Köppen: Ergänzungen zum vorstehenden Aufsatz.
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mittleren Luftdruckverhältnisse reduciren, wenn man drei Punkte ins Auge fafst:
die mittleren Isobaren, das hauptsächlich von der geographischen Breite abhängige
Verhältnis zwischen Winden und Isobaren resp. Gradienten und die von den
Tropen beiderseits bis etwa 60° Br zunehmende, weiterhin abnehmende Größe
der unregelmäfsigen Barometerschwankungen. Leiztere führen nothwendig um
so eher zu einer Aenderung der Richtung des Gradienten und des Windes, je
geringer der mittlere Gradient — d. h. je gleichmäfsiger der durchschnittliche
Luftdruck in der betreffenden Gegend — ist.
Zum vollen Verständnifs der lichtvollen Darlegungen von Prof. W. M, Davis
im vorstehenden Artikel ist es erforderlich, dessen Hintheilung der Winde in
Klassen zu kennen, welche er an anderer Stelle!) vorgeschlagen hat und auf
welche er hier vielfach Bezug nimmt. Er unterscheidet sie zunächst nach der
Quelle ihrer Energie: fast die Gesammtheit der Winde findet dieselbe in der
Sonnenstrahlung, doch kann man drei Klassen von (freilich seltenen und lokal
beschränkten) Winden aufstellen, für welche dieselbe in der Erde oder im Monde
liegt, nämlich 1. vulkanische Winde, deren Interesse vorzugsweise in ihrer
wahrscheinlichen Uebereinstimmung mit Vorgängen auf der Sonne und anderen
glühenden Himmelskörpern liegt; 2. die Winde, welche durch Lawinen und Berg-
rutsche entstehen und in den Alpen gefürchtet sind; 3. Gezeitenwinde, wie sie
Laflamme im Golf von St. Lorenz vermuthet, durch die Verdrängung von Luft
durch die dortige hohe Fluthwelle erzeugt; ihre Existenz ist noch nicht bestimmt
bewiesen; direkt durch den Mond in unserer Atmosphäre erzeugte Bewegungen
sind ebenfalls vielleicht vorhanden, aber zu schwach, um hier Beachtung zu ver-
dienen, Alle übrigen Winde haben die Quelle ihrer Energie in der Sonne und
werden unmittelbar oder mittelbar durch Temperatur-Unterschiede zwischen ver-
schiedenen Theilen der Atmosphäre bedingt. Nach dem Sitz dieser Temperatur-
Unterschiede und nach der Periode, der sie unterliegen, theilt Davis diese Winde
in folgende Klassen:
Temperatur-Gegensatz: Periode: Wind-Art:
Aequator und Pol jährliche Planetarische Winde
Land und See | Jährliche Kontinentale Winde
; ; ‚tägliche - Küstenwinde (Land- u. Seebriesen)
Berg und Thal tägliche ; Berg-. und Thalwinde
Vertikal . es } Tages- und Wüsten-Wirbelwinde
kälteste } Jahreszeit Bora
Horizontal unregelmäßig * cyklonische Winde.
In der Regel sind mehrere dieser Ursachen gleichzeitig wirksam, doch
überwiegt die eine oder die andere derselben.
Alle Planeten, welche eine Atmosphäre besitzen, deren Temperatur haupt-
sächlich von der Strahlung der regierenden Sonne abhängt, müssen auch „pla-
netarische Winde“ besitzen. Ihre einfachste Form mufs sich auf einem Planeten
zeigen, dessen Achse rechtwinklig zur Ebene seiner Bahn steht, und möge die
iovische (d. h. die des Jupiters) genannt sein; ihr anderes Extrem mulfs sich auf
solchen Planeten zeigen, welche abwechselnd den einen und den andern Pol der
Sonne zukehren; diese Form nennt Davis die uranische, nach dem Planeten
Uranus. Die vermittelnde Form vor planetarischen Winden, wie sie auf der
Erde herrscht und dem mäßigen Neigungswinkel ihrer Axe zur -Ekliptik ent-
spricht, möge als „terrestrische Winde“ bezeichnet werden. So weit nicht geo-
graphische Ungleichheiten einwirken, besteht die Gruppe der planetarischen
Winde aus den Passaten und den Westwinden der gemälsigten Zone, mit Kalmen
am Aequator, an den Rofsbreiten und in der Polarzone, und aus den-.oberen
Strömungen, wie wir sie in diesen Annalen 1892, S, 375 ff., dargestellt haben.
Der Sonne folgend, wandern diese Gürtel nordwärts und südwärts, und
die Winterhalbkugel weist die gröfsten Windgeschwindigkeiten auf.?)
; Unter „kontinentalen Winden“ versteht Davis alle Winde von mehr als
Tagesdauer,- welche durch die stärkere Erwärmung und Abkühlung des Landes
1) Amer. Meteor. Journal IV, 1887/88, S. 512.
. 2) Dieses gilt nicht nur für die westlichen Winde, sondern auch für die Passate. Vebrigens
weht der Passat im Allgemeinen im Herzen seines Gebiets stärker als an dessen Rändern; das
Gebiet, wo der Südostpassat fast stets mit einer Stärke von 5 Beaufort und darüber weht, ist auf
der Karte S. 20 durch eine Punktreihe umgrenzt. D. Red.