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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1894. 
das Wasser rein und gut ist, ist leider etwas abgelegen, doch kann man nahe 
derselben auf dem flachen sandigen Strande die Fässer bequem ans Land rollen. 
Im Uebrigen sind aufser Fleisch und einigen Früchten auch hier keine Aus- 
rüstungsgegenstände zu haben. Früher soll der Platz viel von Walfängern be- 
sucht worden sein; jetzt ist dies seltener der Fall, nur ab und zu sieht man 
noch einen chilenischen Walfänger südwärts kreuzen. Die Ausegelung von 
Salango bietet keine Schwierigkeit. „Papa‘ kam des Morgens zu früh und 
mußte noch wieder vom Lande abliegen. Vor 10 Uhr vormittags ist in der 
Bai gewöhnlich noch nicht genügend Seebriese zum Einsegeln vorhanden. Bei 
der Einsegelung mufßs man vor allen Dingen das Loth fleifsig gebrauchen, denn 
die Wassertiefe nimmt rasch ab. Der Ankergrund ist lehmig und hält gut. 
Fische sind in sehr grofsen Mengen vorhanden, auch Haie und Mantas (grofse 
Rochen), die sehr gefürchtet werden. 
Ein neues Lehrbuch der Meteorologie. 
Vor Kurzem ist bei Ginn & Co. in Boston ein handlicher Band erschienen, 
welcher den Titel trägt: „Elementary Meteorology by William Morris Davis, 
professor of physical geography in Harvard College“, 
Professor Davis, welcher unseren Lesern bereits durch mehrere Arbeiten 
bekannt ist, muls als besonders gut vorbereitet erscheinen, ein solches Lehrbuch 
zu schreiben, denn mit einem vortrefflichen Ueberblick über diesen und verwandte 
Wissenszweige und einem ungewöhnlich klaren Denken verbindet er eine Richtung, 
welche in unserer Wissenschaft noch wenig vertreten und für ihre Zukunft sehr 
nothwendig ist: die didaktische, auf das Lehren und die geistige Schulung des 
Lernenden gerichtete. Dafs diese Richtung in der Meteorologie noch wenig 
entwickelt, ist natürlich, weil die Meteorologie sich noch keinen Platz im Lehr- 
plan der Schulen erobert hat und selbst auf Hochschulen fast stets nur als 
Nebenfach von diesem oder jenem Docenten, der gerade Interesse für sie hat, 
vorgetragen wird. Da konnte sich keine Methodik des Unterrichts ausbilden. 
Prof. Davis hat aber in einem glänzend geschriebenen Aufsatze, der vor zwei 
Jahren im „American Meteorological Journal“ (Maiheft 1892) erschien und im 
der Zeitschrift „Wetter“ deutsch wiedergegeben ist (1892, S. 157, 169, 193), 
gezeigt, dal die Meteorologie, richtig behandelt, für die „geistige Gymnastik“ 
des Schülers so viele Handhaben bietet, wie irgend eine andere Wissenschaft, 
und dafs besonders die Lehre von den Bewegungen der Atmosphäre vorzüglich 
geeignet ist, um daran naturwissenschaftliche Methode zu lernen und zu üben. 
Gelegenheit zur praktischen Erprobung dieser Gesichtspunkte hatte Prof. Davis 
reichlich, da er seit mehr als zehn Jahren am Harvard College Meteorologie 
lehrt und zwar sehr jungen, kaum unseren Primanern entsprechenden Studenten. 
Ein ferneres charakteristisches Kennzeichen des vorliegenden Lehrbuches ist 
die reichliche Verwendung von Diagrammen. An Karten und Abbildungen von Instru- 
menten ist das Buch nicht reicher, als heutzutage schon üblich ist, wo ja überall das 
Bild dem Wort in einer früher nicht geahnten Weise zu Hülfe kommt; in diesem 
Punkte ist nur die Auswahl, die anspruchslose, aber zweckmäfsige Ausführung 
und die bequeme Unterbringung im Text zu erwähnen. Neu für ein Lehrbuch 
ist die Einschaltung einer Reihe hübscher Wolkenzeichnungen, die trotz sehr 
kleinen Formats als durchaus gelungen zu bezeichnen sind, und unter denen wir 
besonders die aufeinanderfolgenden Aufnahmen einer Gewitterwolke auf S. 253 
hervorheben wollen; und ferner, vor Allem, einer grofsen Anzahl von Diagrammen, 
welche das Verhältnifs der Lufttemperatur, des Thaupunkts und des Luftdrucks 
zur Höhe unter verschiedenen Umständen darstellen. 
Auf den Inhalt des Lehrbuches können wir in dieser Besprechung unmöglich 
näher eingehen; das Gesagte möge zu dessen Charakteristik und Empfehlung 
genügen. Es ist natürlich, dafs Referent nicht in allen Punkten mit dem Ver- 
fasser völlig einverstanden :ist. An dieser Stelle möchte ich nur einen Punkt 
herausgreifen, über welchen ich in dieser Zeitschrift bereits vor Kurzem gesprochen
	        
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