Ann. d. Hydr. etc., XXI, Jahrg. (1894), Heft VII.
4q
kt
Das Doppelbild-Refraktometer zur Bestimmung des specifischen
Gewichts des Seewassers auf optischem Wege.
Von Prof. Dr. 0. KRÜMMEL in Kiel.
(Mit 5 Figuren.) ;
Im Folgenden soll ein Instrument beschrieben werden, das in recht ein-
facher Weise die Bestimmung des specifischen Gewichts des Seewassers ermög-
licht, indem dazu nur je ein Tropfen destillirtes Wasser und Seewasser erfordert
wird, deren beider Brechungsindices unmittelbar nacheinander an einer Mikro-
meter-Skala in einem Fernrohr abgelesen werden. Das ganze Instrument hat
Gestalt und Aussehen eines Fernrohrs und ist sehr handlich beim Beobachten.
An Bord ist man dabei vollkommen unabhängig vom Seegang.
Das optische Princip, welches hier Anwendung findet, ist das der Total-
reflexion; die Konstruktion ist eine für diesen speciellen Zweck erdachte Abart
des von E. Abbe erfündenen bekannten „Refraktometers“. — Zum Verständnißs
des Instruments mag folgende ganz elementare Darlegung dienen. .
Berühren sich in der Grenizfläche £ E’ (Fig. 1) zwei für Licht. in ver-
schiedenem Mafse durchgängige Medien, so wird ein Lichtstrahl beim Uebergange
aus dem einen ins andere be-
kanntlich abgelenkt oder ge-
brochen, und zwar wird der Sinus
des Einfallwinkels o (die Winkel
gegen das Einfallsloth Z‘ A ge-
nommen!) gleich dem Sinus des
Brechungswinkels w multiplicirt
mit einer Konstanten 2, welche
nur für die beiden gewählten
Medien Geltung hat. Also sin
= n sin w. Beim Uebergang
aus Luft in Glas (Crownglas) ist
nı = 1,53, von Luft in Wasser
nz = 1,33, von Wasser in Glas
aber mı:!nz =— Mm =— 1,15. Diese
Konstanten nennt man „Brechungs-
index“ oder „Brechungsexponen-
ten“. Graphisch kann man den
Weg eines Lichtstrahls am besten
80 verfolgen, dafs man zünächst
um den Einfallspunkt 4 zwei koncentrische Kreise schlägt, deren Radien sich
verhalten wie die Brechungsexponenten, also bei Luft und Glas wie 1 zu 1,53,
bei Luft und Wasser wie 1 zu 1,33 (so in unserer Fig. 1). Der einfallende
Strahl SA macht mit dem Loth £’ A den Winkel @; nun wird zum Loth
parallel BD gezogen und bis D verlängert, dann ist der Winkel DAL der
Winkel = PAT und AT der Weg des gebrochenen Strahls; Auch auf
dem umgekehrten Wege wird ein von 7 nach A kommender, aus dem Wasser
in die Luft übertretender Strahl den Weg ADS nehmen, was ebenso leicht zu
konstruiren ist.
Läfßst man den Winkel 9 wachsen, so wächst auch w, aber nicht gleich-
mäfsig, wie leicht graphisch zu verfolgen ist; sondern immer weniger und weniger;
wird endlich # = 90°, so wird die Parallele DB zur Tangente des inneren
Kreises bei F und ein Maximum. Dazu mufs der einfallende Strahl in der
Richtung FA, d.h. entlang der Grenzebene X X’ kommen. So wird sin g= 1,
also sin wx Für Luft und Wasser wird w also höchstens = 486°, für
Ann. d. Hyär. ete., 1894, Heft YII.
ref
fi