Dinklage: Die Winde in den Südaustralischen Küstengewässern,
blick in derselben Länge; nur vier Stunden, nachdem sie sich passirt, sind sie
schon wieder 100 Sm von einander entfernt. Aber aus diesen Gründen erschien
es doch zweckmäfsig, hinsichtlich der Untersuchung der Windverhältnisse keine
Unterabtheilungen in die fragliche Strecke zu machen, sondern dieselbe als ein
einheitliches Gebiet zu behandeln,
Bekanntlich werden an Bord von rasch fahrenden Dampfern Richtung 80-
wohl wie Stärke des Windes, besonders wenn derselbe nur schwach ist, leicht
unrichtig geschätzt, indem jeder Wind von hinten zu schwach, jeder Wind von
vorn zu stark empfunden wird und jeder Seitenwind nach der Richtung der Fort-
bewegung des Schiffes abgelenkt erscheint. Dem MKinflufs dieser Fehlerquelle
wirkt hier jedoch entgegen, dafs ebenso lange mit Fahrt nach Westen als mit
Fahrt nach Osten beobachtet worden ist, wodurch im Gesammtergebnifs die
Fehler sich nahezu aufheben müssen. Ein Vortheil der Dampferbeobachtungen
ist überdies, dafs sie nur in sehr geringem Grade durch Ungleichmäfsigkeiten
im Fortgange des Schiffes beeinflufst werden und die Häufigkeit von Gegenwind
und Mitwind im richtigen Verhältnifs ergeben.!)
Das Resultat der Untersuchung ist in den nachstehenden Tabellen zu-
sammengestellt. Tabelle 1 giebt nach zweistündlichen Beobachtungen die pro-
centische Häufigkeit und die mittlere Stärke der nach 16 Strichen geordneten
Winde und der Stillen für die einzelnen Monate und im Jahresmittel. Tabelle 2
zeigt für die einzelnen Monate die procentische Häufigkeit des Vorkommens der
verschiedenen Windstärken: 0—1 still, 2—3 leicht, 4—5 mäßig frisch, 6—7 stark,
8—9 stürmisch, 10 und mehr schwer stürmisch, sowie die vorwiegende Richtung
der Stürme. Die am häufigsten vorkommenden Winde sind in Tabelle 1 durch
fetten Druck hervorgehoben.
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, weht der Wind in den Südaustralischen
Küstengewässern im Jannar und Februar, den Hochsommermonaten südlicher
Breiten, fast immer aus dem südlichen Halbkreise, zumeist aus den Strichen ESE
bis SW, auf welche 63 °/o, also nahezu zwei. Drittel aller Beobachtungen, ent-
fallen. Nördliche und besonders nordwestliche Winde sind sehr selten, auf die
Striche West bis NNE kommen nur 12 %. Auch im März ist der Wind noch
vorwiegend südlich, doch ist er schon unbestimmter in Richtung und zieht sich
von SE schon mehr nach Ost und den Strichen nördlich von Ost. Am häufigsten
weht er aus WSW bis Süd und ESE bis NE. Nordwestliche Winde sind wie
vorher sehr selten. Mit fortschreitender Jahreszeit dreht sich der Wind im öst-
lichen Halbkreise noch weiter nach links. Die beiden Herbstmonate April und
Mai zeichnen sich durch das Vorherrschen nordöstlicher Winde aus. Nach diesen
sind die südwestlichen die häufigsten, während die südöstlichen schon ziemlich
selten geworden sind. Nordwestliche Winde kommen zwar nicht viel, aber doch
sehr viel öfter vor, als in den früheren Monaten. In den folgenden vier Winter-
monaten und besonders im Juli, August und September sind, wie im Sommer
die nordwestlichen, die südöstlichen Winde sehr selten. Der Wind hält sich zu-
meist in dem Halbkreise von NNE durch NW bis SW, auf welche acht Striche
nahezu doppelt so viele Beobachtungen als auf die andere Hälfte der Windrose
entfallen. Verhältnifsmäfsig am häufGgsten weht er aus den Strichen W bis SW.
Oktober, November und Dezember leiten, durch die Zunahme östlicher und süd-
licher und die Abnahme nördlicher und nordwestlicher Winde, welch letztere im
Dezember noch seltener als im Januar, Februar und März sind, wieder zu dem
sommerlichen Charakter der Windverhältnisse hinüber. Der Wind dreht sich im
östlichen Halbkreise mehr nach rechts, im westlichen mehr nach links, Der
November entspricht als Uebergangsmonat des Frühlings fast genau dem März
in der entgegengesetzten Jahreszeit, indem der Wind zu allermeist wieder aus
den Strichen ESE bis NE und WSW bis Süd kommt.
1) Das vom Winde abhängige Segelschiff notirt widrige Winde, von denen es längere Zeit
am selben Orte festgehalten wird, stets zu viel, während günstige Winde, die es rasch über das in
Betracht gezogene Gebiet hinwegführen, in seinen Notirungen zu kurz kommen. Dies Mifsverhältnifs
kann sich im Endresultat der Untersuchung nur wieder ausgleichen, wenn auch Beobachtungen von
ebenso vielen ostwärts als westwärts gehenden Schiffen herangezogen werden können, was bei einer
Untersuchung der Windverhältnisse der Südaustralischen Gewässer, da hier die Routen der ostwärts
und der westwärts gehenden Segler weit von einander entfernt liegen, nicht der Fall ist.