57
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1894.
14. Der Hafen von Poti.
Der Hafen von Poti liegt nördlich vom rechten Arme des Rion unter
43° N-Br und unter 41° 37‘ O-Lg des Meridians von Greenwich. Der Hafen
wird durch den 441 Faden langen nördlichen und den 282,5 Faden langen südlichen
Damm begrenzt. Die Hafeneinfahrt zwischen denselben ist 48 Faden breit. Die
begrenzte Wasserfläche umfalst 65 000 Quadratfaden. Dieselbe wird durch einen
mittleren, 140 Faden langen Damm in den Vorhafen und in den eigentlichen Hafen
getheilt. Die ungefähre Wassertiefe beträgt in der Einfahrt 30 Fuß (9 m), im
Vorhafen 18 Fufs (5'/2 m), in dem eigentlichen Hafen 16 bis 18 Fuß; sie erreicht
am nördlichen Damm auf eine Länge von 100 Faden 20 bis 25 Fufs (6 bis 7’ m).
Das Hafengebiet ist mit der Eisenbahnstation des Ortes durch Anschlufsgleise
verbunden. Die Uferlänge des Hafens beträgt 120 + 170 = 290 Faden.
Im Jahre 1890 erreichte der Güterverkehr durchschnittlich” 75 000 Pud
auf je 1 Faden Uferlänge. Die Güter werden dem Hafen durch die Transkaukasische
Eisenbahn sowie zur See und von dem auf 80 Werst (46 Sm) Länge schiffbaren
Rion durch Küstenschiffe zugeführt. Der Hafen ist das ganze Jahr hindurch für
Schiffe zugänglich; bei starken West- und Südwestwinden ist das Meer aber so
stürmisch, dafs das Ankern im Vorhafen unmöglich und im eigentlichen Hafen
gefährlich wird. Zum Anlegen der Schiffe sind auf den Kais eiserne Pfosten
and im Hafen sechs verankerte Bojen angebracht, Der Hafeneingang wird durch
Doppelfeuer — das vordere roth, das hintere weiß — bezeichnet, die 7 Sm weit
sichtbar sind.
Zur Lagerung der Güter sind auf dem mittleren Damm etwa 1300 Quadrat-
faden mit Einschlulßs eines Schuppens aus Wellblech vorhanden. Auf dem nörd-
lichen Damm befindet sich eine Petroleumleitung. Das Gelände zwischen dem
Hafen und der Eisenbahnstation — eine sumpfige Ebene von 2 Werst Länge und
600 Faden mittlerer Breite, welche theils der Stadt, theils der Eisenbahn gehört —
enthält Lagerplätze für Mangan und Steinkohlen und Schuppen für Getreide
u. dergl. Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Mangan, Mais, Korn, Holz und
Baumwolle. im Jahre 1891 sind 517 Schiffe in den Hafen eingelaufen und
11672 000 Pud ausgeführt, 4916 000 Pud eingeführt.
15. Der Hafen von Batum.
Die Stadt Batum liegt in 41° 39‘ N-Br, 41° 38‘ O-Lg von Greenwich in
einer Ebene, welche sich durchschnittlich etwas mehr als 1 Faden über den
Meeresspiegel erhebt. Dieselbe ist im SW von dem Flusse Tshorokh, im
Westen und Norden vom Meere, im NO und SO durch die Bergrücken
Jes Adjar-Gebirges begrenzt. Einige Schluchten dieser gebirgigen Gegend
werden von Bächen durchzogen, welche in das Meer münden. Die bedeutendsten
lerselben sind die Bartskhana, welche längs der Stadt der Bucht zuströmt, und
der Tshorokh, welcher etwa 7 Werst westlich von der Stadt in das Meer mündet.
Der Boden und die Ufer der Bucht bestehen fast ausschliefslich aus Kies mit
geringfügigen Zwischenschichten von Lehm oder Schlamm.
Nahe bei Batum besteht eine Uferströmung in der Richtung vom Tshorokh
nach der Bucht. Diese gewöhnlich schwache Strömung verstärkt sich nach
Regenwetter erheblich. Der Salzgehalt des Wassers ist infolge der Nachbarschaft
les Tshorokh erheblich geringer als an anderen Stellen des Küstengebiets von
Anatolien.
Die vorherrschende Windrichtung in Batum ist die südwestliche. Sie er-
schwert den Hafenverkehr jedoch nur wenig, da die Wellenbewegung alsdann
an der Bucht vorübergeht, ohne dieselbe wesentlich zu beeinflussen. Schädlich
für Batum ist der Nordwestwind, welcher das Löschen und Laden der Schiffe
hindert. Die Winde von SW über Süd bis Nord sind für den Hafen bedeutungs-
los, da sie nur sehr schwach sind. Unter ihnen erreicht der SE bisweilen be-
deutende Stärke, bringt aber, als Landwind, im Hafen keinen Seegang hervor,
Der Wechsel des Wasserstandes in der Bucht von Batum hängt aus-
schliefslich von der Kraft und Richtung der Winde ab und schwankt zwischen
+ 0,15 Faden (4- 0,3 m) und — 0,15 Faden (— 0,3 m) gegen die von der Marine-
verwaltung festgesetzte Normalhöhe. Der Pegel befindet sich in dem im Bau