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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1894,
Der gesammte Handelsumsatz beträgt 135—175 Millionen Pud mit einem
Werthe von 125—175 Millionen Rubel.
Der Hafen ist in letzter Zeit während der Schiffahrtsperiode von 1750 bis
2000 Seeschiffen mit einem Rauminhalte von 510 000 bis 530 000 Last!) benutzt;
hierunter waren 1300 bis 1400 Dampfer mit einem Rauminhalt von 450 000 bis
470 000 Last. Neuerdings hat wohl die Zahl der Schiffe abgenommen, jedoch
ihr Rauminhalt im Allgemeinen nur wenig.
Die Schiffe werden hauptsächlich in den folgenden Theilen des Hafens
beladen und entladen:
1. In Kronstadt wird der gröfsere Theil der Steinkohlen in dem großen
„mittleren Hafen“ entladen und das Holz in dem „Handelshafen“ verladen, Der
Güterumsatz des Kronstadter Hafens beträgt 75 bis 90 Millionen Pud.
2. In dem „neuen“ (Einfuhr-) Hafen und an den Anlegestellen der Insel
Gutujewsky wird fast das ganze Durchgangsgut, ein grofser Theil anderer für
den örtlichen Verkehr bestimmter Güter und ein kleiner Theil der Steinkohlen
ausgeladen. Verladen werden daselbst vorzugsweise verschiedene Ausfuhrgüter
aufser Naphtha und Petroleum, ferner Getreide aus den vom Marien-Kanal-System
kommenden Schiffen und aus den Leichterschiffen, welche das auf der Eisenbahn
zugeführte Getreide von der Kalaschnikow-Station anbringen. Der Waarenumsatz
des neuen Hafens beträgt 25 bis 35 Millionen Pud.
3. Auf der Newa zwischen der Nikolai-Brücke und der Mündung des
Katharinenhof-Kanals werden hauptsächlich Seeschiffe mit Getreide beladen und
nur ausnahmsweise Steinkohlen entladen. Der Aufsenhandel dieses Hafentheiles
beträgt 30 bis 50 Millionen Pud. Daselbst legen auch die Dampfer an, welche
den Verkehr mit dem Ostseegebiete und mit Finnland, d. h. den Küstenverkehr,
vermitteln. Der Umsatz dieser Schiffe erreicht 20 Millionen Pud.
Die übrigen Ent- und Beladungsstellen haben nur geringe Bedeutung.
4. Das Becken bei der Haltestelle „Seehafen“ wird vorzugsweise als
Verladestelle für Naphta und Naphthareste aus der Niederlage der Gesellschaft
der Gebrüder Nobel benutzt. Der Waarenumsatz beträgt 1,5 Millionen Pud.
5. Bei dem im Jahre 1890 dem Verkehr übergebenen Elevator der
Ingenieure Borejscha und Maximowitsch sind in der Schiffahrtsperiode
1,25 Millionen Pud Getreide in Seeschiffe verladen.
6, Auf der kleinen Newa bei den Zollamtsniederlagen an der Börsen-
spitze werden etwa 2 Millionen Pud Einfuhr entladen und ebensoviel Ausfuhr,
theils Flachs und Hede von der am anderen Ufer befindlichen Niederlage für
Hede, theils Getreide aus Barken, verladen.
*” Bei der Kalaschnikow-Station legen die von dem Marien-Kanal-System
kommenden Barken an. Daselbst befinden sich zahlreiche Getreidespeicher der
Stadt, des Alexander-Newski-Klosters und Privater, welche durch eine Zweiglinie
mit der Nikolai-Bahn verbunden sind. Zur Zeit werden dort nur Leichterschiffe
beladen, welche meist als schwimmende Lager für das zur Versendung auf der
Eisenbahn bestimmte Getreide benutzt werden und wegen der bequemen Ueber-
ladung der Fracht auf die Dampfschiffe nicht nur mit gewöhnlichen Niederlagen,
sondern bisher auch mit dem Elevator einen erfolgreichen Wettbewerb führen.
8. Die für den Verkehr mit gesalzenen Fischen, Butter, Talg, Hede
bestimmten Stadt-Anlegestellen und die Anlegestelle an der Gagarinskaja haben
neuerdings fast jede Bedeutung verloren.
2. Der Hafen von Reval.
Die durch mehrere Inseln geschützte, 100 Quadratwerst grofse, 12 bis
15 Faden (22 bis 27 m) tiefe Bucht von Reval ist eine vortreffliche und gefahr-
lose Rhede mit guten Anlegestellen für die Schiffe. Das Fahrwasser ist 3 Werst
(1,7 Sm) breit. Zwei Wellenbrecher und der Hafendamm, die sogenannten nörd-
lichen, östlichen und westlichen Bollwerke, sichern den Hafen gegen Sturm und
theilen denselben durch ein weiteres inneres Bollwerk in drei Abschnitte: den
Kriegshafen, den Handelshafen und den neuen Hafen.
1 Schiffslast = 2 Tonnen oder 120 Pud.