren Händen hat sich der „Zukunft“- und der „Clegil“-Verschlußs am 
besten bewährt. Auch der Steinheil-Verschlulß ist vortrefflich. Die ersteren 
zwei arbeiten zwischen Camera und Objektiv und sind so gebaut, dafs sie nicht 
gut in Unordnung gerathen können. Mit den gewöhnlichen Objektiven werden 
weit entfernte Gegenstände so klein wiedergegeben, dafß sie nur noch als Linien 
erscheinen. Um diesem abzuhelfen, hat man die sogenannten Fern-Objektive 
gebaut, von welchen wir später eingehend sprechen werden, Ist man aber nicht 
weiter als 1000 bis 1500 m entfernt, so kann man ruhig bei den oben erwähnten 
Objektiven bleiben. 
Stativ. Das Stativ dient zur Aufstellung der Camera und besteht aus 
drei Beinen, welche in sich zusammenlegbar sind, so dafs das Ganze nur wenig 
Platz einnimmt, Die Verbindung zwischen Camera und Stativ nennt man 
Dreieck. Sehr gut hat sich auch das sogenannte Gelenk-Stativ bewährt,
	        
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