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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Richter: Zur Lehre von der Wellenberuhigung. 
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Gebrauch von Seifenlösungen zurückzuführen sei, muß durch diesen direkten und 
experimentell erbrachten Gegenbeweis eine wesentliche Korrektur erfahren. 
Wenn ich an dieser Stelle auf die von mir festgestellte Zersetzung der 
Seifen (Seite 38) in freie Oelsäure — das wirksame Princip bei der Wellen- 
beruhigung — und basisch ölsaure Alkalien hinweise, so geschieht dies des Zu- 
sammenhanges wegen, um dem Leser, welchem meine Originalarbeit nicht zu 
Gesicht gekommen ist, auch meine Ansicht über den hier vorliegenden Prozels 
mitzutheilen. Bezüglich der Seifen ist es mir nun gelungen, eine weitere inter- 
essante Thatsache aufzufinden, die dazu angethan ist, aufs Neue zu zeigen, wie 
wenig die Oberflächenspannung mit der Wellenberuhigung zu thun hat. 
Eine Lösung von stearinsaurem Kali zeigt die Spannung 2,831 und eine 
Lösung von ölsaurem Kali die Spannung 2,722 (Seite 42). Die letztere zeigt 
wellenberuhigende Eigenschaften, die erstere nicht. Ist diese Thatsache schon an 
sich geeignet, Zweifel an der Oberflächenspannungs-Theorie zu erwecken, so 
müssen sich dieselben noch mehren, wenn ich heute mittheile, dafs die Lösung 
des ölsauren Kali nach mehrfachem Ausschütteln der freien Oelsäure mit Tetra- 
chlorkohlenstoff — diese Substanz hat sich für diesen Zweck am besten bewährt 
— die Eigenschaft, die Wellen zu glätten, verloren hat, aber nach wie vor noch 
die gleiche Oberflächenspannung 2,722 besitzt. 
Ein Kommentar hierzu ist überflüssig. 
Im Interesse der weiteren Aufklärung habe ich es für nothwendig ge- 
halten, zwei Flüssigkeiten, welche nahezu gleiche Konstanten aufweisen, 
sonst aber in chemischer und physikalischer Beziehung sich voneinander scharf 
unterscheiden, vergleichend nebeneinander zu stellen, nämlich Benzol und Oelsäure. 
Für Benzol ergeben sich aus der Beziehung: 
C% 
die Zahlenwerthe 7,302 
7,302 
wirkende Kraft 2,257 
Für Oelsäure ergeben sich: 
> 0, + C,2 
> 3,059 + 1,986 
=> 5,045 
mgr-mm, 
. U, > Co +4,32 
die Zahlenwerthe 7,302 —> 3,117 + 1,892 
7,302 > 5,009 
wirkende Kraft 2,293 mer-mm. 
Diese beiden Kräfte, beim Benzol 2,257 und bei der Oelsäure 2,293, 
müfsten, weil annähernd gleich grofs, auch gleiche Wirkung besitzen. Die Praxis 
lehrt jedoch, dafs Benzol für die Wellenberuhigung überhaupt ungeeignet ist, diese 
Eigenschaft aber sofort erlangt, wenn ihm einige Procent Oelsäure zugesetzt 
werden. Da aber durch diesen Zusatz eine Aenderung in der Oberflächen- 
spannung nicht eintritt, denn beide Flüssigkeiten zeigen gleiche Kohäsions- 
verhältnisse, also auch die Mischung beider, so ergiebt sich auch hieraus 
unschwer, dafs die Oberflächenspannung mit der Wellenberuhigung nichts zu 
thun hat. 
Die von Herrn Prof. Meyer geäufserte Ansicht, dafs hierfür unreine 
Flächen verantwortlich zu machen und namentlich das Fehlen der Wellen- 
beruhigung bei Benutzung von Petroleum auf die unreine Oberfläche des Meeres 
zurückzuführen sei, kann ich nicht theilen. 
Einmal liegen vergleichende Versuche abseiten mehrerer Kapitäne vor, 
bei welchen Petroleum sich als unwirksam, das betreffende kurz nachher an- 
gewandte. Vergleichsöl aber als gut wirksam erwiesen hat; und ferner mülste 
ein mit Oelsäure (oder anderen Oelen) versetztes Petroleum eine bereits unreine 
Fläche momentan noch weiter verunreinigen, sich also ‚auch als unwirksam 
erweisen. 
‚Praktische Versuche haben mich und andere Forscher vom Gegentheil 
überzeugt. 
Ich halte es zur Befestigung dieser Theorie für sehr wünschenswerth, dafs 
die von mir behaupteten Thatsachen von anderer Seite nochmals analytisch einer 
Ueberprüfung unterzogen werden; Erwägungen allgemeiner Natur können bei 
diesen. schwierigen Untersuchungen wenig nützen.
	        
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