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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Richter: Zur Lehre von der Wellenberuhigung. 
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Auch dann, wenn sich verschiedene von mir bestimmte Kohäsionskonstanten 
oder andere auf die Ausbreitung Bezug habende Beobachtungen als schwankend 
oder unsicher herausstellen sollten, können die hieraus gezogenen Schlufsfolgerungen 
immer nur für die Ausbreitung, aber niemals für die nur scheinbar damit ver- 
knüpfte Wellenberuhigung Anwendung finden. 
Ich glaube dieses Thema nunmehr derart erschöpfend behandelt zu haben, 
dafs über die Sache selbst und das, was ich in meiner Schrift ausdrücken wollte, 
selbst für den ferner Stehenden kaum noch Zweifel übrig bleiben können. 
Ich gehe daher zu den weiteren Ergebnissen meiner Untersuchungen über 
nd verbinde hiermit den Zweck, auf eine Publikation des Herrn Prof. G. Meyer, 
Freiburg i. B.,') zu antworten. ; 
Es schien mir nicht geboten, in ganzem Umfange auf dieselbe einzugehen, 
da dieser Gelehrte die Hauptthatsachen meiner Arbeit gar nicht berücksichtigt, viel- 
mehr nur einen unwesentlichen, auf dem Nebengebiet — der Ausbreitung einer 
Flüssigkeit auf Wasser — liegenden Punkt herausgreift, und auch er sich noch in 
dem Irrthum befindet, keinerlei Unterschied zwischen Ausbreitung einer Flüssigkeit 
und der Wellenberuhigung zu machen. . 
Das Fehlen von Zahlen — der Kohäsionskonstanten der benutzten 
Flüssigkeiten — sowie die in allgemeinen Erwägungen sich bewegende Kritik 
über von mir angestellte Versuche, welche Herr Prof. Meyer seiner eigenen 
Aussage gemälfs nicht einmal wiederholt hat, erschweren mir eine eingehende 
Beantwortung. Herr Prof. Meyer sagt: „Zwei weitere Versuche, welche ich 
nicht wiederholt habe, über die Ausbreitung von Mandelöl auf Wasser und Koch- 
salzlösung und von Olivenöl auf Schwefelkohlenstoff, sind ebenfalls an ungereinigten 
Flächen angestellt und deshalb ebenso wenig als die zuerst genannten geeignet, 
den von Herrn Dr. Richter behaupteten Widerspruch zwischen Theorie und 
Praxis zu beweisen.“ 
Ich bin aber gern bereit, diesem Gedankengang zu folgen, also einmal die 
Existenz unreiner Oberflächen — allgemein gesprochen. — anzuerkennen und 
ferner dieselben für das Fehlen der Ausbreitung einer Flüssigkeit verantwortlich 
zu machen, 
Die unreine Oberfläche soll also die Ausbreitung verhindern, 
Gerade das Gegentheil ist aber bei dem von Herrn Prof. Meyer angezogenen 
Versuch von mir beobachtet worden; Olivenöl breitet sich auf Schwefelkohlen- 
stoff aus, und zwar entgegen der Theorie . 
0, > 0, + a,2 = 3274 > 3,760 + 0 
— 3,274 — 3,760. 
Wie diese unklare Auffassung entstehen konnte, ist mir wenig begreiflich, 
denn auf Seite 15 sage ich ausdrücklich: „Ich bringe nun ein Beispiel, 
bei welchem sich die Flüssigkeiten ausbreiten und &«, kleiner ist 
als &, + 0,2. 
Wenn die unreine Oberfläche zur Erklärung des Fehlens der Ausbreitung 
einer Flüssigkeit benutzt wird, kann sie logischerweise nicht im nämlichen 
Moment für die nunmehr eintretende Ausbreitung einer Flüssigkeit verantwortlich 
gemacht werden; nur eines von beiden ist möglich. ; 
Auch der von Herrn Prof, Meyer vertretenen Ansicht, dafs derartige 
unreine (fetthaltige) Oberflächen eine Herabsetzung ihrer Oberflächenspannung 
erfahren haben, kann ich nicht in vollem Maafe beipflichten. Um meinerseits 
dem Vorwurf zu entgehen, beweislos eine Ansicht geäufsert zu haben, habe ich 
die auf verschiedenen Wegen hergestellten unreinen Oberflächen auf den Grad 
ihrer Oberflächenspannung untersucht. ; 
Wenn die nachstehenden Zahlen von. den in meiner Druckschrift auf- 
geführten etwas abweichen, so. ist dies hier olıne Einflufs, da die hier angegebenen 
wiederum das Mittel aus mehreren Untersuchungen vorstellen, und überdies 
stets kleine Abweichungen bei diesen schwierigen Untersuchungen sich ein- 
stellen müssen.. 
Die Bestimmungen wurden bei 12 bis 15° C mit Kapillarröhren ausgeführt, 
deren Durchmesser 1,2024 bis 1,2270 mm betrug und durch Ausmessen mit 
Quecksilber. bestimmt war. “ 
) Vgl. diese Annalen 1894, Seite 144.
	        
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