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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1894.
Noch übersichtlicher erscheinen die geschilderten Verhältnisse in der
Tabelle 3 (Seite 9), in welcher die Winde nach den vier Quadranten geordnet
sind. Die Winde der vier Hauptstriche Nord, Ost, Süd und West sind bei der
Berechnung im Verhältnifs der Zahlen für die nebenstehenden Striche, z. B.
NNW und NNE, auf die beiden anliegenden Quadranten vertheilt worden.
Es erübrigt noch, die Winde von der Ost- und der Westseite und die von
der Nord- und der Südseite ihrer Häufigkeit nach miteinander zu vergleichen,
wobei die neutralen Striche Nord und Süd bezw. Ost und West unberücksichtigt
bleiben. Es ergiebt sich:
Winde von der Ostseite (NNE—SSE) sind vorwiegend von November bis
März, am meisten im November und Januar, in welchen Monaten das Verhält-
nifßs 50 gegen 33 %/o ausmacht. Dagegen sind Winde von der Westseite (SSW
bis NNW) vorwiegend von Juni bis September, am meisten im Juli und August:
58 gegen 30 °%. Im April, Mai und Öktober sind östliche und westliche Winde
gleich häufig.
Winde von der Südseite (ESE—-WSW) sind vorwiegend von Oktober bis
März, am meisten im Januar und Februar: 68 gegen 19%. Winde von der
Nordseite (WNW-—ENE) sind vorwiegend im April und Mai: 50 gegen 34 %.
Im Juni, Juli, August und September kommt der Wind mit gleicher Häufigkeit
aus dem südlichen und dem, nördlichen Halbkreise.
Betrachtet man die Windverhältnisse in den Südaustralischen Küsten-
gewässern unter Bezugnahme auf die Verhältnisse des Luftdrucks, durch welche
sie bedingt werden, so lassen sich dieselben wie folgt darstellen:
Die stetigen südlichen Winde der Hochsommermonate Januar und Februar
werden hervorgerufen durch den niedrigen Luftdruck über dem australischen
Festlande, der wieder eine Folge der dort um diese Zeit stattfindenden grofsen
Lufterwärmung ist, und dem ihm gegenüberstehenden höheren Luftdruck über
den relativ kalten südlichen Küstengewässern.!) Die mittlere Lage des Druck-
minimums in ungefähr 125° O-Lg bedingt, dafs der Wind näher Kap Borda mehr
aus einer südöstlichen, näher Kap Leeuwin aber mehr aus einer südwestlichen
Richtung kommt.
Mit fortschreitender Jahreszeit verschiebt sich, der nördlichen Deklinations-
Aenderung der Sonne folgend, auch das Niederdruckgebiet und zugleich das Ge-
biet beständig hohen Luftdrucks weiter nach Norden. Die Südaustralischen Ge-
wässer gelangen jetzt in die Region der veränderlichen Luftdruckverhältnisse der
polaren Passatgrenze, deren charakteristische Erscheinung hier, wie auf vielen
anderen ähnlich gelegenen Stellen, die ostwärts wandernden, durch rinnenförmige,
in nord—südlicher Richtung verlaufende Gebiete niedrigeren Drucks getrennten
Luftdruckmaxima sind. Ihr Auftreten ruft die umlaufenden Winde hervor, durch
welche sich die Monate März, April und Mai kennzeichnen. Der Wind beginnt
in dieser Jahreszeit gewöhnlich aus einer östlichen Richtung und holt dann, auf-
frischend, bei abnehmendem Luftdruck durch NE nach Nord. Mit dem Ein-
tritt des niedrigsten Barometerstandes läuft er rasch und meistens abflauend
durch die nordwestlichen Striche, um nun mit vermehrter Kraft aus dem Südwest-
quadranten einzufallen, wo er, allmählich abnehmend und gewöhnlich noch etwas
südlicher drehend, bei wieder hoch gestiegenem Barometer schließlich zu Ende
geht. Im März, wenn die Maxima noch oft aı der Südseite des hier besprochenen
Gebiets vorüberziehen, hält sich der Wind bei diesen Umläufen noch mehr in den
südlichen Strichen, während er in den späteren Monaten mehr aus NE bis
Nord weht und in der zweiten Hälfte der Wetterperiode aus einer westlicheren
Richtung einsetzt. Da das ganze System, wie gesagt, in östlicher Richtung fort-
schreitet, so werden auf einem westwärts fahrenden Dampfer die Luftdruck- und
Windänderungen natürlicherweise sehr viel häufiger beobachtet als an Bord
eines ostwärts steuernden, der, mit dem System gleichen Schritt haltend, oft die
ganze Strecke von Kap Leeuwin bis Kan Borda mit beständigem Nordost- oder
Südwestwinde zurücklegt.
In den folgenden vier Wintermonaten — Juni, Juli, August und theilweise
September — befindet sich das Beobachtungsfeld gänzlich an der Südseite des
1) Siehe den von der Seewarte herausgegebenen physikalischen Atlas des Indischen Oceans,
Taf. 11 und 15.