Aydrographische Bemerkungen über Rio Grande do Suk
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Hydrographische Bemerkungen über Rio Grande do Sul,
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Alexandrine“, Kommandant Korv.-Kapt. SCHMIDT,
Am 15. April 1894 mittags verliefs S. M. S. „Alexandrine“ die Doeks
von Buenos Aires; um 7° a am 17. wurde Land gesichtet und um 11" a auf der
Rhede von.Rio Grande do Sul geankert. Der während des 16. und im der Nacht
vom 16. zum 17. wehende Südost- und Südsüdostwind war gegen Mittag des
16. auf Ost und NE gegangen und bis Stärke 6 aufgefrischt. Die dadurch. ent-
standene Dünung erzeugte auf der Barre der Einfahrt eine derartige Brandung
und. See, dafs ein Passiren derselben. an dem Tage für Dampfer und Boote
anmöglich wär. . ;
Die Ansteuerung von Rio Grande do Sul bietet insofern Schwierigkeiten,
als das Land sehr niedrig ist und auf der Karte überhaupt keine anderen Objekte
angegeben sind als der Leuchtthurm, den man also in Sicht laufen müfs, weil
man sonst ohne kurz zuvor erhaltenes astronomisches Besteck bei dem unregek
mäfsig laufenden Strom nicht weils, ob man nördlich oder südlich der Einfahrt
steht. Als gegen 7° a Land gemacht wurde, weiße niedrige Düner mit einzelnen
kleinen Büschen, wurde zunächst nach längerem: Suchen ein Thurm, der um-
geben. von einzelnen Häusern in Sicht kam, für den Leuchtthurm. gehalten und
darauf zugesteuert, bis erst einige Zeit nachher rechts davon der richtige Thüurm
zweifellos ausgemacht wurde. Es stellte sich später heraus, dafs das, was an-
fänglich für den Leuchtthurm gehalten. wurde; eine hohe Bake war, die von der
Gesellschaft zur Verbesserung‘ der Barre bei einem auf der südlichen .Ufer-
ecke der Einfahrt gelegenen kleinen Orte Sequiere errichtet ist, Dorf wie: Bake
sind nicht auf den Karten angegeben. ;
Es sind im Ganzen 3 bis 4 solcher‘ hohen Baken auf dem Südufer er-
richtet, und ein. Irrthum kann leicht entstehen, da das Erkennnen der Marken
bei‘ dem niedrigen Land und der grofsen Entfernung, 4 bis 5 Meilem, in der
man sich der geringen Wassertiefen wegen halten mul, schwierig ist. Ein gutes
Merkmal für den Leuchtthurm zur Unterscheidung vom den erwähnten Baken
bildet der dicht beim Leuchtthurm stehende, halb so hohe, aber dickere
Wachtthurm.
Auf der Rhede stand bei nordnordöstlichem. Winde, Stärke 6, ziemlich
hohe Dünung, außerdem lief ein 3 bis 4 Sm starker Südstrom. Am Tage zuvor
and: während der Nacht hatte trotz östlichen Windes ein. Oststrom gesetzt, Die
Barre war unter diesen Verhältnissen nicht passirbar; erst am nächsten Morgen,
nachdem der Wind bedeutend flauer geworden, die Dünung abgenommen und
der Strom auf 1,4 Sm zurückgegangen war, konnte der Lootsendampfer
auslaufen. Der Grund hält sehr gut, weicher Schlick über zähenr Sande, .der
Anker saugte sich durch den entschieden mehrere Meter tiefem Schlick. fest. in.
den Sand ein,
Bei Gelegenheit einer Fahrt mit dem Lootsendampfer über die Barre von
Rio Grande do Sul konnte festgestellt werden, dafs. der Specialplan: yon der
Einfahrt (2002, VIII, 74) nicht mehr richtig ist, da die Barre sich völlig ver-
ändert hat. Der South East Channel existirt überhaupt nicht mehr,*) sondern die
Sände erstrecken sich in ununterbrochener Folge: von der Spitze Pontal. de Barra,
auf der der Leuchtthurm steht, etwa 2,5 Sm nach SSW, in einer flachen. Bucht
näch aufsen gekrümmt. Der Dampfer steuerte von dem etwa 5 Sın SSO vom
Feuerthurm liegenden Schiffe zuerst. mit Nordwestkurs auf Land zu, bis die lange
Reihe der durch Brandung sehr gut markirten Sände der Barre an St. B.
passirt war, dann. wurde auf NNO: gedreht und mit letzterem Kurse den: von
den Ufer- und den vorliegenden Barresänden gebildeten KEinfahrtskanal hinauf-
gedampft, wobei der Leuchtthurm 1 bis 2 Strich an B. B.- freigehalten wurde,
Der Kanal läuft eiwa NNO—SSW, geht aber allem Anscheine nach dichter
unter Land lang als der South West Channel der Karte, da die South West-
i‘) Die neueste englische Karte No. 2002, korrigirt bis IV, 1893, zeigt bereits die Ver-
sandung des South East Channel. D. Red.
Ann. d. Hydr. etc., 1894, Heft YII.