Seekartenwerk und Nanfische Geodäsie
17
ist bei Beachtung der kartographischen und technischen Arbeitsgänge ohne
weiteres klar, daß diese Arbeit mit den zur Verfügung stehenden 13 Karto
graphen — von denen etwa ein Viertel praktisch auch noch für die Nach
richten für Seefahrer eingesetzt werden muß —, 3 eigenen Kupferstechern und
den geringen, für die Vergebung von Kupfersticharbeiten zur Verfügung
stehenden Sachmitteln nur sehr allmählich und in keinem Fall schlagartig
erledigt werden kann. Aus den dargelegten Gründen lassen sich Schwierig
keiten nicht vermeiden. Es wäre aber dringend erforderlich, dem Seekarten
werk weitere Kräfte und höhere Mittel zur Verfügung zu stellen als bisher,
um diesen Übergangszustand, cler sich sonst wie eine schleichende Krankheit
jahrelang hinzieht, schneller zu überwinden.
Es ist Vorsorge getroffen worden, daß die Stichvorlagen für umfangreiche
zusammenhängende Berichtigungen über die Photographie vorab auf physi
kalisch-chemischem Wege unmittelbar in die für den Auflagendruck be
stimmten Aluminiumplatten eingearbeitet werden können. Die hiernach ge
wonnenen Karten werden zwar nicht die gewohnte Vollendung der Dar
stellung aufweisen, es ist aber z. Zt. die einzige Möglichkeit, der Schiffahrt
schneller als bisher auch hinsichtlich der Tiefenangaben berichtigte Karten
zu liefern. Da die Aluminium-Maschinenplatten nur eine begrenzte Lebens
dauer haben, so wird hierdurch die Fortführung der Original-Kupferstich-
platten — abgesehen von den Seegebieten, in denen die Topographie des
Meeresbodens sehr starken und schnellen Änderungen unterworfen ist —
weder überflüssig, noch darf sie zurückgestellt werden.
Versuche zur Ausarbeitung neuer technischer Hilfsmittel
sind geplant, um die Erleichterung in der ausreichenden Versorgung der
Schiffahrt mit berichtigten Seekarten zu schaffen. Leider kann jeder Fort
schritt in dieser Richtung aus Mangel an Personal und Geld nur langsam vor
sich gehen.
Die derzeitigen Forderungen und Wünsche cler deutschen Hoch
seefischerei wurden im Rahmen einer von der Deutschen Wissenschaft
lichen Kommission für Meeresforschung abgehaltenen Sitzung und in zahl
reichen Einzelbesprechungen und schriftlichen Erörterungen festgestellt. Plier-
nach werden grundsätzlich Fischereikarten mit farbiger Darstellung der Boden
beschaffenheit und einer dichten Folge farbig herausgehobener Tiefenlinien
sowie Funkortungskarten gefordert, welche die Consolfunkfeuer — die
früheren deutschen Sonnen — bequem für die Schiffahrtsortung auszuwerten
gestatten, da diese mit einfachen Rundfunkgeräten empfangen werden
können. Den vielfachen Wünschen wurde bisher mit der Herausgabe einer
sechsfarbigen Neuauflage der „Fischereikarte der Nordsee“ (D 112 F) in zwei
Blättern und mit einer fünffarbigen Neuausgabe der Funkortungskarte
„Nordsee und Kanal“ (D 2651), in welche ein dichtes Interpolationsnetz für
die Consolfunkfeuer Stavanger und Bushmills eingetragen wurde, entsprochen.
Die Herausgabe weiterer Fischerei- und Funkortungskarten wird vorbereitet.
2. Nautische Geodäsie
Die immer stärker werdenden Nöte des Seekartenwerks ließen im Be
richtsjahr die Gruppe Nautische Geodäsie ihre Aufmerksamkeit vornehmlich
dem Seekartenwerk zmvenden.
Es wurden das Netz und die Daten für die Eintragung der Consol
funkfeuer Stavanger und Bushmills zu einer Übersichtskarte in gnomo-
nisdier Projektion im Maßstab 1 : 15 000 000 berechnet. Ferner wurde im Zuge
der Neuberechnung der durch die Kriegswirren verloren gegangenen Berech-