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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1894.
Reise des deutschen Schiffes „Sirene‘‘, Kapt. B. Sauermilch,
von Cardiff nach Yokohama.
Der Kapitän berichtet: „Am Morgen des 7. Januar 1893 passirten wir auf
der Reise von Cardiff nach Yokohama mit dem 1458 R. T. großen eisernen
Vollschiffe „Sirene“ bei stürmischem Südostwinde Lundy Island, wo der Lootse
von Bord ging. Da ich annahm, dafs der Wind bald westlich Jaufen würde,
ließ ich gut westlich hinaussteuern, so daß wir am Mittage des nächsten Tages
nach 49,9° N-Br und 9,2° W-Lg gelangt waren. Hier nahm der günstige Wind
denn auch schon ein Ende, und für die nächsten zwei Tage, bis zum 10. Januar,
hatten wir nur leichte südliche und westliche Briese und Mallung. Dann setzte
der Wind jedoch von Neuem wieder aus einer östlichen Richtung ein und wehte
nun vier Tage lang als eine recht frische Briese aus KSE bis ENE bei stetigem
Luftdruck und gutem Wetter. Am Nachmittage des 14. Januar, als wir
36,5° N-Br und 21,5° W-Lg erreicht hatten, wurde der Wind aus Ost bei fallen-
dem Barometer stürmisch, so dal wir reffen mufsten, und nachts hatten wir ein
heftiges Gewitter mit strömendem Regen. Damit trat Mallung ein. Bis zum
20. Januar in 27,1° N-Br und 28,3° W-Lg hatten wir nun Tag für Tag harte
Böen, sehr viel Regen und nachts sehr starkes Blitzen rings um den Horizont.
An dem genannten Tage war der Wind sehr unbeständig aus SE, Süd und SW,
holte nachmittags aber langsam nach NNW und am nächsten Tage nach ENE.
Der Passat, den wir damit anscheinend erfaßt hatten, blieb indessen bis zum
23. Januar in 22,2° N-Br und 275° W-Lg sehr flau, dem Schiffe nur einen
Fortgang von 3 bis 4 Knoten gebend; jetzt kam aber recht frische Briese durch,
womit wir in den folgenden vier Etmalen Distanzen von 206, 257, 244 und
236 Sm zurücklegen konnten. Jenseits von 7° N-Br nahm der Wind an Stärke
ab, und vom 28. bis zum 30. Januar, zwischen 3,8° und 1,8° N-Br, hatten wir
Mallung und zeitweise Windstille bei bedeckter Luft und häufigen Regenschauern,
Am folgenden Mittage wurden wir von dem Südostpassat, der während der Nacht
mit heftigen Böen eingesetzt war, sich dann aber zur beständigen Briese ent-
wickelt hatte, über die Linie geführt. Nach unserer Loggerechnung sollte die
Länge 26° 26‘ W sein; wir hatten aber in den letzten vier Tagen keine astro-
nomischen Beobachtungen gehabt und fanden nun, dafs wir in dieser Zeit von
dem Strom um 2° nach Westen versetzt worden waren und in 28° 23‘ W-Lg
standen. Unsere Reise nach der Linie lieferte mit 23 Tagen Dauer von 50° N-Br
ein ganz gutes Resultat,
Jenseits der Linie hatten wir den mäfsig bis frisch wehenden Passat aus
einer sehr schralen Richtung und zugleich eine starke westliche Strömung, am
1. Februar 44 Sm nach WSW und am 2, 39 Sm nach W*%1S, und wurden infolge
dessen so weit nach Westen gedrängt, dals wir weit in Lee von Fernando
Noronha passirten. Wir waren hier in Gesellschaft von sieben mitsegeluden
Schiffen, unter denen sich zwei Viermastbarken befanden, die wir schon im
Nordostpassat in unserer Nähe gehabt hatten. Da der Wind so schral blieb,
mußten wir schon in der Nacht wegen der Nähe der Küste von Brasilien über
den anderen Bug gehen und waren nun für mehrere Tage zu kreuzen genöthigt.
Die Voraussetzung, dafs der Wind in der Nähe des Landes raumer holen sollte,
traf nicht zu; im Gegentheil fanden wir, dafs der Wind, je näher der Küste,
desto südlicher war. Erst nachdem wir Kap St. Agostinho passirt und 9° S-Br
erreicht hatten, erhielten wir am 6. Februar den Wind östlicher, so dafs wir
längs der Küste liegen konnten. Der Wind aus ESE bis Ost blieb indessen nur
von mäßiger Stärke, und am 13. Februar auf 26° S-Br und 30,5° W-Lg trat bei
hohem Barometerstande völlige Windstille ein, die 58 Stunden anhielt. Am
16, Februar, auf 27,5° S-Br und 29,9° W-Lg, hatten wir 21 Schiffe in Sicht. Auch
in der nächsten Folgenzeit trafen wir, wie ganz von der Linie her, eine sehr
schlechte Gelegenheit, den Wind mehrmals umgehend von NE nach West, aber
immer flau., Erst am 23. Februar, in 39° S-Br und 14° W-Lg, setzte eine frischere.
böige Briese aus SSW bis West ein, mit der wir nördlich von Gough-Inse!l
passirten und endlich am 26. Februar in 41,5° S-Br den ersten Meridian über-