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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1894. 
Luft und Glas = 40,7°, für Wasser und Glas = 60,5°. Diesen wichtigen 
Winkel nennt man „Grenzwinkel“; wir bezeichnen ihn im Folgenden mit €. 
Kehren wir auch hier den Gang des Lichtstrahls um, so wird ein unter 
dem Winkel ı = oder >55 von unten her auf die Grenzebene zu sich bewegen- 
der Strahl nicht aus dieser Ebene EEK’ heraustreten, sondern dieser parallel ab- 
gelenkt (bei W — C) oder ganz reflektirt (bei & => ©), also jedenfalls von oben 
her nicht gesehen werden. Dies ist der Vorgang der „Totalreflexion“. Nur 
Lichtstrahlen, die einen kleineren Winkel als £ mit dem Loth PA machen, 
üringen aus dem Wasser heraus in die Luft und werden dort sichtbar. !) 
Ist also, ganz allgemein, an der Grenzfläche zwischen zwei Medien mit 
den Brechungsexponenten % und v totale Reflexion vorhanden, so hat man aus 
der Gleichung 
sin © =: 
% 
Y 
lie Möglichkeit, wenn v bekannt und © beobachtet wird, % durch einfache 
Rechnung zu bestimmen. Es kommt nun darauf an, X zu beobachten. Dies ge- 
schieht am besten so, dafs man den Winkel w so lange verändert, bis der 
durchgehende Lichtstrahl verschwindet. In Abbe’s Refraktometer wird das zu 
untersuchende (flüssige) Medium als dünne Schicht zwischen zwei stärker 
brechende Prismen so eingeschlossen, dafs das Ganze eine planparallele Platte 
darstellt, die in allen Richtungen das einfallende Licht ohne Ablenkung austreten 
lälst.*) Hierzu dienen zwei rechtwinklige Glasprismen von gleicher Größe und 
gleichen Winkeln, mit den Hypotenusenflächen so aneinander gelegt, daß die 
Flächen der Katheten einander parallel werden. In Fig. 2 sind im sogenannten 
= 
Fig. 2. 
„Hauptschnitt“, d. h. im Querschnitt senkrecht gegen die brechende Kante, die 
beiden Prismen 4 und B in der verlangten Zusammenstellung gezeichnet; 
zwischen ihren Hypotenusenflächen bedeutet € die dünne Schicht der zu unmnter- 
suchenden Flüssigkeit, Das Prismenpaar wird zunächst drehbar gedacht um 
eine Axe senkrecht gegen die Papierfläche oder gegen den Hauptschnitt. 
Gelangt ein Lichtstrahl von P aus unter dem Winkel « in das Prisma B, 
30 wird er unter dem Winkel 8 gebrochen weitergeführt bis zur Hypotenusen- 
Bäche. Die Schicht € wird er so lange passiren, als der Winkel y unter dem 
Grenzwinkel der totalen Reflexion bleibt, und dann bei P“ in demselben Winkel 
x aus dem Prisma A heraustreten, wie er in das Prisma B vorher hineingelangt 
war. Ein schmaler bei P angebrachter Lichtspalt, der Einfachheit wegen von 
homogenem Licht, z. B. einer gelben Natronflamme, beleuchtet, würde dann also 
bei /” gerade so sichtbar sein, als ob die flüssige Schicht € nicht vorhanden 
wäre. Dreht man aber das Prismenpaar so, dafs der Winkel y wächst, so wird 
achliefslich der Grenzwinkel erreicht und die flüssige Schicht für das aus dem 
Prisma B ankommende gelbe Licht nicht mehr passirbar; der Spalt P wird dann 
in P' verschwinden. Ist der Brechungsindex für die betreffende Farhe beim 
Prisma B nun =”, so wird es nur noch erforderlich, « zu messen (der brechende 
1) So kann man also bei schlichter See einen 2 m tief unter Wasser laufenden auf das Schiff 
abgeschossenen Torpedo von Bord aus erst dann erblicken, wenn er in die Visirlinie GA gelangt 
und diese überschreitet, bei einer Aughöhe von 6 m über See also erst im Abstande von 9m 
vom Schiff, 
2) Vgl. die ausführliche, im Obigen benutzte Darstellung von Abbe in dessen Schrift: „Neue 
Apparate zur Bestimmung des Brechungs- und Zerstreuungsvermögens fester und flüssiger Körper“, 
Jena 1874 (Abdruck aus der Jenaischen Zeitschr. f. Naturw., N. FP. Ba. 1. £. 96 bis 174).
	        
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