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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Versuche über das Glätten der See durch Seifenwasser: 
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direkt auf die See geträufelt, und zwar hing die Büchse an einer 5 m langen 
Schubstange für Torpedoschutznetzspieren !/ı m über Wasser. 
Hierbei wehte die Lösung (da die Büchse luvwärts ausgebracht werden 
mufste) zum gröfsten Theil gegen das Schiff. Eine gewisse Menge breitete sich 
zwar auf der See aus, ein Erfolg bezüglich einer gläitenden Wirkung war jedoch 
nicht zu bemerken. Das Schiff lief 1 bis 1'/a Sm Fahrt. Um das Auswehen zu 
verhindern, wurde eine Büchse mit Seifenwasser luvwärts in den Ausgufßs gehängt; 
ein Erfolg war jedoch ebensowenig wie bei dem ersten Verfahren zu konstatiren. 
Zu bemerken ist, dafs dieser ganze Versuch insofern nicht einwandfrei ist, 
als nicht die genügende Anzahl von Büchsen zur Verwendung kommen konnte. 
5. Bericht des Kommandos $. M. S. „Arcona“. 
Es konnten bisher Erfahrungen üer die Wirksamkeit von Oel und Seifen- 
wasser in See nicht gesammelt werden, da die Reise von Rio de Janeiro nach 
Montevideo keine Gelegenheit zur Ausführung derartiger Versuche bot. Da- 
gegen sind während des Aufenthaltes auf der Rhede von Montevideo an 
zwei auf einander folgenden Tagen bei annähernd gleicher Stärke von Wind 
und Seegang nachstehende vergleichende Versuche mit Oel und Seifenwasser 
zum Glätten der See vorgenommen worden, bei denen es sich jedesmal darum 
handelte, die mit 100 m Trosse hinter dem verankerten Schiffe liegende Ge- 
schütz-Flofsscheibe gegen die kurzen knappen Brechseen zu schützen. 
I. Anwendung von Oel. 
Verwendet wurden zwei mit Werg gefüllte Säcke, welche mit je 1,5 kg Baumöl 
getränkt waren. Beide Säcke bestanden aus je zwei ineinander gesteckten aus- 
rangirten Mehlbeuteln. Dieselben erzeugten, am Heck ausgehängt, einen ge- 
glätteten Streifen von etwa 5 m Breite und etwa 150 m Länge, welcher, an- 
fänglich das Flofs umgebend, dasselbe gegen Sturzseen schützte. Später, bei 
veränderter Stromrichtung, wurde der Oelstreifen frei von der Scheibe vorbei- 
getrieben, und der Versuch wurde aufgegeben, da auch vermehrtes Ausflielsen 
von Oel den beabsichtigten Erfolg nicht erreichte. Verbraucht wurden 12 kg 
Baumöl in etwa 15 Stunden. 
IL Anwendung von Seifenwasser. 
Am folgenden Tage wurde zur Fortsetzung der Versuche eine Seifenlösung 
aus 1 kg Seife auf 50 1 heifses Wasser hergestellt, Die benutzte Seife war eine 
in Rio de Janeiro beschaffte braune Seife, ähnlich der in der Marine gebräuch- 
lichen sogenannten Mannschaftsseife, 
Mit der Lösung wurden zwei Brotbeutel gefüllt, in‘ deren Boden ver- 
mittelst eines Federmessers kleine Löcher gebohrt waren. Die mit etwa 4 1 
Lösung gefüllten Säcke ohne Wergfüllung liefen in durchschnittlich einer halben 
Stunde leer. Die Wirkung war ein 4 m breiter Streifen glatten Wassers in 
einer Länge von etwa 125 m. Da der seitlich setzende Strom eine Beob- 
achtung der Wirkung an der Scheibe ausschlofs, wurde nach Verbrauch der 50 1 
von weiterem Ausgiefsen Abstand genommen. 
An Bord S. M. Schiffe „Deutschland“, „Alexandrine“ und „Bussard“ hatte 
sich noch keine Gelegenheit geboten, Versuche anzustellen. 
Weitere Versuche auf auswärtigen Schiffen sind angeordnet worden,
	        
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