Börgen: Ueber eine neue Methode, die harmonischen Konstanten abzuleiten. 307
Gegenüber der neuen Darwin’schen Methode besitzt das hier entwickelte
Verfahren (ebenso wie das der Leitlinien) eine Annehmlichkeit, welche bei einer
so langwierigen Rechnung wie die Ableitung der harmonischen Konstanten aus
den Beobachtungen eines Jahres durchaus nicht zu unterschätzen ist, Bei den
beiden letztgenannten Verfahrungsweisen wird jede Tide für sich abgeleitet, man
hat also öfter das Gefühl der Befriedigung, welches die Erlangung eines Resultats,
auch wenn es nur ein Theilresultat ist, gewährt und damit einen gewissen Ruhe-
punkt in der Arbeit. Bei dem Darwin’schen Verfahren muß man mit der Ab-
leitung der Koefficienten, also des gesuchten Ergebnisses, warten, bis alle
Summationen ausgeführt sind, weil beim Wechsel von einer Abtheilung von
74 Tagen zur anderen die Ziffern von den Stäbchen weggewischt werden müssen,
damit dieselben zur Aufnahme der Beobachtungen der neuen Abtheilung frei
werden. Man hat daher immer die ganze Gröfse der Arbeit vor Augen und
sieht, wie langsam man vorwärts kommt, und es war neben dem Bestreben, eine
noch gröfsere Abkürzung der Rechnung zu erzielen, das Unbehagen, welches
diese Thatsache hervorrief, was den Verfasser dieses veranlafste, die hier vor-
getragene Methode zu entwickeln.
Um die vorstehend dargelegte Methode zu erproben, wurden für einen
Jahrgang Wilhelmshavener Beobachtungen alle Tiden, für welche oben die
nöthigen Daten gegeben worden sind, abgeleitet. Da dasselbe Material durch
Herrn Dr. Kassner nach der älteren Methode (unter Benutzung der Leitlinien)
bearbeitet worden ist, so ist Gelegenheit gegeben, die Resultate beider Rechnungen
wenigstens theilweise zu vergleichen, theilweise deshalb, weil nach dem älteren
Verfahren nicht alle Tiden abgeleitet wurden, welche bei dem neuen berück-
sichtigt sind.
Wir wollen nun, um die Methode durch ein Beispiel zu erläutern, einige
dieser Tiden hier ableiten, wobei wir uns jedoch bezüglich der Wiedergabe des
Details der Rechnung auf das beschränken, was zur Erläuterung unentbehrlich ist.
Die Beobachtungen beginnen mit 1881 Oktober 20 0"p und erstrecken
sich ununterbrochen bis 1882 Oktober 26 11"a. Zunächst möge nachstehend . eine
kleine Probe des Summenverzeichnisses gegeben werden, welche zur Erläuterung
seiner Bildungsweise wohl genügen dürfte.
Summenrverzeichnifs. Anfangsdatum: 1881 Okt. 20.
Ort: Wilhelmshaven,
n
oh
1h '
»h
3h
4b
5h
66h
m |
%h
4a
99h
23h
D
1
2
?
“
3,27
6,50
9,93
12,74 |
16,25
19,77
22,95 |
25,68
28,04 |
29.45 |
2,50
5,18
8,20
10,99
14,75
18,72
22,44
25,78
28,84
31.12
1,62
3,57
5,90
8,30
11,94
16,05
20,11
23,96
27,61
30,49
0,63
1,71
3,12
4,75
7,79
11,47
15,46
19,58
23,66
27,00
0,02
0,24
0,71
1,34
3,61
6,49
9,92
13,84
18,09
21,73
0,01
—0,10 |
—0,32
—0,49
0,90
2,88
5,50
R,72
12,60
16,26
0,72
0,86
0,48
0,01
2,57
1,70
3,44
5,88
9,04
‚2,31
1,55
2,45
2,48
2,08
2,22
2,58
3,46
5,05
7,40
9,96
2,30
4,09
4,92
5,14
5,52
5,71
ä,97
6,81
8,36
10,12
»w....
1.....
».....
......
......
200...
KM
3,14 3,37
6,14 6,73
8,27 9,31
10,73 | 12,33
12,83 | 15,27
14,39 | 17,85
15,19 | 19,73
15,82 | 21,13
16,25 | 21,75
17,06 | 22,26
N
Fk
A
9
U. 8: WW;
u. SS. W.
U. S, WW.
368 [998.08
369 1971,69
1034,43
1037,18
1064,62
1066,59
L055,28
L056,53
1008,86
1009,35
342,76
942,90
868,93
869,48
806,12
307,53
774,75
776,95
' ..
3 8 w a
815,01
819,39
886,27
890,94
Sodann möge die Ableitung der Tide K, als erstes Beispiel folgen (S. 308).
Hierzu mögen noch folgende Bemerkungen gemacht werden: 1. Ks ist
im Nachfolgenden, mit Ausnahme kleiner Nebenrechnungen keine Zahl und keine
Rechnungsoperation unterdrückt worden, welche zur Ableitung der Tide K,
nothwendig ist, es ist also die grofse Abkürzung der Rechnung durch die neue
Methode gegenüber der älteren, welche die Summation von 370 Zeilen erfordert,
während hier nur deren 8 gebraucht werden, ohne Weiteres zu erkennen. Wie
schon oben dargelegt, ist die Ersparnifs bei anderen Tiden zwar immer noch
beträchtlich, aber nicht so durchgreifend wie hier. 2. Für 7%, 11* und 19* tritt
der oben erwähnte Fall ein, daß bei Bildung der Di die kleinere Zahl um 100 ver-
mehrt werden mufßs, um den richtigen Werth von D; zu erhalten. 3. Die Korrektion
wegen der anderen Tiden ist mittels der zusammengezogenen Formel berechnet