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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Beschreibung russischer Handelshäfen. 
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Der 30 Fuß (9 m) tiefe Kriegshafen dient nur als Aufenthalt für Kriegs- 
schiffe im Sommer während der Marine-Uebungen. Der Handelshafen wird durch 
die Handelsbrücke in zwei Abschnitte getheilt, den durchschnittlich 20 Fufs (6 m) 
tiefen nördlichen für grofse Schiffe und den an den Kais 7 bis 14 Fufs (2,1 bis 4,3 m) 
tiefen südlichen für kleinere Küstenschiffe. Für den gewöhnlichen Güterverkehr 
und die Personendampfer ist das Ende der Handelsbrücke bestimmt. Der neue 
Hafen hat am Kai eine Wassertiefe von 25 Fuls (7,6 m) für tiefgehende Schiffe 
des auswärtigen Verkehrs und 20000 Quadratfaden Ladeflächen. Derselbe ist 
mit der Güterstation der Baltischen Eisenbahn durch Gleise verbunden. 
Die hauptsächlichste Windrichtung ist die westliche, namentlich die süd- 
westliche, sodann die nordwestliche; seltener sind die nördlichen und östlichen 
Winde. Am stärksten sind die nordöstlichen Winde; sodann folgen die nörd- 
lichen, östlichen und westlichen. Der stärkste Wellenschlag auf der Rhede findet 
bei den nicht häufigen Nord- und Nordwestwinden statt, für welche dieselbe 
offen ist. Bei starkem Nordwinde wird der Schaum der gegen die Aufsenseite 
Jes nördlichen Bollwerkes geschlagenen Wellen bis über die Brustwehr getrieben, 
welche 21 Fuß (6,4 m) über dem gewöhnlichen Wasserstande liegt. Beim KEin- 
tritt in den Hafen bilden diese Wellen zwischen der Ost- und Nordmole eine 
Brandung, welche bei starken Stürmen die Bewegung der Schiffe sehr erschwert. 
Der Boden des Hafens besteht aus festem, mit einer Schlammschicht be- 
decktem Sande, welcher auf blauem Thon lagert und für das Ankern günstig ist. 
Durch die Winde, welche Wasser in die Bucht treiben, werden nur wenig 
bemerkbare Uferströmungen erzeugt. Sie beeinflussen die ausschliefslich durch 
die Wellenbewegung entstehenden Anschwemmungen nicht, welche auch eine 
rasche Verflachung des Hafens oder der Hafeneingänge nicht befürchten lassen, 
da sie sich langsam bilden und von Baggermaschinen leicht entfernt werden. 
Als Nullpunkt für die Höhenangaben ist eine 1,21 Faden unter der oberen Sockel- 
stufe des Zollamtes befindliche Stelle angenommen. Der Wasserstand steigt bei 
Winden der westlichen Kompafsseite und fällt bei Winden der östlichen Kompafs- 
seite. Die Schwankungen umfassen etwa 0,72 Faden (1,5 m). 
Bei Nordwind bedeckt die Rhede sich mit Treibeis, welches beim Zu- 
sammenfrieren eine ungleichmäfsige Oberfläche bildet. Wenn der Wind vorzugs- 
weise auflandig ist, so wird die. Rhede für Schiffe mehrere Monate hintereinander 
geschlossen; gewöhnlich aber wird die Bucht im Winter mehrmals geschlossen 
und wieder eisfrei, Ersteres bei Nordwind, Letzteres bei Südwind. Die Schiffahrt 
ist durchschnittlich jährlich an 49 Tagen geschlossen; während der letzten 
30 Jahre ist sie nur in acht Wintern nicht unterbrochen worden. . 
Der Güterumsatz erreicht einen Werth von 70 Millionen Rubel. Die KEin- 
fuhr beträgt 10 Millionen Pud, die Ausfuhr 16'/2 Millionen Pud. Hauptsächliche 
Einfuhrgegenstände sind Baumwolle aus Amerika und England und Steinkohle 
aus England. Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Getreide (namentlich Hafer) 
and Spiritus. Da der Schiffsverkehr im Revaler Hafen länger dauert als im 
Petersburger Hafen, so wird der Verkehr des letzteren, wenn derselbe schon 
anzugänglich ist, bisweilen auf ersteren übertragen. 
Der Küstenhandel ist in Reval erheblich geringer als der Auslandsverkehr. 
Die Einfuhr des ersteren nimmt rasch zu, während die Ausfuhr ziemlich unver- 
ändert geblieben ist. Gegen 4!/a Millionen Pud Salz werden auf dem Wasser- 
wege um Europa von den Häfen der‘ Krim eingeführt. Ferner kommt Holz aus 
Finnland. Die etwa !/a Million Pud umfassende Ausfuhr erstreckt sich vorzugs- 
weise auf Salz, Mehl und Kilo-Strömlinge. 
Im Durchschnitt laufen in den Hafen jährlich 500 Schiffe des Auslands- 
verkehrs mit einem Raume von 300 000 Registertonnen ein und 1000 Küstenschiffe 
mit einem Raume von 90 000 Tonnen. 
Die Uferlänge des Revaler Hafens einschliefslich der Treppen und todten 
Winkel beträgt 945 Faden, wovon auf das westliche Bollwerk 207, auf die 
Handelsbrücke 285, auf die Küstenschiffahrts-Stelle 110 Faden, auf den neuen 
Vietoria-Kai 97, auf die neue Bucht 246 Faden entfallen. Von den Kais 
haben 360 Faden eine Wassertiefe von 24 Fuß (7,3 m), 264 eine Wassertiefe 
von 18 bis 23 Fuß (5,5 bis 7 m) und 152 Faden eine Wassertiefe von 14 bis 
16 Fuß (4,3 bis 4,9 m). Schuppen und Lagerstellen für Einfuhrgüter befinden 
sich hauptsächlich in der Stadt, aufßserdem beim Zollamt in einem Umfange von
	        
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