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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

248 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1894. 
Formel berechnen; aber wie sich dann zeigt, wird die Fehlergrenze dabei durch- 
aus nicht etwa günstiger. Deshalb und nach dem Grundsatze: „die einfachsten 
Beziehungen verdienen den Vorzug“ bleibt man am besten bei einer linearen 
Gleichung, wie der oben aufgestellten. 
Will man direkt aus den @ nun auch den Salzgehalt in Promille 
(— Gramme Salz im Kilo Seewasser) berechnen, so dient dazu die Formel 
P — 0548 e, 
wobei man ebenfalls noch 0,1 Promille sicher hat, wenn 0 auf 0,1 zuverlässig 
beobachtet worden. Es empfiehlt sich, sei es für die specifischen Gewichte oder 
für den Salzgehalt, nach den gegebenen Formeln eine Tafel zu berechnen, die 
für jedes gegebene g mit einem Blick das zugehörige S BC oder P zu finden 
gestattet. Indem man nur für die von 5 zu 5 fortschreitenden @ die Rechnung 
nach der Formel recht genau bis auf mehrere überzählige Decimalen ausführt 
und dann mit Differenzen interpolirt, ist die Aufstellung einer solchen Tabelle 
das Werk von zwei Stunden. 
Selbstverständlich gelten die obigen Formeln, ebenso wie die Reduktions- 
tabelle auf Seite 247, nur für das von mir benutzte und untersuchte Exemplar 
des Refraktometers; für jedes andere Instrument müften die Daten für Tabelle 
und Formel erst noch besonders nach dem obigen Beispiel bestimmt werden. — 
Wie weit geht nun die Leistungsfähigkeit des Instruments? 
Bei der Ablesung wird, wenn der Kompensator richtig eingestellt ist, eine 
Genauigkeit von 0,1 der Mikrometer-Skala sich nur dann erreichen lassen, wenn 
man sich gewöhnt und geübt hat, in der fast 0,2 Skalentheile umfassenden 
Uebergangszone jedesmal im Bereiche derselben Verlöschungsintensität zu beob- 
achten: sei es also am äufsersten Rande der Abschattirung gegen das reine 
Weils, oder in der Mitte der Uebergangszone. Macht man drei Versuche nach- 
einander, indem man jedesmal die Prismen gut reinigt und einen frischen Tropfen 
untersucht, so wird man am sichersten gehen und die erste Decimale von @ 
recht zuverlässig erhalten, indem man das arithmetische Mittel der drei Ab- 
lesungsreihen bildet. Da sich beim Reinigen der Prismen deren Eigentemperatur 
ändert, wird man in der Regel bei drei verschiedenen Einstellungen auch für 
dasselbe Wasser drei verschiedene Werthe für d und s erhalten. Es empfiehlt 
sich auch, bei einer und derselben Einstellung der Prismen mehrere Ablesungen 
von d und s zu machen und nur solche für die Reduktion auf d = 14 zu be- 
nutzen, die sich konstant erwiesen haben, so dafs eine etwaige Temperaturaus- 
gleichung in den Prismen als beendet und die Prismen als durchaus mit dem 
eingeschalteten Wasser gleich temperirt angesehen werden können. Ich habe 
gefunden, dafs die erste Ablesung wegen dieser noch mangelhaften Temperatur- 
ausgleichung selten einen brauchbaren Werth giebt. 
Auf die Reinigung der Hypotenusenflächen der Prismen, die namentlich 
vor mineralischem Staub zu schützen sind, kann nicht Sorgfalt genug verwendet 
werden; ich fand ganz alte weiche Leinwand (im Haushalt stark abgenutzte so- 
genannte Tassentücher eignen sich vorzugsweise) besser als sogenanntes Fenster- 
Jeder, das in den Läden niemals rein zu erhalten ist. Doch auch die Wischtücher 
müssen häufig erneuert werden. Bisweilen sind nach Beobachtung zahlreicher 
Serien die spiegelnden Prismenflächen durch das wiederholte Abreiben bei der 
Reinigung an einzelnen Stellen stärker erwärmt als an anderen, wodurch sie 
anscheinend uneben werden und nicht mehr als vollkommene Planspiegel wirken, 
also eine unklare breite Verlöschungsgrenze geben, Man mufs dann eine Beob- 
achtungspause von 10 bis 15 Minuten machen. Unklare Verlöschungsgrenzen 
erhält man auch, wenn die zu untersuchenden Tropfen zu klein genommen 
werden. Nimmt man sie zu grofs, so läuft das überschielsende Wasser in die 
Trennungsfurche zwischen den beiden Prismenhälften, ja vermischt sich mit dem 
Wasser der anderen Hälfte. Dann ist gar keine Beobachtung möglich, und die 
Prismen müssen neu gereinigt werden. Nach einiger Uebung lernt man leicht 
die Größe der Tropfen schon am Glasstäbchen, mit dem man sie aufbringt, so 
abpassen, dafs sie gerade die geeignetste Gröfßse haben. Der geübte Beobachter 
wird also recht wohl eine Genauigkeit von 0,1 bis 0,2 Skalentheilen für die 
1) Wenn ich bei früherer Gelegenheit („Geophysikalische Beobachtungen der Plankton- 
Expedition“, S. 81) die Genauigkeit auf + 0,3 ansetzte. so lag das wesentlich daran, dafs ich damals
	        
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