306 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1894,
and MS, im Ganzen also, da bei der älteren Methode M,, M, gleichzeitig mit
M, und S,, S£ gleichzeitig mit S, abgeleitet werden, 16 Tiden ermittelt
werden sollen.
Bei Anwendung der älteren Methode ist nun für jede der 24 Tagesstunden
folgende Arbeit zu leisten: 1. das Ausschreiben von 370 Beobachtungen zu je
3 Ziffern aus dem Journal in das S-Schema, also 370 >< 3 = 1110 Operationen,
2, die Summirung von 370 Wasserständen zu je 3 Ziffern für 16 Tiden, oder
16 > 370 >x 3 == 17760 Operationen. Die ältere Methode erfordert also im Ganzen
für jede Stunde 17760 + 1110 == 18 870 Operationen.
Nach der neuen Methode ist für jede Stunde folgende Arbeit zu leisten:
1. Die successive Summirung der Wasserstände für 370 Tage und Hinschreiben
der Summen, wodurch zugleich die Summation zur Ableitung der Tide S, (nebst
5,, Se) vollzogen wird. Es fällt also weg das besondere Ausschreiben der
Wasserstände aus dem Journal, dagegen sind im Durchschnitt in den Summen
2 Ziffern mehr hinzuschreiben als bei blofsem Abschreiben der Beobachtungen
nöthig ist. Es sind also 370 > 3 + 370 x 2 = 1850 Operationen auszuführen.
2. Die Summirung von 776 Zeilen des Summenverzeichnisses, wobei 4 Ziffern
mitgenommen werden. Diese setzen sich folgendermalsen zusammen: K, (8),
N, (132), L (44), » (124), u (und M,) (132), T (4), R (4), K, (4), P (4), 0’ (96),
Q (48), I (52), M; (124) wo die in Klammern stehenden Zahlen die Anzahl
Zeilen angeben, welche bei Ableitung der betreffenden Tide benutzt werden.
Es sind also 776 x 4 = 3104 Operationen auszuführen. 3. Für M, (nebst MS)
und 2SM je 92 Zeilen, zusammen also 184 Zeilen, bei denen 5 Ziffern mit-
genommen werden, also 184 >< 5 =— 920 Operationen. Die neue Methode erfordert
also für jede Stunde 1850 + 3104 + 920 == 5874 Operationen.
Dies ist weniger als ein Drittel derjenigen, welche die ältere Methode
erfordert, da aber die Ableitung der Koefficienten A, und B, und die Ver-
besserung wegen der anderen Tiden immerhin in dem neuen Verfahren ein wenig
Arbeit mehr macht als in dem früheren, so wird die Behauptung, dafs die auf-
zuwendende Mühe durch die neue Methode auf weniger als die Hälfte der
früheren reducirt werde, nicht nur als vollkommen gerechtfertigt, sondern sogar
als sehr vorsichtig erscheinen müssen, da ein Drittel der Wirklichkeit viel näher
kommen dürfte.
Wird vorausgesetzt, dafs bei beiden Methoden das neue Darwin’sche
Verfahren zur Ableitung der sich um die S-Tiden gruppirenden Tiden angewendet
werde, so scheiden die 5 Tiden K,, T, R, K, und P aus, und die Zahl der
Operationen reducirt sich in der älteren Methode auf 13320 und in der neuen
auf 5778. Letztere Zahl ist immer noch erheblich weniger als die Hälfte der
ersteren, die neue Methode gewährt also auch in diesem Falle noch einen sehr
großen Vortheil. Nun ist aber die Ableitung der genannten Tiden nach
der hier entwickelten neuen Methode bequemer als nach der Darwin’schen,
man wird also kaum die letztere in Verbindung mit ersterer anwenden.
Somit stellt die hier entwickelte neue Methode eine sehr erhebliche Er-
leichterung der Mühe ‘dar, welche mit der Ableitung der harmonischen Konstanten
nun einmal nothwendig verbunden ist. An Genauigkeit dürfte sie der früher an-
gewendeten nicht nachstehen, was durch die gute Uebereinstimmung bewiesen
wird, mit welcher auch kleine Tiden nach beiden Methoden gefunden werden,
and in einem Punkte ist sie sogar strenger als jene, indem hier die zu den in
die Rechnung eingehenden mittleren Sonnen-Stunden wirklich beobachteten
Wasserstände benutzt werden, während dort diejenigen Wasserstände zu einem
Mittel vereinigt werden, welche sich innerhalb einer Stunde (bei der neuen
Darwin’schen Methode sogar bis zu 2 Stunden) um die der Rechnung zu Grunde
gelegten Tide-Stunden vertheilen.
Die Nachtheile des neuen Verfahrens, etwas gröfsere Umständlichkeit der
Berechnung der Ay und B, und die Nothwendigkeit der Verbesserung wegen der
anderen Tiden, welche letztere übrigens in vielen Fällen unterlassen werden kann,
können gegenüber der grofsen Arbeitsersparnils gewifs nicht ins Gewicht fallen.
Jedoch möge nicht unerwähnt bleiben, dafs die Methode am vortheilhaftesten sich
gestaltet, wenn ein voller Jahrgang von Beobachtungen zur Verfügung steht,
dagegen bei geringerer Zahl von Beobachtungen mehr und mehr an Zweck-
mäfßsiekeit verliert, weil der Vergrößerungsfaktor £.; zu klein wird.