Verhalten des grofsen Sturmes vom 7. bis 12. Februar d. J. in Russland,
177
Verhalten des grofsen Sturmes vom 7. bis 12. Februar d. J.
in Russland.
Die vortrefflich redigirte monatliche Witterungs-Uebersicht, welche die nun
in ihrem vierten Jahrgang stehende russische meteorologische Zeitschrift
(„Meteorologitsheski Vestnik“) seit ihrem Beginn in jedem ihrer Monatshefte
bringt, enthält im Märzheft d. J. interessante Angaben über das weitere Schicksal
des grofßen Sturmes, dessen Auftreten in Deutschland wir im vorigen Heft dieser
Annalen besprochen haben. ?)
Während fast des ganzen Februar herrschte die normale Druckvertheilung,
die diesem Monat zukommt, mit hohem Druck im SO und niedrigem Druck im
Norden, in erheblich verstärktem Mafse. Der mittlere Barometerstand war in
St. Petersburg 8,6 mm, in Arkhangelsk 8,1 mm, in Moskau 7,7 mm, dagegen in
der Südhälfte Russlands nur 1!/ bis 3'/ 2 mm unter dem Normalwerth des Februar.
Nur vom 14. bis zum 20. war die Lage umgekehrt, mit einer Anticyklone im
NW und barometrischen Minima im SO.
Das Minimum, dessen Vorübergang die lange Sturmperiode in Deutschland
am 7. einleitete, machte sich in Skandinavien und Russland besonders durch einen
ganz aufserordentlichen Barometersturz bemerkbar. Von 8a am 6. bis 8a am
7. betrug derselbe in Haparanda 32,9, in Hernösand 34,3, in Stockholm 30,5 mm;
von 1*p am 6, bis 1"p am 7. war er am gröfsten in Kuopio, 38,7 m, aber auch
im übrigen Finnland 31 bis 37 mm; von 9*p am 6. bis 9°p am 7. war er am
gröfsten in St. Petersburg, nämlich 38,0 mm. "Theils am 8. und 9., theils am
12. und 13. wurden sodann in der ganzen Nordhälfte des europäischen Russlands
so niedrige Barometerstände abgelesen, wie sie seit Beginn der regelmäfsigen
Beobachtungen kaum oder nicht erreicht worden sind.
So wurden in dem Raume, welcher nach General Tillo’s neuen Karten
der Luftdruck-Extreme bisher nur Minima zwischen 720 und 725 mm geliefert hat,
am 8, Februar in Kem 721,8 und in Arkhangelsk 722,1 mm (tiefster Stand bisher
723,1 mm) beobachtet, ferner am 12, Februar in Dorpat 720,4, in Pernau 719,1,
in Riga 721,0, in Libau 721,8 und in Windau, Hangö und Helsingfors sogar nur
718,5, 718,6 und 718,3, in Petersburg am 13. früh 723,0 mm; ferner in dem Raume
zwischen Tillo’s Minimum-Isobaren 725 und 730, am 8. in Wölogda 720,2, in
Totm£ 720,5 und in Kostrom£ 723,8 und am 13. in Vishni Volotshök 725,0, in
Moskau 729,6 mm u. 8. w.; ebenso sank das Barometer weiter im Osten, wohin
so tiefe Minima nie gelangen, am 9. immerhin ungewöhnlich tief, nämlich um
7ha in Kazän auf 730,8, in Perm auf 732,3, in Ufd, aus dessen Gegend keine
tieferen reducirten Stände als 735 bekannt waren, auf 733,2 mm.”)
Während die übrigen Stürme dieses Februar, weil sie meist bei Thauwetter
verliefen, keine erheblichen Schneeverwehungen mit sich brachten, hat der Sturm
am 8. bis 10. Februar in der Umgegend von Tsaritsin, Samära, Orenburg u. 8. w.
den Güterverkehr unterbrochen und eine Menge kirgisischen Viehs zu Grunde
gerichtet. Ein Bericht aus Orenburg möge noch hier Platz finden zum Beweise,
dafs auch am fernen Ostrande Europas das stürmische Wetter dieselbe merkwürdig
lange Dauer und dieselbe Heftigkeit hatte, wie in Norddeutschland, mit zwei
Maxima der Windstärke am Anfang und Ende des fünftägigen Zeitraums, bedingt
durch den Vorübergang zweier mächtiger Luftwirbel.
„In der Nacht vom 7. zum 8. und darauf am 8., 9., 11. und 12. wehte
der Wind in Stöfsen. Zahlreiche Dächer wurden abgerissen, und die Eisenbahn
auf dem Obstshi Sirt zwischen den Stationen Kargala und Perevolotsk auf einer
Strecke von 42 km dermafsen von Schnee verweht, daß mit 1000 Arbeitern der
gänzlich unterbrochene Verkehr erst zum 16. Februar freigemacht werden konnte.
Die Schutzschilder wurden ausgerissen und weit vom Bahndamm fortgetragen.
1) Auf S. 93 dieser Annalen hat sich in den dritten Absatz ein Druckfehler eingeschlichen :
die Zeit der gröfsten Verwüstungen fiel in Hamburg auf 11a bis 3hp (statt 13b p).
2) Alle Stände sind auf den Meeresspiegel und 45° Breite reducirt und den drei täglichen
Beobachtungsterminen entnommen; die absoluten Minima werden noch tiefer gewesen sein.
Ann, d. Hydr. ote.. 1894, Heft IV.