Konkurrenz-Prüfong von Marine-Chronometern: im Winter 1893—94. 983
genannte Divisor einen verhältnifsmälsig grofßsen Werth annimmt. — In den
einzelnen Klassen werden die Chronometer nach der Summe A + 2B + C geordnet,
d. h. dasjenige Chronometer, bei welchem diese Summe den geringsten Werth
erreicht, nimmt den der Güte nach ersten Rang ein.
Bei genauer Durchsicht der Gangtabelle zeigt sich gegenüber den Resul-
taten der letzten vorhergehenden Prüfungen ein nicht unerheblicher Rückschritt
in den Gesammtleistungen der Fabrikanten. Während bei der zwölften Prüfung 5 und
der vierzehnten Prüfung 6 Chronometer in die erste Klasse eingereiht wurden und
das Prädikat „vorzüglich“ erhalten konnten, gehören dieses Mal nur 2 Chronometer
der ersten Klasse an. Allerdings ist die zweite Klasse dieses Mal um 8o stärker, mit
13 Chronometern, vertreten, denen allen das Prädikat „sehr gut“ gebührt. Da-
gegen. treten bei den letzten Uhren die Mängel in der Kompensation, starke
Acceleration und ein unregelmäfsiges Wirken der Hülfskompensation immer mehr
hervor, so dafs 5 unter ihnen überhaupt nicht in die vier durch obige Be-
stimmungen abgegrenzten Klassen eingereiht werden konnten. In Bezug auf das
Chronometer W. Broecking No. 1208, welches als erstes der dritten Klasse
angehört, möge noch bemerkt werden, dafs die relativ tiefe Stellung dieses In-
strumentes bei sonst vorzüglicher Kompensation lediglich ‚auf den erheblichen
Betrag der Acceleration, mit dem dasselbe noch behaftet ist, zurückzuführen ist.
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer .durch
eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chronometer-Fabrikanten, im Bei-
sein der Beamten des Instituts, einer Untersuchung auf ihren gegenwärtigen Zu-
stand unterzogen. Diese Untersuchung sollte insbesondere feststellen, ob die
im Institut angewendete Herstellung der höheren Temperaturen durch : kleine
Gasbrenner irgend welchen nachtheiligen Einflufs auf die Instrumente, nament-
lich auf die Spiralen und Balancen, ausgeübt habe und letztere Ansatzstellen
von Rost zeigten. Die Sachverständigen sprachen ihre Ansicht dahin aus, dafs
bei sämmtlichen Chronometern weder an den Balancen noch den Spiralen Rost-
apuren zu bemerken seien. Nur bei 3 Chronometern zeigte sich eine geringfügige
Trübung in der Färbung des Oels. 2
Die ausgesetzten Prämien wurden zuerkannt: .
Chronometer H. Diedrich. No. 14 die.erste Prämie von 700 Mark,
v ' W. Broecking No. 1205 „ zweite „ „600 *,,
Hamburg, den 1. Juni 1894.
Prof. Georg Rümker, '
Direktor der Sternwarte, als Vorstand
der Abtheilung IV der Seewarte,
Eisverhältnisse an den Seeküsten des russischen Reiches in den
Jahren 1888 bis 1893. a
Nach J. SPINDLER, Kaiserlich russischer Marine-Offizier.1)
Angesichts der Bedeutung, welche die Kenntnifs der Eisverhältnisse an
den Küsten Russlands im Laufe der Winterperioden für die praktische Schiffahrt
hat, sah die hydrographische Hauptverwaltung im Jahre 1888 sich veranlalst, die Zahl
der Beobachtungspunkte an den Meeresküsten Russlands möglichst zu vergrößern und
_ 1) Uebersetzt aus zwei Aufsätzen in den „Zapiski pro Gidrografii“ (Denkschriften für Hydro-
graphie, herausgegeben von der Kaiserl. russ. hydrographischen Hauptverwaltung in St. Petersburg),
Lief, XIV. Das Original enthält aufserdem in einer 36 Seiten füllenden Tabelle die Beobachtungen
der einzelnen Stationen. in ausführlicher Wiedergabe, auf. welche wir hier für eingehendere Aus-
kunft verweisen müssen. n . .
_ Alle Daten dieses Aufsatzes beziehen sich auf den „neuen Stil“ (Gregorianischen Kalender),
D. Red.