Börgen: Ueber eine neue Methode, die harmonischen Konstanten abzuleiten. 2921
für sich werden auf die gewöhnliche Weise die Konstanten A,, Bo, A,, B,,
A, Ba, Au, Bi und A,, B, abgeleitet, so dafs man für jede derselben 12 Werthe
erhält. Diese werden einen regelmäfsigen Gang im Laufe eines Jahres zeigen,
welchen wir, durch Ableitung ähnlicher Konstanten wie vorher, darstellen können.
Die Kombination dieser letzten Konstanten ergiebt endlich die gesuchten
Koefficienten für die oben genannten Tiden.
Es würde hier zu weit führen, diese höchst elegante und sinnreiche
Methode mehr im Einzelnen darzulegen, wir müssen uns daher mit dieser kurzen
Andeutung begnügen.
Darwin berechnet, dals durch die Benutzung seines Apparats und der
Methode, die sich um S gruppirenden Tiden nach seinem neuen Verfahren zu er-
mitteln, die Ableitung der Tiden nur etwa !/s der Zeit und Mühe in Anspruch
nehme, welche nach dem ursprünglichen Verfahren aufgewendet werden mukste.
Dieselbe Arbeitsersparnifs kommt natürlich auch der Benutzung der Leitlinien
nach dem Verfahren des Verfassers dieses zu, ja dieses letztere darf insofern noch
auf einen kleinen Vorsprung vor dem Darwin’schen Anspruch machen, als das
Wechseln der Blätter mit den Leitlinien natürlich sehr viel rascher vor sich
geht als die Uebertragung der Stäbchen von einem Führungsblatte auf das nächste,
doch ist dies von wenig Belang.
Durch die Güte des Herrn Prof. Darwin ist Verfasser dieses in den
Stand gesetzt worden, die oben skizzirte neue Methode zu erproben, und ist die-
selbe auf die Beobachtungen, welche zu Wilhelmshaven während eines Zeitraums
von 10 Monaten angestellt wurden, angewendet worden, Dasselbe Material wurde
gleichzeitig nach der älteren Methode unter Benutzung der Leitlinien bearbeitet,
so dafs ein wenigstens theilweiser Vergleich der beiderseitigen Resultate ermög-
licht wurde, mit dem Ergebnisse, dafs beide Rechnungen durchweg recht gut mit
einander übereinstimmten. Ein vollständigerer Vergleich wird durch die Bear-
beitung eines ganzen Jahrganges von Beobachtungen nach der im Nachfolgenden
zu entwickelnden Methode ermöglicht, wobei freilich der Umstand zu berück-
sichtigen ist, dafs die Ergebnisse verschiedenen Jahren angehören, Herrn Prof.
Darwin möchte aber Verfasser dieses auch hier seinen herzlichsten Dank für
sein freundliches Entgegenkommen aussprechen.
Die grofse Arbeitsersparnifs gegenüber dem ursprünglichen Verfahren,
welche durch die beiden im Vorhergehenden skizzirten Methoden erreicht wird,
wird dadurch erzielt, dafs bei beiden die Beobachtungen nur einmal aus den
Beobachtungsbüchern in das Schema ausgeschrieben zu werden brauchen, während
bei der ursprünglichen Methode dies für jede abzuleitende Tide wiederholt
werden mufste. Die Methode der Leitlinien schliefst sich der älteren voll-
kommen an, während die Darwin’sche eine etwas veränderte Art der Reduktion
der thatsächlich erhaltenen Mittelwerthe aus Beobachtungen, welche sich auf eine
gewisse Zeit vor bis ebenso weit nach der vollen Tidestunde vertheilen, auf
solche Mittel, welche aus genau für die Tidestunde geltenden Beobachtungen
erhalten worden wären, nöthig macht. Bei der neuen Darwin’schen Methode
vertheilen sich nämlich die Beobachtungen, deren Mittel als für die volle Tide-
stunde gültig angenommen wird, nicht nur wie bei dem älteren Verfahren über
eine, sondern über zwei und sogar noch etwas mehr Stunden, in deren Mitte die
betreffende Tidestunde liegt.
Durch das im Nachfolgenden zu entwickelnde, von der bisherigen Methode
ganz verschiedene Verfahren kann nun die schon so bedeutende Arbeitsersparnils,
welche durch die beiden im Vorhergehenden erwähnten Verfahrungsweisen erzielt
wird, noch erheblich gesteigert werden, so dafs die aufzuwendende Arbeit auf
weniger als die Hälfte derjenigen gebracht wird, welche unter Benutzung der
Leitlinien oder von Darwin’s Apparat aufgewendet werden mufs, oder auf
weniger als ein Zehntel der nach der ursprünglichen Methode nothwendigen Arbeit.
Dies wird dadurch erzielt, dafs ein Theil der zur Ableitung der Tiden noth-
wendigen Summirungen ein für alle Mal ausgeführt wird, so dafs für jede einzelne
Tide nur eine beschränkte Anzahl von Summirungen übrig bleibt. Die Genauigkeit,
mit welcher durch diese neue Methode die Konstanten erhalten werden, steht
derjenigen der älteren nicht nach, doch soll nicht verschwiegen werden, dafs
3ich auch einige Nachtheile anführen lassen. Die Ableitung der Konstanten aus
24 stündlichen oder 12 zweistündlichen Mittelwerthen ist etwas umständlicher als