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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Spindler: Eisverhältnisse an den Seeküsten des russischen Reiches, 987 
vom 15. Januar bis zum 19, April, gesehen wurden; im Winter von 1891/92 
aber war gar kein Eis zu bemerken. 
Die Ostsee. Ueber die Eisverhältnisse im Laufe der letzten fünf Winter 
kann man leicht nach der umstehenden graphischen Tafel sich ein Urtheil 
bilden. Der Verfasser behandelt diejenigen des Jahres 1892/93 eingehender. 
Der Winter des Jahres 1892/93 zeichnete sich in ganz Russland, besonders 
in dessen nördlichem Theil, durch seine Strenge und seltene Hartnäckigkeit aus, 
woher es denn interessant sein mag, sich den Einfluss klar zu machen, welchen 
er auf die Eisverhältnisse der Ostsee ausgeübt hat, 
Die ersten bedeutenden Fröste traten in den Ostseeprovinzen gegen Mitte 
Dezember ein;!) in der zweiten Hälfte des Dezember war die Abweichung von der 
normalen Temperatur des Baltischen Küstenlandstriches im Mittel — 5° C. AlN- 
mählich, mit nur geringen Unterbrechungen sich steigernd, erreichten die Fröste 
an der Ostsee gegen Mitte Januar ihren Höhepunkt. Für den ganzen Winter 
fällt die Maximalabweichung der Temperatur vom Normalwerth auf folgende Tage: 
14.—15. Januar im Bottnischen Meerbusen —25,3° CC, 
15. „ » Finnischen # (Hangö, Helsingfors) — 20,5° C, 
15. -„ »„ Rigaer „ (Pernau, Riga) —225°C, 
16. „ in der Ostsee (Windau, Libau) ; — 24.1° C. 
;. Danach wird das Wetter zuerst im nördlichen, dann auch im südlichen 
Theile der Ostsee etwas milder, doch schon in den ersten Tagen des Februar 
brechen die Fröste mit früherer Strenge längs des ganzen russischen Küstenland- 
striches wieder aus und werden im östlichen Theile des Finnischen Meer- 
busens sogar noch heftiger, als sie im Januar gewesen. Die Abweichungen von 
der normalen Temperatur erreichen nämlich im Februar: 
in Uleaborg 11. Februar — 24,0° C, 
in Petersburg 9. » —229° C, 
in Pernau 4. ” — 223° C, 
in Windau 4. 2 — 22,7° C. 
Im Laufe der oben angeführten Frostperiode waren Tage, deren Mittel- 
temperatur höher ist als die Norm, von großer Seltenheit, noch seltener solche, 
deren Mitteltemperatur über 0° lag. So hatten wir z. B. für Libau, den süd- 
lichsten der russischen Häfen am Baltischen Meere, im Ganzen 12 frostfreie Tage, 
aus denen nur vier in die Zeit zwischen dem 22, Dezember und dem 26. Februar 
fallen; doch auch in diesen vier Tagen überstieg die Mitteltemperatur nicht 
0,7° C. Dieses Beispiel liefert einen schlagenden Beweis von der Hartnäckigkeit 
der Fröste des verflossenen Winters in den baltischen Küstengegenden. 
Mit dem Februar schlofs eigentlich die strengste Winterperiode, obwohl 
im Norden des Bottnischen Meerbusens die Fröste selbst in den Frühjahrsmonaten 
noch fortdauerten; die Mitteltemperatur von März bis Mai stellt sich in Uleäborg 
auf 1,4° C unter der Norm. Nicht nur gab es im März und April keinen frost- 
freien Tag, wobei im März das Thermometer auf — 28° C und im April auf 
— 16° C sank, sondern auch im Mai blieb die Mitteltemperatur der meisten Tage 
unter 0°, und das Minimum war — 11° C. 
Im Finnischen sowohl als auch im Rigaer Meerbusen und in der Ostsee 
wechselten im Laufe des ganzen Winters Wärme und Kälte ab. Die Mittel- 
temperatur des März lag überall, mit Ausnahme des östlichen Theiles des 
Finnischen Meerbusens, etwas über der Norm (auf 0,4° C), doch beläuft sich die 
Zahl der Tage mit Frost noch immer auf 25 bis 30. Im April und Mai er- 
niedrigten einige Rückfälle von Kälte die Mitteltemperatur dieser Monate. Hier 
einige meteorologische Daten dafür: 
3) Zur Uebersicht der Fröste der verflossenen Wintersaison benutzte ich hauptsächlich die 
monatlichen Witterungs-Uebersichten, welche im „Meteorologischen Boten“ (herausgegeben von der 
Kaiser]. russischen geographischen Gesellschaft) erscheinen und die monatlichen Bulletins des physi- 
kalischen Central-Observatoriums; da dabei durchweg neuer Stil angenommen wird, habe auch ich 
ihn beibehalten. Sp. 
Ann. 4. Hvädr. ete.,. 1894. Heft VII
	        
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