18 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1894.
hältnifsmäfsig nur eine geringe Ausdehnung haben gegen die grofsen Kreise der
terrestrischen Winde.
Die rücklaufenden Ströme der Oceanströme spiegeln sich in unvollkommener
Weise in der Luft in den verschiedenen Theilen des Oceans ab. Dieses beruht
zum Theil auf den thermischen und barischen Verhältnissen, die wir schon erwähnt
haben, aber zum Theil hängt es von der mechanischen Hemmung ab, welche die
freie Bewegung der Luft durch Bergzüge und Hochebenen erleidet, ebenso wie
die rücklaufenden Ströme der Oceane durch die Kontinente erzwungen werden.
Die reinen kontinentalen Winde würden zum Ausdruck kommen, wenn die Länder-
massen Ebenen wären. Die Gegenwart von Höhenzügen und Hochebenen übt
sogar auch dann, wenn sie nicht in die oberen Luftschichten hineinreichen, einen
bedeutenden Einflufs auf die unteren Winde aus, und wenn sich dieser Einflufs
mit anderen vereinigt, die nach derselben Richtung wirken, so wird das Auf-
treten einer kreisenden Luftströmung um die oceanischen Becken sehr deutlich.
Wie wir schon gesagt haben, ist dieses im Juli und August über dem Nord-
atlantischen Ocean der Fall, weniger deutlich über dem Südatlantischen Ocean
im Januar und Februar,
Eine der interessantesten Folgen des Landeinflusses auf die terrestrischen
Luftströme — interessant hauptsächlich in theoretischer Hinsicht — ist das un-
vollkommene Auftreten des niedrigen Luftdrucks um den Nordpol herum im
Gegensatz zu dem aufserordentlich niedrigen Luftdruck, welcher fortwährend die
Südpolarregion kennzeichnet. Für den niedrigen Luftdruck am Südpol haben
wir schon die grofse Centrifugalkraft des mächtigen antarktischen Wirbels, so
klar ausgeprägt in dem ununterbrochenen Weststrom im südlichen Indischen
Ocean, herangezogen.!) Der Nordpolarwirbel erleidet durch die Kontinente
eine so bedeutende Beeinträchtigung gegen das reine Auftreten auf den Meeres-
fAächen, daß er kaum genügt, um am Pol einen niedrigeren Luftdruck hervorzu-
rufen als in den umgebenden hohen Breiten im allgemeinen Durchschnitt: — er
ist durchaus ungenügend, um einen noch niedrigeren Luftdruck am‘ Pol als in
den Gebieten des ständigen niedrigen Luftdrucks über dem Nordatlantischen oder
dem nördlichen Stillen Ocean im Winter hervorzurufen. Würden die kontinentalen
Höhenzüge noch einhalbmal so hoch sein, als sie sind, so würden wir wahr-
scheinlich den Luftdruck am Nordpol erheblich höher als auf 60° N-Br haben,
Um die von uns betrachteten Windkarten genügend zu würdigen, muß
man berücksichtigen, dafs sie nicht deduktiv zur Veranschaulichung des Ferrel-
schen Windsystems entworfen sind, sondern dafs sie eine sorgfältige Verwerthung
von beobachteten Thatsachen sind. Daher legen sie ein sehr vollkommenes Zeugnifßs
für die Folgerungen ab, die sich aus der Theorie der allgemeinen Luftcirkulation
ergeben, und wenn man sie in diesem Sinne gebraucht, so geben sie ein aus-
gezeichnetes Mittel an die Hand, um die geistige Erziehung zu stärken, die in
dem ernsten Studium der Meteorologie liegt.
1) Es mufs erwähnt werden, dafs Buchan noch immer an der Ansicht festhält, dafs der
niedrige Luftdruck am Südpol die Folge des Ueberflusses an Wasserdunst in jenen Breiten ist, und
keine Rücksicht auf die dynamische Ursache desselben nimmt. Es ist schwer, diesen Konservatismus
zu verstehen, wo doch die Anwesenheit der cirkumpolaren antarktischen Winde so gut aus seinen
eigenen ausgezeichneten Windkarten zu ersehen ist, und wo doch die Wirksamkeit eines cirkumpolaren
Wirbels, einen niedrigen Druck hervorzurufen, so deutlich für die Erde als ein Ganzes durch
Newton, und für die Atmosphäre durch Ferrel bewiesen ist, und die Unwirksamkeit des Wasser-
Zunstes, um eine solche Wirkung hervorzurufen, so offenbar ist. Die Gegenwart von Wasser-
dunst mag direkt bei der Erzeugung des niedrigen Luftdrucks unter .dem Aequator thätig sein, wo
die hobe Temperatur relativ viel Wasserdunst hervorruft, wodurch die terrestrische Cirkulation noch
verstärkt wird. Der Ueberschufs von Wasserdunst um den Aequator wirkt so indirekt mit, um den
niedrigen Luftdruck am Pol hervorzurufen; weil nun aber die absolute Feuchtigkeit der kalten Atmo-
aphäre am Pol geringer ist als die in der Luft unter der warmen Aequatorialgegend, so darf man
den Wasserdunst nicht in Beziehung bringen mit der Hervorbringung des niedrigen Luftdrucks in
jenen Regionen, wo derselbe unzulänglich ist. W. M. D.