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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Köppen: Ergänzungen zum vorstehenden Aufsatz. 
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mittleren Luftdruckverhältnisse reduciren, wenn man drei Punkte ins Auge fafst: 
die mittleren Isobaren, das hauptsächlich von der geographischen Breite abhängige 
Verhältnis zwischen Winden und Isobaren resp. Gradienten und die von den 
Tropen beiderseits bis etwa 60° Br zunehmende, weiterhin abnehmende Größe 
der unregelmäfsigen Barometerschwankungen. Leiztere führen nothwendig um 
so eher zu einer Aenderung der Richtung des Gradienten und des Windes, je 
geringer der mittlere Gradient — d. h. je gleichmäfsiger der durchschnittliche 
Luftdruck in der betreffenden Gegend — ist. 
Zum vollen Verständnifs der lichtvollen Darlegungen von Prof. W. M, Davis 
im vorstehenden Artikel ist es erforderlich, dessen Hintheilung der Winde in 
Klassen zu kennen, welche er an anderer Stelle!) vorgeschlagen hat und auf 
welche er hier vielfach Bezug nimmt. Er unterscheidet sie zunächst nach der 
Quelle ihrer Energie: fast die Gesammtheit der Winde findet dieselbe in der 
Sonnenstrahlung, doch kann man drei Klassen von (freilich seltenen und lokal 
beschränkten) Winden aufstellen, für welche dieselbe in der Erde oder im Monde 
liegt, nämlich 1. vulkanische Winde, deren Interesse vorzugsweise in ihrer 
wahrscheinlichen Uebereinstimmung mit Vorgängen auf der Sonne und anderen 
glühenden Himmelskörpern liegt; 2. die Winde, welche durch Lawinen und Berg- 
rutsche entstehen und in den Alpen gefürchtet sind; 3. Gezeitenwinde, wie sie 
Laflamme im Golf von St. Lorenz vermuthet, durch die Verdrängung von Luft 
durch die dortige hohe Fluthwelle erzeugt; ihre Existenz ist noch nicht bestimmt 
bewiesen; direkt durch den Mond in unserer Atmosphäre erzeugte Bewegungen 
sind ebenfalls vielleicht vorhanden, aber zu schwach, um hier Beachtung zu ver- 
dienen, Alle übrigen Winde haben die Quelle ihrer Energie in der Sonne und 
werden unmittelbar oder mittelbar durch Temperatur-Unterschiede zwischen ver- 
schiedenen Theilen der Atmosphäre bedingt. Nach dem Sitz dieser Temperatur- 
Unterschiede und nach der Periode, der sie unterliegen, theilt Davis diese Winde 
in folgende Klassen: 
Temperatur-Gegensatz: Periode: Wind-Art: 
Aequator und Pol jährliche Planetarische Winde 
Land und See | Jährliche Kontinentale Winde 
; ; ‚tägliche - Küstenwinde (Land- u. Seebriesen) 
Berg und Thal tägliche ; Berg-. und Thalwinde 
Vertikal . es } Tages- und Wüsten-Wirbelwinde 
kälteste } Jahreszeit Bora 
Horizontal unregelmäßig * cyklonische Winde. 
In der Regel sind mehrere dieser Ursachen gleichzeitig wirksam, doch 
überwiegt die eine oder die andere derselben. 
Alle Planeten, welche eine Atmosphäre besitzen, deren Temperatur haupt- 
sächlich von der Strahlung der regierenden Sonne abhängt, müssen auch „pla- 
netarische Winde“ besitzen. Ihre einfachste Form mufs sich auf einem Planeten 
zeigen, dessen Achse rechtwinklig zur Ebene seiner Bahn steht, und möge die 
iovische (d. h. die des Jupiters) genannt sein; ihr anderes Extrem mulfs sich auf 
solchen Planeten zeigen, welche abwechselnd den einen und den andern Pol der 
Sonne zukehren; diese Form nennt Davis die uranische, nach dem Planeten 
Uranus. Die vermittelnde Form vor planetarischen Winden, wie sie auf der 
Erde herrscht und dem mäßigen Neigungswinkel ihrer Axe zur -Ekliptik ent- 
spricht, möge als „terrestrische Winde“ bezeichnet werden. So weit nicht geo- 
graphische Ungleichheiten einwirken, besteht die Gruppe der planetarischen 
Winde aus den Passaten und den Westwinden der gemälsigten Zone, mit Kalmen 
am Aequator, an den Rofsbreiten und in der Polarzone, und aus den-.oberen 
Strömungen, wie wir sie in diesen Annalen 1892, S, 375 ff., dargestellt haben. 
Der Sonne folgend, wandern diese Gürtel nordwärts und südwärts, und 
die Winterhalbkugel weist die gröfsten Windgeschwindigkeiten auf.?) 
; Unter „kontinentalen Winden“ versteht Davis alle Winde von mehr als 
Tagesdauer,- welche durch die stärkere Erwärmung und Abkühlung des Landes 
1) Amer. Meteor. Journal IV, 1887/88, S. 512. 
. 2) Dieses gilt nicht nur für die westlichen Winde, sondern auch für die Passate. Vebrigens 
weht der Passat im Allgemeinen im Herzen seines Gebiets stärker als an dessen Rändern; das 
Gebiet, wo der Südostpassat fast stets mit einer Stärke von 5 Beaufort und darüber weht, ist auf 
der Karte S. 20 durch eine Punktreihe umgrenzt. D. Red.
	        
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