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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1894. 
In Riga bestehen 197 gewerbliche Fabriken und Werkstätten, deren 
jährliche Ertragsfähigkeit 30 Millionen Rubel erreicht, ferner zwei Schiffswerften. 
in der Stadt und Umgebung befiuden sich 21 Dampfsägemühlen und 18 Bier- 
brauereien. Die Einfuhr hat im Jahre 1890 über 3'/s Millionen Metallrubel an 
Zollabgaben eingebracht. 
Riga ist der Heimathshafen für 77 Schiffe mit einem Rauminhalt von 
9381 Last, und zwar 33 Segelschiffe mit einem Rauminhalt von 6157 Last und 
44 Dampfschiffe mit einem Rauminhalt von 3224 Last. Der Hafen bleibt bis- 
weilen das ganze Jahr hindurch für die Schiffahrt frei, bisweilen friert er während 
ler vier Wintermonate zu; Angaben über die durchschnittliche Dauer des Schiffs- 
verkehrs in dem Hafen haben daher keinen praktischen Werth. Die Einfahrt der 
Schiffe im Winter hängt von dem Zustande der Meerenge am Kap Domesnes 
ab und von demjenigen Theile des Meerbusens an der Mündung der Düna, dessen 
Zufrieren weniger durch den Frost als durch die Richtung und die Kraft der 
Jen Frost begleitenden Winde bedingt wird. Im Winter wird die Schiffahrt 
nach Riga vermittelst dreier Dampf-Eisbrecher ermöglicht, welche das Fahrwasser 
eisfrei halten, bis der Rigaische Meerbusen für die Schiffe frei ist. 
Im Jahre 1844 ist auf Betreiben der Kaufmannschaft in Riga eine Schiffer- 
schule gegründet, welche im Jahre 1867 nach Mafsgabe des Allerhöchst bestätigten 
Programms in eine höhere Schiffer-Lehranstalt umgewandelt ist. Die im Jahre 1879 
singerichtete Abtheilung derselben für Maschinisten und deren Gehülfen wird 
jetzt von 80 Zöglingen besucht. 
Bei hohem Wasserstande steigt das Wasser in der Düna bei der Stadt 
Riga um 4% bis 5 Fuß (1,5 m). Der höchste Wasserstand hat 8 Fuß (2,4 m) 
äber dem mittleren Wasserspiegel erreicht. Bei starken und anhaltenden Winden 
aus SO fällt der Wasserspiegel in der Stadt und an der Flußsmündung bis 
21% Fuß (0,8 m) unter den mittleren Wasserstand, Bei Seestürmen steigt der 
Wasserspiegel an der Mündung bis 6 Fuls über den gewöhnlichen Wasserstand. 
Die Stromgeschwindigkeit der Düna beträgt in der Höhe des Wasser- 
spiegels durchschnittlich 0,7 Fufs (0,2 m) in der Sekunde. Bei den Frühjahrs- 
überschwemmungen erreicht die Stromgeschwindigkeit in der Stadt 6,5 Fufß (2 m), 
im Durchschnitt 4 Fuß (1,2 m). Die Tiefenangaben auf dem Hafenplane beziehen 
sich auf die Pegelhöhe von 4'/2 Fuß (1,4 m) an dem Pegel der Eisenbahnbrücke 
ınd von 4 Fuß (1,2 m) an dem Pegel bei Dünamünde. Die Angaben über die 
Meerestiefen beziehen sich auf den Wasserstand von Dünamünde nach Mafsgabe 
der Pegelhöhe von 4 Fufs (1,2 m) bei Dünamünde. Der Nullpunkt beider Pegel 
jegt 0,847 Faden unter dem Nullpunkte des Pegels von Kronstadt. 
5. Der Hafen von Windau. . 
Der Hafen von Windau erstreckt sich längs der letzten 4 Werst (2,3 Sm) 
der Mündung des Windau-Flusses. In dem unteren, 2 Werst langen Theile des 
Hafens vom Meere bis zu der städtischen Schiffsbrücke findet die Schiffahrt das 
ganze Jahr hindurch statt; in dem Theile oberhalb der Brücke ist dieselbe im 
Winter wegen des Zufrierens des Flusses geschlossen. 
Die Einfahrt in den Fluß ist durch zwei Molen geschützt, von welchen 
die südliche 124, die nördliche 69 Faden lang ist. 
Kais, Uferbefestigungen und Vorrichtungen zum Festlegen der Schiffe sind 
aur in dem unteren Theile des Flusses von der Mündung bis zur Schiffsbrücke 
rorhanden; stromaufwärts von letzterer ist der Flufs in seinem natürlichen Zu- 
stande. An dem südlichen Ufer sind die Kais und Uferbefestigungen 750, 
an dem nördlichen Ufer 225 Faden lang; an dem nichtbefestigten Theile des 
nördlichen Ufers sind ferner auf eine Streckenlänge von 600 Faden Pfosten zum 
Festlegen der Schiffe angeordnet. 
Als Niederlage für die Güter dienen am südlichen Ufer des unteren Flufs- 
Iheiles zwischen dem alten Winterhafen und dem Schlosse etwa 2500 Quadratfaden 
anbedeckter und ungepflasterter Flächen und an dem Kai stromaufwärts von 
Magazinen umgebene gepflasterte Flächen im Umfange von 2200 Quadratfaden. 
Die Kais und der Hafen werden folgendermafsen benutzt: Am südlichen 
Kai, zwischen dem alten Winterhafen und dem Schlosse, auf eine Streckenlänge 
von 165 Faden, legen die aus dem Auslande kommenden Schiffe zur Erledigung
	        
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