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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

284 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1894. 
die Beobachtenden zu verpflichten, monatlich Rechenschaft über die Eisverhältnisse 
nach der von der Verwaltung festgesetzten Form zu geben. Zu diesem Zweck 
wurden besondere Frageblätter verfaßt, gedruckt und an alle Leuchtthürme ver- 
sandt; Antworten auf die gestellten Fragen mulfsten vom Wärter des Leucht- 
thurmes rechtzeitig in die Frageblätter eingetragen werden. Die Fragen lauteten: 
1. Wann erschien zuerst sowohl örtliches als auch angetriebenes Eis? 
2. War das Meer zugefroren und wann? War die ganze sichtbare Aus- 
dehnung oder nur ein Theil davon und wie weit ungefähr zugefroren? 
3. Wurde das Meer im Laufe des Monats vom Eise frei, so ist die Zeit 
anzugeben, wann und ungefähr in welcher Ausdehnung dieses geschehen ist? Wann 
erschien das Eis wieder? 
4. Ist Verkehr auf dem Eise und zwischen welchen Punkten, möglich? 
Wie dick ist das Eis? 
5. Wann wurde das Meer vollends von Eis befreit? 
Durch diese Fragen sollte die Aufmerksamkeit der Beobachter auf die- 
jenigen Erscheinungen der Eisverhältnisse gelenkt werden, über welche man von 
ihnen Aufschlufs verlangte. Beobachtungen solcher Art begannen der Haupt- 
verwaltung hauptsächlich seit dem Winter 1888/89 zuzukommen. Aber trotz der 
augenscheinlichen Kinfachheit des Beobachtungs-Programms erschienen die von 
den Beobachtenden gegebenen Antworten unvollständig und häufig verworren 
oder äufserst unbestimmt. Bei Durchsicht der von der Hauptverwaltung er- 
haltenen Beobachtungen mufsten daher einige gänzlich ausgeschlossen werden; 
die übrigen wurden bearbeitet, der Bequemlichkeit ihrer Benutzung halber in 
Tabellen gruppirt und in solcher Weise veröffentlicht. Auch Beobachtungen, 
welche an einigen Punkten vor 1888 gemacht und in verschiedenen Veröffent- 
lichungen zerstreut waren, wurden in die Tabellen aufgenommen, . 
Angesichts der bedeutenden jährlichen Schwankungen in der Zeit des 
Zufrierens und der Befreiung vom Eise russischer Meere und der geringen Zahl 
der Jahre, wo Beobachtungen gemacht wurden, mufste man sich mit einem all- 
gemeinen Ueberblick über die KEisverhältnisse russischer Meere, hauptsächlich 
für die letzten fünf Winter, begnügen, 
Das Schwarze Meer. Jedes Jahr erschien das Eis zuerst an der nord- 
westlichen Küste auf der Strecke zwischen dem Dniepr-Bug’schen Liman und der 
Dniestr-Zaregrad’schen Mündung. 
Der Dniepr-Bug’sche Liman blieb jedes Jahr im Mittel von Anfang Januar 
bis Mitte März im Laufe von 2'/2 Monaten zugefroren. An der Mündung des 
Liman ins Meer fror dieses nur im Winter 1892/93 zu. 
Im Odessaer Meerbusen fand das Zufrieren alljährlich, jedoch nur auf eine 
verhältnifsmäfsig kurze Zeit statt. Die gröfste ununterbrochene Dauer des Zufrierens 
der Rhede belief sich im Januar 1889 und 1893 auf 18 und 19 Tage; für einen 
Winter jedoch schwankt die Gesammtsumme der Tage, wo die Rhede zugefroren 
bleibt, zwischen 3 und 38 Tagen. Das früheste Zufrieren der Rhede fand am 
23. Dezember 1890 statt; deren späteste Befreiung vom KEise am 8. März 1893. 
Bei der Dniestr-Zaregrad’schen Mündung fror der Liman jeden Winter 
durchschnittlich auf 1'/2 bis 3 Monate zu; das Meer jedoch erhielt nur im 
Januar 1889 und Januar bis Februar 1893 auf längere Zeit (auf 22 bis 23 Tage 
nämlich) eine Eisdecke. Das früheste Zufrieren des Meeres fand am 28, De- 
zember 1890, die späteste Befreiung desselben vom Eise am 11. Februar 1893 statt. 
Am günstigsten für die Schiffahrt an der nordwestlichen Küste des 
Schwarzen Meeres war der Winter 1891/92, woselbst im Dniepr-Bug’schen Liman 
das Eis sich erst im Januar zeigte und zu Ende dieses Monats (nach altem 
Stil) das Meer fast auf seiner ganzen Ausdehnung anfing, sich vom Eise zu 
befreien. 
Das Azöf’sche Meer unterscheidet sich vom nordwestlichen Theil des 
Schwarzen Meeres schon durch gröfsere Beständigkeit der Winter, weshalb denn 
hier auch die Schwankungen in der Zeit des Zufrierens geringer sind. Am 
wenigsten beständig ist das Eis in der Meerenge von Kertsch, wo es im Laufe 
fast jeden Winters mehrmals erscheint und wieder verschwindet, Die längste 
Dauer (42 Tage) ununterbrochenen völligen Zufrierens wurde im Jahre 1893 
beobachtet: die Gesammtzahl aber der Tage mit Eisdecke schwankt zwischen
	        
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