Krümmel: Das Doppelbild-Refraktometer.
nun darauf an, das Refraktometer so. zu gestalten, dafs das Seewasser und das
destillirte Wasser womöglich gleichzeitig nebeneinander beobachtet werden
könnte, da ein Nacheinander mit dazwischen liegendem Reinigen der Prismen-
flächen. sofort eine Temperaturänderung bewirken mufste. Liefle sich diese
gleichzeitige Beobachtung ermöglichen, so wäre nur nöthig, die Differenzen in
der Lage der Verlöschungsgrenze zu bestimmen. Bei einer bestimmten niedrigen
Temperatur sei die Ablesung für destillirtes Wasser = d,, für Seewasser eines
bestimmten Salzgehalts = sı und die gesuchte Differenz sı — dı = 01. Beob-
achtet man nun bei hoher Temperatur, z. B. nach mehrmaligem Reinigen der
Prismen, wobei sie in der warmen Hand erwärmt werden, so erhielte man für
dieselben. Wasserproben die Ablesungen s2 und da, WO 82 <Sı, da < dı, und
52 — da = @2. Ist die oben gesetzte Annahme richtig, so mülste dann 02 = 01
und damit die Einwirkung der Temperaturänderung eliminirt sein.
Herr Professor Abbe schlug zu diesem Zwecke vor, die beiden Prismen
4 und B in der Richtung des Hauptsehnitts. durch eine tiefe Furche zu halbiren.
Bringt man auf die linke Hälfte des festen Prismas A (Fig. 5) einen Tropfen
Seewasser, auf die rechte einen Tropfen
destillirtes Wasser, setzt dann das eben-
falls halbirte Prisma B auf, so kann
man die Verlöschungsgrenzen beider
Flüssigkeiten durch dasselbe Fernrohr
beobachten, freilich nicht absolut gleich-
zeitig, sondern nacheinander 8o, da[s ein
drehbarer Schieber R erst die rechte,
dann die linke Hälfte des Prismenpaars
abblendet. In rascher Folge, nur durch
das Zeitintervall, das zur Einstellung des
Kompensators erforderlich ist, vonein-
ander getrennt, können nun die beiden
Ablesungen an der Mikrometer-Skala
geschehen; dafs dabei die Temperaturen
der beiden Prismenpaare sich ganz aus-
gleichen und, wenn überhaupt, dann in
ganz gleichem Sinne sich ändern werden,
ist zum mindesten wahrscheinlich. Die technische Herstellung solcher getheilten oder
Doppelbild-Prismen ist nun freilich keine ganz leichte Sache; ') es ist dazu abso-
lute Ebenheit der Hypotenusenflächen und ein gutes, stark vergröfserndes Fern-
rohr erforderlich. Bei unserem Instrumente, das die Firma Carl Zeiss in Jena
unter specieller Aufsicht von Herrn Professor Abbe hergestellt hat, ist die Ver-
größerung eine zwanzigfache. Damit dürfte, wie Herr Abbe versichert, übrigens
die Grenze des Erreichbaren gegeben sein; denn niemals ist die Verlöschung
auf der Skala absolut scharf zu erreichen, sondern verläuft in einer ganz schmalen,
bei unserem Instrument fast 0,2 Skalentheile betragenden Abschattirung vom
absoluten Dunkel in die lichte Helligkeit, und bei noch stärkeren Vergrölserungen
würde diese Uebergangszone immer nur mit vergrößert werden. Nimmt man
einfarbiges Licht statt des gemischtfarbigen weißen, so wäre mit dieser Methode
wohl noch etwas gröfere Schärfe zu erreichen, aber man hätte dafür eine andere
grofse Unbequemlichkeit mit in den Kauf zu nehmen.
Die praktische Arbeit mit dem Instrument, das ich zuerst 1889 auf der
Planktonfahrt im Atlantischen Ocean an Bord benutzte, ergab nun, dafs die
Temperatur doch nicht so ganz gleichmäfsig den Brechungsindex des destillirten
und Seewassers veränderte, Dasselbe ist von Herrn Dr. G. Schott, der auf
seiner Segelschiffsreise nach Ostasien im Jahre 1891/92 ein gleichzeitig mit
meinem hergestelltes zweites Instrument benutzt hat, festgestellt worden. Ks
schien jedoch möglich, indem man für verschiedene Werthe von d, also für ver-
schiedene Lagen der Verlöschungsgrenze beim destillirten Wasser, die ja ledig-
lich von der Temperatur abhängig sind, ebenso viel verschiedene Formeln auf-
stellte und zwar von der quadratischen Form
S= ag + bg,
1) Es ist dieselbe Schwierigkeit, die beim Heliometer auftritt, wo auch ein und dasselbe
Fernrohr für die zwei Hälften einer Linse benutzt wird.
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