272 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1894.
Tagen Feuer in der Ladung ausbricht, ist unausbleiblich geworden, hat er
zuch gar keinen Anhalt zur Beurtheilung, wann der richtige Moment ge-
kommen ist, jenen verantwortungsvollen Entschlufßs zur Ausführung zu bringen.
Ohne Zweifel giebt es einen solchen kritischen Punkt, bei welchem die
Erhitzung der Kohlenladung nicht mehr stehen bleibt, noch weniger wieder
zurückgeht, sondern mehr und mehr bis zur Selbstentzündung fortschreitet;
aber wie gesagt, es fehlt bis jetzt gänzlich an Material, um diesen Wärme-
grad mit einiger Sicherheit feststellen zu können, oder, wenn es etwa vorhanden,
so ist es doch unseres Wissens noch nicht nach dieser Richtung hin bearbeitet
und in seinen Resultaten bekannt gegeben worden.
Um eine solche Untersuchung anstellen zu können, bei der auch noch
andere Punkte ins Auge zu fassen wären, z. B. die Geschwindigkeit der Wärme-
zunahme unter verschiedenen Umständen u. A. mehr, möchten wir daher unsere
Mitarbeiter ersuchen, auf Reisen mit Kohlenladungen ein eigenes Journal für
die Temperaturmessungen anzulegen und dasselbe der Seewarte einzuliefern. Es
sollte darin, aufser den Wärmegraden und dem Datum der Beobachtung, Alles
vermerkt werden, was zur Beurtheilung des Verhaltens der Ladung von Wichtig-
keit ist; z. B. zu Anfang der Reise die Art und das Gewicht der Kohlen, wie
sie übergenommen und verstaut worden sind und das dabei herrschende Wetter,
ferner wo die Rohre für das Thermometer angebracht sind und in welchen
Höhen gemessen worden ist. Letzteres läfst sich, ebenso wie die Verstauung
der Ladung, zweckmäfsig durch eine kleine Skizze des Längsdurchschnittes des
Schiffes erläutern. Während der Reise sollte vermerkt werden, ob und an
welchen Tagen die Ventilatoren und Luken offen oder geschlossen gehalten
worden sind. Die übrigen Umstände, welche auf die Erwärmung oder Abkühlung
der Kohlen von Einflufs sein können, wie geographische Position, Wärme der
Luft und des Wassers, Wetter und Seegang, ergeben sich aus dem meteoro-
logischen Journale.
Damit derartige Aufzeichnungen von Werth sind, ist es wünschenswerth,
dafs die Beobachtungen regelmäfsig, nach bestimmten Zeiträumen und an be-
stimmten Stellen gemacht werden. Für gewöhnlich dürfte es genügen, etwa
jeden fünften Tag die Messungen vorzunehmen; ist jedoch eine stärkere Kr-
hitzung konstatirt, so hat man sie natürlich häufiger anzustellen. Die Orte, wo
zemessen. wird, dürften am zweckmäfsigsten auf etwa 50 cm — 1 bis 2 Fuß —
vom Boden und auf ein Drittel und zwei Drittel der Raumhöhe zu wählen sein.
Sobald sich eine verdächtige Erhöhung der Temperatur zeigt, sollte man aber den
Ort der gröfsten Erhitzung noch genauer festzustellen suchen, indem man in dem
betreffenden Rohr noch kleinere Zwischenräume für die Messungen nimmt. Die
Erhitzung beschränkt sich oft auf einen‘ nur kleinen Raum und macht sich bei
der geringen Wärmeleitungsfähigkeit der Kohlen nur in der Nähe des Herdes
bemerkbar; um Letzteren entdecken zu können, ist deshalb wünschenswerth, die
Temperatur an möglichst vielen Stellen zu messen, doch wird man aus prak-
tischen Gründen die Anzahl der anzubringenden Rohre auf die Anzahl der vor-
handenen Luken beschränken müssen. Am wichtigsten ist die Untersuchung des
Raumes unter dem Hauptladeluk, da aus schon früher erwähntem Grunde hier
am häufigsten Selbstentzündung entsteht. Um die Temperatur der Kohlen mög-
lichst richtig zu bekommen, sollte man die Rohre unten und oben geschlossen
halten; ferner sollte man das Thermometer, nachdem man es mehrere Minuten
im Rohr gelassen und dann heraufgeholt hat, möglichst rasch ablesen, auch dafür
Sorge tragen, dafs die nächste Ablesung an einer anderen Stelle nicht von der
vorhergehenden beeinflußt wird, was am zweckmäfigsten in der Weise geschieht,
daß man erst am kühleren, dann am wärmeren Orte, also unter gewöhnlichen
Umständen erst oben und dann unten mißt,
Wir sind überzeugt, dafs eine auf genügendes Beobachtungsmaterial
solcher Art gegründete Untersuchung viel dazu beitragen kann, dafs das Ver-
halten der Kohlenladungen beim Transport über See noch besser erkannt und
die damit verbundene Gefahr sicherer vermieden wird.