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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1894. 
Minimum lag über Südschweden und rief, in Wechselwirkung mit einem Hochdruck- 
gebiet über Südwesteuropa, an der ganzen Küste vielfach stürmische südwest- 
liche bis nordwestliche Winde, Stärke 8/9, hervor. Vereinzelt traten am 4,., 5,, 
7. und 8. an der Ostsee Gewitter auf, 
Während am 9. ein von der Biscaya-See kommendes Hochdruckgebiet 
durch Centraleuropa nach Ostpreufsen wanderte, herrschte an der Küste trockenes, 
im Osten heiteres Wetter. Jene nach dem Nordwesten verschobene Depression verlor 
ihre Herrschaft über die Küste; gleichzeitig entwickelte sich am 10. ein Maximum 
über dem Finnischen Busen, das sich langsam über dem Norden Europas aus- 
oreitete und zunächst für die östliche Ostsee bis zum 13. vorwiegend heiteres 
Wetter herbeiführte, während an den übrigen Küstentheilen im Bereiche kleiner 
facher Depressionen meist regnerische Witterung herrschte. Zahlreiche Gewitter 
traten am 12, an der Nordsee, am 13. an der Nordsee und westlichen Ostsee, 
wie am 14. und 15. an der östlichen Ostsee auf, wo an diesen Tagen geringe 
Niederschläge erfolgten. 
Hoher Druck lagerte am 15. bis 19. über Nordeuropa, dessen Kern langsam 
von Finland nach dem Nordwesten des Erdtheils wanderte, und bedingte an der 
Küste meist heiteres, im Osten am 17. und 18. viefach nebeliges Weiter, bei langsam 
aus östlichen nach mehr nördlichen Richtungen drehenden Winden. Diese Wetter- 
lage bedingte den Eintritt der höchsten Monatstemperaturen um Monatsmitte. 
Am Morgen des 20. lagerte über der südöstlichen Ostsee ein wenig ausgedehntes 
Hochdruckgebiet, in dessen Bereich am Morgen vielfach Reif auftrat, und wurde 
solcher auch in der folgenden Nacht an der Ostsee vereinzelt beobachtet, 
Vom 20. bis 24. lagerte hoher Druck über Nordwesteuropa, während von 
Süden und Südwesten her flache Depressionen über Centraleuropa in nordöstlichen 
Richtungen fortschritten. Diese bedingten am 20. bis 22. regnerische Witterung 
an der östlichen Ostsee, am 21. und 22. vielfach in Begleitung von Gewittern 
and vereinzelt von stürmischen nordöstlichen Winden, Stärke 8, am 22. (Brüsterort 
am 23, noch Stärke 9), während die übrigen Küstentheile im Bereich des Maximums 
trockenes, vielfach heiteres Wetter hatten. Am 24. herrschte an der ganzen 
Küste heiteres Wetter, doch traten bereits am folgenden Tage wieder Regenfälle 
ein, außer an der Danziger Bucht, wo am 25. noch das heitere Wetter anhielt. 
Von Süden her breitete sich eine Depression über Centraleuropa aus, und 
blieb die Küste vom 26. bis Ende des Monats im Bereich von Depressionen, fast 
täglich erfolgten Niederschläge, am 30. und 31. meist in Verbindung mit Gewittern. 
Bei der schnellen Ausbreitung der Depression gegen den im Norden lagernden 
hohen Druck traten am 26. an der Ostsee vielfach stürmische östliche Winde, 
Stärke 8/9, auf und wurden ferner vereinzelt stürmische Winde am 27. aus ESE, 
Stärke 8 und in Brüsterort am 29. aus NW, Stärke 9, beobachtet, 
Sehr ergiebige, 20 mm übersteigende Niederschläge erfolgten im Mai in 
Ahlbeck am 4. (20,3), sowie am 26. in Rügenwaldermünde (23) und Colberger- 
münde (28 mm). 
Die Morgentemperaturen lagen am 3. sowie 9. bis 17. meist über den 
normalen Werthen, am 1., 5., 6. und 19. bis 31. meist darunter. 
In den Monatswerthen waren der Luftdruck und die registrirte Wind- 
geschwindigkeit kleiner als die normalen Werthe, während die Temperatur, aufser 
in Memel, nahezu normal ausfiel und die Niederschlagsmengen im Westen zu 
kleine und im Osten etwas zu grafse Beträge ergaben. 
Die Windrichtungen waren an der Nordsee ziemlich gleichmäfsig auf die 
Kompafsrose vertheilt, während an der Ostsee die Richtungen aus Nord— NE, 
nach Osten hin an Uebergewicht gewinnend, durch größere Häufigkeit hervortraten. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Kochstrafse 68—70,
	        
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