9200 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1894.
mild, an der Nordsee und westlichen Ostsee vielfach heiter, an der östlichen
Ostsee vielfach nebelig, und felen zeitweise geringe Niederschläge. Die Morgen-
temperaturen zeigten bis zum 7. wenig Aenderung, stiegen dann im Westen vom
9. bis 11., während im Osten eine nordöstliche Luftströmung an diesen Tagen
ein Sinken der Temperatur zur Folge hatte.
Am 13. gerieth die deutsche Nordseeküste in den Bereich der im Westen
lagernden Depression, und rückten die cyklonalen Isobaren bis zum 17. nach
der russischen Grenze vor; ‚bis dahin herrschte im Osten heiteres Wetter, während
die übrigen Küstentheile regnerische und vielfach nebelige Witterung hatten.
Dann klarte es hier auf, und trat Regenwetter an der östlichen Ostseeküste
ein, zumal im Bereich einer flachen, aber umfangreichen Depression, welche am
18. bis 20. vom Kanalgebiet nach Polen wanderte. Diese trat in Verbindung mit
einer tiefen Depression über Italien, und erzeugte das nunmehr ganz Südeuropa
bedeckende Depressionsgebiet in Wechselwirkung mit dem hohen Druck im
Norden stark auffrischende, an einzelnen Stationen stürmische östliche Winde,
Stärke 8 bis 9 sowie Regenfälle am 21. und 22. Die Morgentemperaturen waren
am 12. im Westen stark zurückgegangen und erfuhren in der Folge an der
Küste bis zum 17, (Osten 18, bis 20.) wieder eine Zunahme; sie lagen am 183.
bis 19. wieder durchweg über den normalen Werthen. An der Nordsee und
westlichen Ostsee traten am 16. und 17. Gewitter auf.
Indem hierauf der hohe Druck im Norden seine Herrschaft wieder über
die Küste ausdehnte und sich wiederum niedriger Druck im Westen einstellte,
gestaltete sich die Wetterlage vom 23. bis 25. nahe zu der gleichen, welche zu
Anfang des Monats geherrscht hatte.
Doch schon am 26. gewann die westliche Depression Einflufs auf die
Nordseeküste, und alsbald wanderte ein an Umfang schnell zunehmendes De-
pressionsgebiet von Westen her ostwärts; schon am 28. bedeckte dasselbe ganz
Centraleuropa, während gleichzeitig im Westen Grofsbritanniens ein neues Maximum
herannahte. Dieses beherrschte am Monatsschlufs bereits ganz Westeuropa und
leitete eine dauernde Aenderung der Wetterlage ein. Nachdem am 25. vor-
wiegend trockenes und vielfach nebliges Wetter an der Küste geherrscht hatte,
war der 26. und 27. an der Nordsee und westlichen Ostsee regnerisch mit viel-
fach stark aufgefrischten Winden und Gewittern, und trat dann hier trockene
Witterung ein, während an der östlichen Ostsee am 26, bis 28. heiteres, am 29.
regnerisches und am 30. vorwiegend nebliges Wetter mit nur gerinfügigen
Niederschlägen beobachtet wurde. Die Morgentemperaturen stiegen vom 24. bis
26. oder 27. (Osten 29.) und sanken dann wieder, nachdem sie vom 25. bis
28. über dem Mittelwerthe gelegen hatten, infolge Eintritts der nördlichen Luft-
strömung auf der Nordseite des von Westen her vordringenden Maximums.
Ergiebige, 20mm übersteigende Niederschläge traten am 17. in Keitum (20),
am 20. in Leba (22) und am 22. in Keitum (22 mm) ein.
Der Monat April zeigte nahezu die gleichen Abweichungen von den viel-
jährigen Werthen wie der vorangehende Monat: zu hohe Temperatur, wie jener
um 2 bis 3°, zu hohen Luftdruck — nach Osten hin zunehmende Abweichungen —
zu kleine registrirte Windgeschwindigkeiten und theils zu kleine, theils zu grofse
Niederschlagsmengen.
Die am häufigsten beobachteten Windrichtungen entfielen überall auf die
Quadranten Nord—Ost-—8Süd.
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