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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Knipping: Allgemeines über die Stürme des Stillen Oceans. 165 
‚Aufsertropische Meerestheile. Im Süden haben wir annähernd grad- 
iimige, parallele Isobaren mit .dachförmigem Abfall nach Süden, ‚geringen Unter- 
schieden im ‘Oharakter dieser Linien während ıder vier Jahreszeiten. Im Norden 
dagegen ‘bildet sich im Winter ein stark ausgeprägtes Tiefdruck-Gebiet mit ge- 
schlossenen Isobaren aus, dessen Längsachse von den Kurilen über die Aleuten 
geht, mit ziemlich steilen Gradienten an allen Seiten, .den steilsten in West und 
SW, SE und Ost. Dies andauernde Minimum beherrscht während seines Be- 
stehens die ganze Umgebung, einschliefslich der ‚einzelnen wandernden Minima, 
verschwindet :aber zum Sommer, fast ohne eine Spur zu hinterlassen. Der Gegen- 
satz zwischen Nord- und Südbreite in der Vertheilung der Stürme ‚anf die .Jahres- 
zeiten spricht sich ‚hierin .deutlich aus. 
Da ferner die ‚allgemeine Bewegungsrichtung der ‚einzelnen wandernden 
Minima in Nordbreite vorwiegend zwischen Nord und Ost liegt, müssen die von 
den ostasiatischen Randmeeren kommenden winterlichen Minima bis zur Mitte 
des .Oceans eine Beschleunigung und Vertiefung erfahren, :die an der Nordwest- 
küste dagegen -‚eine Verzögerung und Verflachung, wenn sie nicht schon vor 
dem Uebergang auf das amerikanische Festland in See nach Norden ‚ausgewichen 
sind. Die Wirkung ‚dieser Einflüsse auf die Beobachtungen an Bord läfst ‚sich 
am besten durch ein Beispiel charakterisiren. ; 
Wenn im nordwestlichen Theil des aufsertropischen Stillen .Oceans ‚ein 
Wintersturm mit SE und :fallendem Barometer anfängt, ‚geht er meist etwas ab- 
flauend während des Minimums auf SW, und schiefst dann schnell zunehmend bei 
steigendem Barometer nach NW aus, wo er endet. . 
Wenn dagegen im nordöstlichen Theil, also :an der Nordwestküste Amerikas 
unterhalb 50° .N-Br, ein Wintersturm aus .derselhen Richtung und in ‚ganz ähn- 
licher Weise wie:oben anfängt und bis SW umläuft, so ist er ‚hier, bei SW und 
dem Minimum, fast ausnahmslos zu Ende. 
‚Dies ‚sind einfache :auf statistischem Wege gefundene Thatsachen, die sich 
aus den mittleren Isobarenkarten leicht erklären lassen. 
In Südbreite besteht der gröfste charakteristische Unterschied der Jahres- 
zeiten .darin, daß .die wandernden Minima im südlichen Winterhalbjahr ‚in ‚etwas 
niedrigeren ‚Breiten auftreten als im Sommer. Ihre allgemeine Richtung ist nur 
wenig südlich von ‘Ost, bei Kap ‚Horn wahrscheinlich ‚etwas südöstlicher. 
Tropische westliche Hälfte. ‘Denkt man sich im Januar und Februar 
die Achse des Tiefdruck-Gebietes ausgezogen, dessen‘ Kern mit 755 mm über Nord- 
west-Australien liegt, so führt dieselbe von der Markesas- nach der -Ellicegruppe 
und über den südlichsten Winkel des Karpentaria-Golfs nach Westen. 
‚Orkane ‘treten in der Südsee nur in den Monaten auf, in welchen diese 
Achse auf Südbreite legt, 'd. 'h. December bis 'März; dies ist zugleich die Zeit, 
in welcher Taifune auf der anderen Seite der Linie am allerseltensten vorkommen. 
„Im ‘Mai liegt die Achse fast ganz auf Nordbreite; sie schneidet die Linie 
in 160° O:Lg und geht westnordwestlich über Mindanao und Palawan nach Tonkin. 
Die seltenen Taifune des Mai wandern meist westnordwestlich. 
Im Juli—August liegt die Achse ganz auf Nordbreite und bildet eine Pa- 
rabel, deren südlicher Ast über Guam, die Miyakojima:Gruppe und westlich von 
Shanghai vorbeigeht, deren Scheitel mit dem tiefsten Luftdruck in Innerasien 
liegt und deren nördlicher Ast mit Westost-Richtung durch das Okhotskische 
Meer geht. - 
Die Taifunbahnen laufen in .diesen Monaten ebenfalls nordwestlicher als in 
den vorhergehenden, ‚liegen .auch ‚nördlicher, :gehen ‚oft auf. das Festland über und 
beschreiben nicht ‚selten Parabeln, ‚ganz ähnlich dieser Achse. Der Verlagerung 
dieser aAchse :entsprechend treten :die :Bahnen oberhalb des Wendekreises im 
September und noch entschiedener im Oktober weiter vom Festland zurück. 
Im November liegt .die Achse wieder in der Nähe.des Aequafors und ist 
etwas südlich von Westen gerichtet, 
November ‚und Dezember sind die einzigen Monate, in”denen im südchine- 
gischen Meere bisher nach Südwest gerichtete Taifunbahnen vorgekommen sind. 
;:Das mexikanische Stillengebiet. Hier wandern die Wirbel entweder 
in westnordwestlicher Richtung unter dem Einflufs der schwachen Furche zwischen 
beiden: Passaten, oder sie biegen, durch das .in:den Isobarenkarten eben. angedeutete
	        
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