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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Die Route von Kap Horn nach der Linie. 
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kann bei nicht sichtigem Wetter schneller fahren, ohne den nicht angenehmen 
Gedanken, daß jeden Augenblick ein Eisberg vor dem Bug erscheinen kann. 
Zu einer genügenden Herabminderung der Geschwindigkeit kann man sich, wenn 
man nicht bestimmt weiß, dafs Eis in der Nähe ist, ja auch schwer entschliefsen, 
zumal man in diesem Meerestheile nur selten Schiffe und dann auch nur mit- 
segelnde antrifft.“ 
Mit dem hier von Kapt. Hilgendorf Bemerkten steht das, was in dem 
Segelhandbuch der Seewarte über die Fahrt von Kap Horn nach der Linie gesagt 
worden ist, keineswegs im Widerspruch. Es heifst daselbst: . 
„Bei anhaltend günstigem Winde ist es im Allgemeinen am zweckmäfsigsten, 
auf dem Wege von Kap Horn nach 30° S-Br dem Bogen des gröfsten Kreises 
zu folgen. Von 56° 30‘ S-Br und 66° W-Lg nach 30° S-Br und 27° W-Lg 
gezogen, führt derselbe durch die Schnittpunkte 55° S-Br in 61,3° W-Lg, 50° S-Br 
in 50° W-Lg, 45° S-Br in 42,2° W-Lg, 40° S-Br in 36,2° W-Lg und 35° S-Br in 
31,2° W-Lg. Sehr oft hat man den Wind anfänglich aus einer schralen nörd- 
lichen Richtung, so dafs es nicht möglich ist, jene Route einzuhalten. Es bleibt 
alsdann keine Wahl, als zunächst mehr nach Osten zu steuern, und diesem steht, 
insofern als die Möglichkeit, die Reise mit den herrschenden Winden fortzusetzen, 
in Betracht kommt, natürlich auch kein Bedenken entgegen. Wird man jedoch 
nicht durch den Wind gedrängt, so ist es rathsamer, nicht zu weit nach Osten 
zu gehen. 
Auf wenigen Stellen, die von dem gewöhnlichen Seeverkehr berührt werden, 
sind die Schiffe so sehr der Gefahr ausgesetzt, mit Treibeis zusammen‘ zu treffen, 
als hier im Osten von Kap Horn und den Falkland-Inseln. Die mittlere Eis- 
grenze verläuft von Kap Horn nordostwärts über 50° S-Br und 52° W-Lg nach 
etwa 42° S-Br und 35° W-Lg. Auch der vorher angegebene gerade Weg führt 
also zum Theil noch durch das Gebiet hindurch. Indessen tritt das Eis hier in 
der Nähe der Grenze nur vergleichsweise selten auf. Es sind immer nur einzelne 
Jahre und gewisse Jahreszeiten, wo es häufiger vorkommt, und viele Jahre 
vergehen, ohne dafs es überhaupt gesichtet wird. In gröfserer Entfernung süd- 
ostwärts von der Grenze nimmt jedoch die Häufigkeit in bedeutendem Mafse zu. 
Hier treffen die Schiffe Eis in allen Jahreszeiten und nicht nur vereinzelte Berge, 
sondern auch meilenweit ausgedehnte Flächen voll Packeis, durch welche hin- 
durchzukommen oft mit grofsen Schwierigkeiten verknüpft ist. In den Journalen 
der Seewarte sind mehrere Fälle aufgeführt, wo die Schiffe vor diesen Packeis- 
gürteln umzukehren genöthigt waren. 
Um dem KEise aus dem Wege zu gehen, sollte man, wie gesagt, so lange 
man noch südlich von 50° S-Br steht, ein Abweichen von der Route nach Osten 
nach Möglichkeit vermeiden. Nach Norden abzuhalten, wenn dies sein mufs, um 
einen schralen Südostwind oder einen schweren Sturm aus Süd besser ausnutzen 
zu können, hat dagegen kein Bedenken, denn man darf erwarten, dafs man in 
der Folge noch hinreichend nordwestliche Winde erhalten wird, um genügend 
Ost gutmachen zu können. Oestliche Winde, die schon in 45° oder höheren 
Breiten auftreten, führen nur in den allerseltensten Fällen ganz in den Passat 
hinein; vielmehr gelangen die Schiffe, ehe sie das Gebiet des Letzteren erreichen, 
fast immer erst wieder in einen Strich nördlicher und nordwestlicher Winde, 
Es ist selbst schon vorgekommen, dafs Schiffe bei Nordostwind, den sie auf der 
ersten Strecke des Weges erhielten, die Route westlich von den Falkland-Inseln 
nahmen, ohne dafs ihnen hieraus eine Schwierigkeit in der Fortsetzung der Reise, 
noch ein Nachtheil gegen ihre Mitsegler entstand. Im Allgemeinen ist diese 
Route jedoch nicht zu empfehlen, weil man dabei, wenn der Wind zu früh nord- 
westlich holt und hart zu wehen beginnt, zu leicht in Verlegenheit gerathen 
kann und auch, weil man damit einen zu grofsen Umweg macht. 
Während man vorher sich besser westlich hält, ist es von 40° S-Br an 
im Allgemeinen vortheilhafter, östlich von der Mittelroute zu stehen. Nachdem 
50° S-Br überschritten worden ist, wo die Eisgefahr bedeutend geringer wird, 
darf man bei schralem nördlichen Winde unbedenklich eine östliche Route nehmen. 
Andererseits müssen die Schiffe, die bislang sich westlich gehalten haben, nunmehr 
dafür Sorge tragen, Ost zu machen. Sie sollten dahin streben, dafs 35° S-Br 
von April bis September nicht westlicher als in 33°, von Oktober bis März nicht 
westlicher als in 30° W-Lg geschnitten wird.“
	        
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