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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1894, 
Das hier in Betracht fallende Gebiet erstreckt sich von 100° W-Lg bis 
60° O-Lg v. Gr. und 75° bis 30° N-Br; nicht berücksichtigt sind die Distrikte 
von 100° bis 80° W-Lg und 75° bis 55° N-Br sowie von 40° bis 60° O-Lg und 
45° bis 30° N-Br. Das zur Bearbeitung benutzte Material war in Bezug auf 
Nordamerika und Europa ziemlich gleichartig und reichhaltig, etwas spärlicher 
war dasjenige, welches sich auf die Mitte des Oceans bezieht. Aufserdem sei 
noch bemerkt, dal an den West-, Nord- und Osträndern des Gebietes die An- 
gaben insofern etwas unsicher sind, als häufig Depressionen, deren Centrum 
aufserhalb des betreffenden Feldes lag, in dieses hineingezogen wurden. 
Durchmustern wir nun die Tabelle a, so finden wir, wenn Hauptminima 
und Theilminima als gleichwerthig aufgefaßlst werden, im Allgemeinen zuerst eine 
Zunahme der Häufigkeit der Minima vom hohen Norden nach den mittleren 
Breiten hin, dann aber wieder eine Abnahme nach den niedrigen Breiten, so dals 
jenseits des 30. Breitengrades die Minima nur noch sehr selten auftreten. Dabei 
zeigt sich, dafs in den Jahreszeiten nur wenige Verschiedenheiten obwalten, so 
dafs die Zahlen der Tabelle kein zweifelloses Resultat in Bezug auf die Unter- 
scheidung der Jahreszeiten ergeben. 
Ganz dasselbe finden wir, wenn wir nur die Hauptminima in Betracht 
ziehen, aber mit dem Unterschiede, dafs im Allgemeinen die größte Häufigkeit der 
Minima dem hohen Norden eigen ist, von hier aus nimmt die Häufigkeit nach 
den niederen Breiten hin ab. In den Jahreszeiten zeigen sich keine erheblichen 
Unterschiede. 
Um so stärker ist bei den Theilminima die Zunahme der Häufigkeit von 
hohen nach mittleren Breiten, indem im letzteren die Häufigkeit doppelt so grofs 
ist als in ersteren. 
Der Grund dafür, dafs die Häufigkeit der Hauptminima in ihrer Abnahme von 
Nord nach Süd durchschnittlich keine Unterbrechung in mittleren Breiten zeigt, 
liegt in dem ungleichen Verhalten von Land und Meer, wie aus der Tabelle her- 
vorgeht. Die Abnahme erstreckt sich von 60° bis 80° W-Lg und von 0° bis 
40° O-Lg, also auf jene Gebiete, in welchen im hohen Norden das Meer und 
nach Süden hin der Kontinent sich befinden. Zwischen 0° und 20° W-Lg ist 
nahezu der ganze Meridianstreifen vom Meere eingenommen; dabei findet aber 
eine Zunahme der Häufigkeit vom hohen Norden nach mittleren Breiten hin 
statt. Eine grofse Zunahme ist zwischen 20° und 60° W-Lg vorhanden, welche 
Thatsache sich durch die Anwesenheit der Ländermassen Grönlands erklärt. 
Zwischen 45° bis 65° N-Br nimmt die Häufigkeit der Hauptminima und 
Theilminima nach Süden hin ab; nur zwischen 60° und 80° W-Lg halten sich 
die Hauptminima im Norden und Süden die Waage, während die Theilminima 
im Süden überwiegen. Die gröfste Abnahme nach Süden hin findet sich zwischen 
20° und 40° W-Lg, wo der Unterschied bei den Hauptminima mehr als das 
Doppelte beträgt, und zwar erstreckt sich dieser Unterschied gleichmäfsig auf 
alle Jahreszeiten. Es scheint, daß in diesen Breiten die Theilminima im Herbst 
and Winter seltener vorkommen als im Frühjahr und Sommer, wogegen im 
Sommer und Herbst die Hauptminima etwas häufiger sind als in den übrigen 
Jahreszeiten. 
Weiter nach Süden hin zeigen die Hauptminima zwischen 0° und 40° O-Lg 
wieder eine bemerkenswerthe Abweichung, indem jetzt wieder im Norden das 
Festland und im Süden das Meer liegt; die Häufigkeit beträgt im Mittelmeer das 
Doppelte von derjenigen in Centraleuropa. 
Tabelle b zeigt die Häufigkeit der Minima in Meridianstreifen von je 
10° Längegraden, wobei die Kontinente, die Küstengebiete und der Ocean, 
wenigstens angenähert, geschieden sind. Es ergiebt sich aus dieser Zusammen- 
stellung, daß die Hauptminima am häufigsten in den östlichen Küstengebieten 
Nordamerikas vertreten sind, am seltensten auf dem Ocean vorkommen, während 
in Europa die Häufigkeit an den Küsten und im Kontinent nahezu gleich ist. 
Die Häufigkeit der Theilminima zeigt keine so grofsen Verschiedenheiten, nur 
auf dem nordamerikanischen Kontinente tritt dieselbe auffallend zurück. Anderer- 
seits ist in den europäischen Küstengebieten ein Ueberschufs vorhanden, eine 
Thatsache, welche mit unseren Erfahrungen auf dem Gebiete der ausübenden 
Witterungskunde hinlänglich übereinstimmt. Auffallend indessen erscheint der 
Umstand, dafa Theilminima auf dem Ocean durchschnittlich ebenso häufig vor-
	        
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