Dinklage: Die Winde in den Südaustralischen Küstengewässern.
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hohen Luftdrucks, der nach weiterer Verschiebung nordwärts während dieser Zeit
über dem relativ kalten Festlande Australiens Kegt, und die zwischen NW
und SW schwankenden Winde, welche jetzt vorherrschen, werden durch De-
pressionen hervorgerufen, deren Minima im Süden vorüberziehen. Beim Heran-
nahen der Letzteren krimpt der Wind auch noch öfter bis NO zurück, doch ist
dies meistens nur für kurze Zeit; am längsten hält er sich in den westlichen
Strichen,
Die Monate Oktober, November und Dezember, während welcher das Gebiet
des höchsten Luftdrucks sich wieder allmählich südwärts vorschiebt, zeigen wieder
einen ähnlichen Charakter wie März, April und Mai: ostwärts wandernde Maxima,
getrennt durch rinnenförmige Depressionen, und von NO nach SW umspringende
Winde.
Die allgemeinen Windverhältnisse auf dem Atlantischen Ocean.
Von WILLIAM MorRıs Davıs, Professor am Harvard College, Cambridge, Mass.
{Aus dem „American Meteorological Journal“ 1893, Vol. IX, p. 476.)
Hierzu Tafel 1.
Die gewöhnlichen Windkarten in den Lehrbüchern oder Atlanten für
Meteorologie geben keine so anschauliche Uebersicht, wie die Isothermen für
die Temperatur oder die Isobaren für den Luftdruck sie uns liefern. Die Wind-
karten enthalten in der Regel nur dort Windpfeile, wo wirkliche Beobachtungen
vorliegen, und zeigen sonst leere Gebiete. Dieses ist genau dasselbe, als wenn
die Temperatur- und Luftdruck-Karten nur Zahlenwerthe aufweisen würden ‚und
keine Isothermen oder Isobaren. Der Grund liegt darin, dafs es schwer ist, ver-
trauenswürdige Beobachtungen über Windverhältnisse an genügend vielen Stationen
zu erhalten, die es verdienen, als allgemein gültig angesehen zu werden. . Dennoch
werden Lehrer und Schüler übereinstimmend vorziehen, die Verallgemeinerung
von berufenen Händen aus der Gesammtheit der Beobachtungen aufgestellt zu
sehen, statt dieses selbst aus den unvollständigen Andeutungen der gewöhnlichen
Windkarten vornehmen zu müssen. .
Obgleich die meteorologischen Karten für den Ocean, wie sie von den
nautischen Anstalten verschiedener Länder veröffentlicht werden, gewiß den Be-
dürfnissen des Seemanns bei Wiedergabe der Häufigkeit der verschiedenen Winde
in Procenten in 5- oder 10 Grad-Feldern am besten entsprechen, so ist es doch
ebenso sicher, dafß diese werthvollen aber unausgeglichenen Karten für Lehr-
zwecke nicht recht geeignet sind. Sie sind zu voll von Einzelheiten; sie geben
nicht die Grundzüge mit genügender Schärfe oder Einfachheit. Sie genügen für
Vorgeschrittene und für Untersuchungen, aber sie ermüden den Anfänger. Die
nach kleinem Mafsstabe entworfenen Karten der Lehrbücher sind ‚ebensowenig
befriedigend. Es ist schwer, den Schülern diese Karten zum Verständnifs zu
bringen; die Windpfeile liegen zu zerstreut und sind zu wenig abhängig von
einander; benachbarte Windpfeile laufen oftmals recht gegeneinander. Es gehört
mehr dazu, als das Wissen oder die Urtheilsschärfe eines Studenten, um in diesem
Wirrsal Ordnung zu entdecken, Die neuesten Karten — die von Professor Hann
in „Berghaus’ Physikalischem Atlas“ und die von Alexander Buchan in dem
„Report on the Meteorology of the Challenger-Expedition“ — haben gegen
ihre Vorgänger grofse Fortschritte aufzuweisen; dennoch findet man auch in
diesen ausgezeichneten Darstellungen dieselbe Schwierigkeit bei der Auslegung.
Sie erfüllen ihren Zweck für den Forscher, welcher genau zu wissen wünscht,
wie weit unser Wissen reicht, aber sie lassen für den Schüler Manches zu
wünschen übrig. .
Deshalb mufs ich die Aufmerksamkeit des Lesers dieser Zeitschrift auf die
beifolgenden Abdrücke von zwei allgemeinen Windsystem-Karten vom Atlantischen