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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Dinklage: Die Winde in den Südaustralischen Küstengewässern, 
blick in derselben Länge; nur vier Stunden, nachdem sie sich passirt, sind sie 
schon wieder 100 Sm von einander entfernt. Aber aus diesen Gründen erschien 
es doch zweckmäfsig, hinsichtlich der Untersuchung der Windverhältnisse keine 
Unterabtheilungen in die fragliche Strecke zu machen, sondern dieselbe als ein 
einheitliches Gebiet zu behandeln, 
Bekanntlich werden an Bord von rasch fahrenden Dampfern Richtung 80- 
wohl wie Stärke des Windes, besonders wenn derselbe nur schwach ist, leicht 
unrichtig geschätzt, indem jeder Wind von hinten zu schwach, jeder Wind von 
vorn zu stark empfunden wird und jeder Seitenwind nach der Richtung der Fort- 
bewegung des Schiffes abgelenkt erscheint. Dem MKinflufs dieser Fehlerquelle 
wirkt hier jedoch entgegen, dafs ebenso lange mit Fahrt nach Westen als mit 
Fahrt nach Osten beobachtet worden ist, wodurch im Gesammtergebnifs die 
Fehler sich nahezu aufheben müssen. Ein Vortheil der Dampferbeobachtungen 
ist überdies, dafs sie nur in sehr geringem Grade durch Ungleichmäfsigkeiten 
im Fortgange des Schiffes beeinflufst werden und die Häufigkeit von Gegenwind 
und Mitwind im richtigen Verhältnifs ergeben.!) 
Das Resultat der Untersuchung ist in den nachstehenden Tabellen zu- 
sammengestellt. Tabelle 1 giebt nach zweistündlichen Beobachtungen die pro- 
centische Häufigkeit und die mittlere Stärke der nach 16 Strichen geordneten 
Winde und der Stillen für die einzelnen Monate und im Jahresmittel. Tabelle 2 
zeigt für die einzelnen Monate die procentische Häufigkeit des Vorkommens der 
verschiedenen Windstärken: 0—1 still, 2—3 leicht, 4—5 mäßig frisch, 6—7 stark, 
8—9 stürmisch, 10 und mehr schwer stürmisch, sowie die vorwiegende Richtung 
der Stürme. Die am häufigsten vorkommenden Winde sind in Tabelle 1 durch 
fetten Druck hervorgehoben. 
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, weht der Wind in den Südaustralischen 
Küstengewässern im Jannar und Februar, den Hochsommermonaten südlicher 
Breiten, fast immer aus dem südlichen Halbkreise, zumeist aus den Strichen ESE 
bis SW, auf welche 63 °/o, also nahezu zwei. Drittel aller Beobachtungen, ent- 
fallen. Nördliche und besonders nordwestliche Winde sind sehr selten, auf die 
Striche West bis NNE kommen nur 12 %. Auch im März ist der Wind noch 
vorwiegend südlich, doch ist er schon unbestimmter in Richtung und zieht sich 
von SE schon mehr nach Ost und den Strichen nördlich von Ost. Am häufigsten 
weht er aus WSW bis Süd und ESE bis NE. Nordwestliche Winde sind wie 
vorher sehr selten. Mit fortschreitender Jahreszeit dreht sich der Wind im öst- 
lichen Halbkreise noch weiter nach links. Die beiden Herbstmonate April und 
Mai zeichnen sich durch das Vorherrschen nordöstlicher Winde aus. Nach diesen 
sind die südwestlichen die häufigsten, während die südöstlichen schon ziemlich 
selten geworden sind. Nordwestliche Winde kommen zwar nicht viel, aber doch 
sehr viel öfter vor, als in den früheren Monaten. In den folgenden vier Winter- 
monaten und besonders im Juli, August und September sind, wie im Sommer 
die nordwestlichen, die südöstlichen Winde sehr selten. Der Wind hält sich zu- 
meist in dem Halbkreise von NNE durch NW bis SW, auf welche acht Striche 
nahezu doppelt so viele Beobachtungen als auf die andere Hälfte der Windrose 
entfallen. Verhältnifsmäfsig am häufGgsten weht er aus den Strichen W bis SW. 
Oktober, November und Dezember leiten, durch die Zunahme östlicher und süd- 
licher und die Abnahme nördlicher und nordwestlicher Winde, welch letztere im 
Dezember noch seltener als im Januar, Februar und März sind, wieder zu dem 
sommerlichen Charakter der Windverhältnisse hinüber. Der Wind dreht sich im 
östlichen Halbkreise mehr nach rechts, im westlichen mehr nach links, Der 
November entspricht als Uebergangsmonat des Frühlings fast genau dem März 
in der entgegengesetzten Jahreszeit, indem der Wind zu allermeist wieder aus 
den Strichen ESE bis NE und WSW bis Süd kommt. 
1) Das vom Winde abhängige Segelschiff notirt widrige Winde, von denen es längere Zeit 
am selben Orte festgehalten wird, stets zu viel, während günstige Winde, die es rasch über das in 
Betracht gezogene Gebiet hinwegführen, in seinen Notirungen zu kurz kommen. Dies Mifsverhältnifs 
kann sich im Endresultat der Untersuchung nur wieder ausgleichen, wenn auch Beobachtungen von 
ebenso vielen ostwärts als westwärts gehenden Schiffen herangezogen werden können, was bei einer 
Untersuchung der Windverhältnisse der Südaustralischen Gewässer, da hier die Routen der ostwärts 
und der westwärts gehenden Segler weit von einander entfernt liegen, nicht der Fall ist.
	        
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