Knipping: Allgemeines über die Stürme des Stillen Oceans.
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Nach dem Obigen kann es keinem Zweifel mehr ‚unterliegen, dafs sich
Taifune oft in der Nähe der Liukiu-Inseln entwickeln, wie dies auch die Statistik
ergiebt. Da ferner in mehreren Fällen die Wirbelmitte nahezu bewegungslos bei
oder auf den Inseln gelegen hat, dürften die Liukiu-Inseln ebenso wie manche
Inseln der Südsee, des Golfs von Bengalen u. s. w. bei der Bildung insofern oft
eine leitende Rolle spielen, als über ihnen aufsteigende Ströme sich stärker ent-
wickeln als über dem Meere. Dadurch kommt in manchen Fällen innerhalb der
Tropen schneller Einheit in das System, obwohl Inseln keine unumgänglich noth-
wendige Vorbedingung einer jeden Cyklone sind.
Die Jahreszeiten, in welchen tropische Orkane auftreten, Sommer und
Herbst der betreffenden Halbkugel, sind so deutlich gekennzeichnet, dafs der
Einfluß der Wärme oder des Wärmeüberschusses auf einem bestimmten Gebiet
in Luft und Wasser sich als der wichtigste Faktor bei ihrer Bildung vordrängt.
In manchen Gebieten, so in der Südsee, ist aulserdem mehrfach von Orts-
angesessenen direkt auf den Zusammenhang hingewiesen, der zwischen „Ver-
späteter Regenzeit“ und „Orkanhäufigkeit“ besteht, woraus erhellt, dafs mehr
ÖOrkane in solchen Jahren auftreten, in denen eine besonders starke Sonnen-
strahlung sich geltend macht, der Nordwestmonsun ungewöhnlich lange durch
den Südostpassat zurückgedämmt ist.
Der Einflufs der Erdumdrehung sowie der mittleren Isobaren oder, was
dasselbe besagt, der vorherrschenden Winde, wurde schon erwähnt. Dazu tritt
noch der Einflufs des Meeres, welcher sich in verschiedenen Richtungen geltend
macht. Seine Oberfläche bietet der bewegten Luft nur sehr wenig Reibungs-
widerstand. (Bildung und Auftreten der tiefsten Minima nur auf dem Meere.)
Die höchste Wärme zeigt ee erst 6 bis 8 Wochen nach der Luft. (Taifun-Maximum
im September.) Die Luft über dem Meere ist verhältnifsmäfsig feucht, im Winter
aufserhalb der Tropen auch verbältnifsmäfsig warm; entsteht also überhaupt ein
aufsteigender Strom, so tritt auch leicht Regen auf und damit eine Verstärkung
des. aufsteigenden Stromes. Warme und kalte benachbarte Wassermassen bedingen
auch in der darüber lagernden Luft Gegensätze, welche die Bildung und Ent-
wickelung von Depressionen begünstigen. (Stürme bei solchen Grenzgebieten
häufiger.)
Welchen Antheil jeder dieser Faktoren bei der Entstehung von Cyklonen
hat und ob noch andere gelegentlich oder immer mitwirken, mag dahingestellt
bleiben; da aber jedenfalls ein Theil!) der aufsertropischen winterlichen Cyklonen
des Stillen Oceans sich in ganz ähnlicher Weise und unter ähnlichen Vorbedingungen
entwickelt wie die tropischen, liegt die Annahme am nächsten, dafs sich alle auf
diese Weise entwickeln. Ob es sich dabei um eine vollständige Neubildung oder
die Entwickelung eines sogenannten Theilminimums handelt, macht in den Beob-
achtungen an Bord wenig oder keinen Unterschied.
Mit Bezug auf die geringe. Anzahl der bisher bemerkten Bildungen aufser-
tropischer winterlicher Cyklonen in See, in gleicher Weise wie der tropischen
mufs hinzugefügt werden, dafs die Bedeutung solcher Beobachtungen nur unter
sehr günstigen Verhältnissen so klar zu Tage tritt, dafs sie als Beweismaterial
angezogen werden können.
In See und in allen Breiten gilt deshalb für den Seemann auch die Frage:
„Bedeutet mein Barometerfall und mein Wetter auch wohl die Entwickelung
einer Cyklone?“ Zum Verständnifs mancher Beobachtungen und bei der Ent-
scheidung über etwaige Manöver oder Kursänderung ist eine Erwägung dieser
Frage unentbehrlich.
B. Böen, Wind- und Wasserhosen.
i. Bogenförmige Böe. D. Bark „Leontine“, Kapt. L. Göde.‘ Von
Hongkong nach Sydney. J.-No. M. 57. 1861, 12. und 13. Juli. Oestlich ‘ von
den Philippinen.
Schiffsort am 12. Juli mittags: 15,4° N-Br, 125,7° O-Lg;
13. Juli: 14,3° N-Br, 125,4° O-Lg.
\ Vol. diese Annalen 1894. S. 592: „Ein Beitrag zur Entwickelung aufsertropischer Cyklonen.“