Davis: Die allgemeinen Windverhältnisse auf dem Atlantischen Ocean, 15
Schräge der Ekliptik. Die bestimmte Größe dieser Abweichung bei unserer
Erde, verbunden mit der bestimmten Größe der anderen mitwirkenden Faktoren,
ziebt eine bestimmte Form unseres Exempels von planetarischen Winden, und
diesen haben wir den Namen terrestrische Winde — oder Winde, die unserer
Erde angehören — gegeben.
Die terrestrischen Züge der Winde auf dem Atlantischen Ocean erkennen
wir in der jährlichen Wanderung der Windgürtel nach Nord und Süd und in
der jahreszeitlichen Aenderung von Richtung und Stärke der Winde auf beiden
Hemisphären,
Die Wanderung der äquatorialen Mallungen ist eine natürliche Folge der
verschiedenen Sonnenstände, Nord und Süd vom Aequator. Die Wanderung des
Resultats ist viel geringer als die Wanderung der Ursache, sie folgt der Wan-
derung der Ursache in Zeit und Ort, Es ist aber nicht auf den ersten Blick zu
verstehen, warum der Gürtel der schwachen Winde in den Rofsbreiten ebenfalle
wandern mufs. Dieser Gürtel ist keine direkte Folge des Wärme-Einflusses,
sondern beruht auf der Wechselwirkung zwischen der hohen Temperatur und der
Ausdehnung der Luft unter dem Aequator, und der Centrifugalkraft des grofsen
Wirbels um den Pol. Auf der Halbkugel, die Winter hat, wo der polwärts ge-
vichtete Temperaturgradient stark ist, weil dann der Temperaturunterschied
zwischen Aequator und Pol grofs ist, wehen die Winde stärker —- wie wir es
so deutlich auf dem Nordatlantischen Ocean sehen — wodurch die Centrifugal-
kraft der um den Pol wirbelnden Luft vergröfsert wird. Um dieselbe Zeit setzt
der etwas weiter vom betreffenden Pol fortgewanderte Wärme-Aequator der An-
häufung der Luft an den Grenzen des Passats weniger Widerstand entgegen.
Das Zusammenwirken dieser beiden Umstände bringt es zu Wege, dal in der-
jenigen Halbkugel, wo der Sonnenschein nur schwach ist, der Wind schneller
weht und die Tropengrenze des hohen Luftdrucks dem Aequator zuwandert,
während in der Sommerhemisphäre, wo die Winde etwas nachlassen und die
Hitze des Aequators polwärts wandert, der Gürtel an den Grenzen des Passates
polwärts wandert. Das ganze Windsystem pulsirt mit den Jahreszeiten. Dieser
Punkt wird im Allgemeinen so wenig verstanden, daß er wohl einer ausführlichen
Besprechung werth ist.
Eine der interessantesten Folgen des Wanderns der terrestrischen Wind-
gürtel sieht man in der Wirkung desselben auf die trockenen und regenreichen
Jahreszeiten in verschiedenen Regionen. Die äquatorialen Mallungen haben fast
täglich Regen. Wo sie breiter als der Spielraum, in dem sie wandern, giebt es
einen schmalen Streifen, der stets von ihren Stillen und täglichen Ausgleichs-
strömungen beherrscht wird, wo es also das ganze Jahr hindurch Regen giebt.
Wo ihre Breite geringer ist als ihre Schwankungsweite, dort giebt es zwei
Regen- und zwei verhätnilsmäfsig trockene Zeiten, wie auf den Inseln im Golf
von Guinea und an der Gabun-Küste in Afrika. Auf allen diesen echt äqua-
torialen Stationen ist es zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche Regenzeit und bei
den Sonnenwenden relativ trocken, aber nicht absolut.
In den Passatgürteln ist es verhältnifsmäfsig trocken; diese Winde wehen
beständig mit wenig stürmischen Unterbrechungen; Auf den Kontinenten ver-
ursachen sie Wüsteneien; daher die Sahara, wo das nördliche Afrika sich zu
einem so ausgedehnten Gebiet in den Passatbreiten erweitert. Zum Glück für
Nordamerika werden die entsprechenden Breiten der Neuen Welt nur von einer
schmalen Landmasse eingenommen. Auf ihrer Wanderung nach Nord und Süd
gelangen die äquatorialen Regen in Regionen, die den Rest des Jahres von
trockenen Passatwinden bestrichen werden. Hier zerfällt das Jahr in.eine Regen-
zeit und eine trockene Zeit. Die schweren Regen im Sudan, wenn die Sonne
im Norden ist, und am oberen Kongo, wenn die Sonne im Süden ist, wechseln
mit einer trockenen Periode im Rest des Jahres ab; die Regen in unserem Sommer
auf den Llanos. von Venezuela und im südlichen Sommer im Innern der Campos
von Brasilien, werden durch trockene Zeiten kompensirt, in denen diese Ebenen
Dürren haben. Den Gürtel, in dessen Grenzen sich die Doldrums bewegen, kann
man einen subäquatorialen Gürtel nennen, und die Grenzregen in diesem Gürtel
kann man die subäquatorialen Regen nennen.
.. Die Rofs-Breiten sind relativ trocken; sie besitzen eine reine, klare Luft
mit geringem Regenfall, im Gegensatz zu den feuchten, regenreichen Gebieten in