Dinklage: Treibeis in südlichen Breiten.
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Theil und auch schmaler; auch schien die Ausdehnung von SO nach NW kleiner
zu sein als die uns zugekehrte, in Südwest-—Nordostrichtung verlaufende Seite,
Wir passirten die Insel in ungefähr 4 Sm Entfernung; kaum war dieselbe aus
Sicht, als wir um 9a im Osten eine noch gröfsere Kisinsel erblickten. Dieselbe
war der ersteren ganz ähnlich, die gleichen dunklen Wände und oben die gleiche
weiße, ebene Schneedecke. Ebenso war das nördliche Ende wieder etwas höher.
Auch die Höhe war dieselbe; die Ausdehnung der uns zugekehrten Seite mochte
aber wohl 3 Sm betragen. Die Ausdehnung in der Richtung NW—SO war
nicht zu übersehen, da die Luft im Osten sehr trübe war. Letztere Insel passirten
wir in 5 Sm Abstand. Nach Mittag — Position 47° 9‘ S-Br und 45° 48’ W-Lg
— wurde es sehr schönes, klares Wetter, doch wurde kein Eis mehr gesehen.
Bericht von Kapt. J. Danklefs vom Dreimastschoner „iris‘‘.
Oktober 23, bald nach Mitternacht, auf 47° 4’ S-Br und 44° 5‘ W-Lg
bemerkten große Eisberge oder vielmehr Inseln, die 20 Sm weit sichtbar waren.
Um denselben auszuweichen, mufsten wir mehrmals den Kurs ändern. Fast ohne
Ausnahme waren die Eisberge an der Nordseite hoch und schroff, während sie
nach Süden schräg abfielen. In Lee trieben vielfach kleinere KEisschollen, die
jedoch grofs genug waren, um einem Schiffe Schaden zufügen zu können. Von
fern hatten mehrere Berge das Aussehen von Helgoland. Die Höhe war ver-
schieden und schwankte zwischen ungefähr 12 und 60 m. Den letzten Kisberg
passirten wir um 11% 30” 2 auf 46° 13’S-Br und 42° 31’ W-Lg. Die Temperatur
des Wassers wurde mehrmals gemessen, doch konnten wir nicht finden, dafs die
Nähe eines Eisberges Einflufs auf dieselbe ausübte. Schiff „Susanna“, Kapt.
D. Gerdau, von Taltal nach Hamburg.
Oktober 28, auf 46° S-Br und 46° 42‘ W-Lg 7 Eisberge, darunter einer
von bedeutender Höhe und Größe. Schiff „Najade‘“, Kapt. Fischer.
November 2, auf 47° 26‘ S-Br und 46° 54‘ W-Lg dichter Nebel, darauf
wieder abklarend. Um 9*p erblickten einen Eisberg in Lee voraus, halsten und
drehten bei. Wind NWzZW 4. Am 3. November gegen 4"a ging der Wind nach
SW und frischte auf. Gegen 5%a erblickten denselben Eisberg von gestern,
sahen in Lee desselben viele kleine Stücke und dicht bei dem grofsen Berge
noch einen kleineren von ungefähr 15m Höhe. Die Höhe des grofsen Berges
schätzten wir auf 45m. Schiff „Thekla“, Kapt. J. Hammer.
November 4 und 7. Kapt. A. Walsen vom Schiff „Urania“ schreibt:
„Auf der Rückreise von Iquique nach Falmouth erblickten wir, nachdem wir
Kap Horn am 30. Oktober passirt hätten, am 4. November um 10" a in 52° 15 S-Br
and 47° 47’ W-Lg einen grofsen Eisberg. Es wehte zur Zeit ein steifer west-
licher Wind, bei welchem wir mit 10 Knoten Fahrt einen rw. Nordostkurs
steuerten. Die Luft war bedeckt und häufig dick von Stauhregen. Wir passirten
den Eisberg luvwärts in 4,5 Sm Abstand. Seine Höhe über Wasser betrug, wie
zich durch Winkelmessung ergab, 90m. Die Gestalt war regelmäfsig, mit steilen
Kanten und glatter Oberfläche, welch letztere uns zugeneigt war und blendend
weiß aussah, als wenn sie mit Schnee bedeckt wäre. Als wir den Berg etwa
dwars hatten, klarte es etwas ab, und wir sichteten ungefähr 8 bis 10 Sm in Lee
noch eine zweite Eismasse, deren Länge ich auf mehrere Seemeilen schätzte.
Auch diese erschien weifs, als wenn mit Schnee bedeckt, Bei scharfem Ausguck
sahen wir vorläufig weiter kein Eis. Am 7, November, in 46° 6‘ S-Br und
41° 50‘ W-Lg, hatten wir jedoch bei Tagesgrauen wieder einen Kisberg in Sicht.
{m Verlauf des Vormittags passirten wir noch sechs weitere, von denen zwei so
im Kurse des Schiffes lagen, daß wir ihnen aus dem Wege steuern mulfsten.
Nachmittags zwischen 12" und 6% passirten wir auf Nordnordostkurs .noch acht
Berge, vier an der St. B.- und vier an der B. B.-Seite, in 3 bis 10 Sm Abstand.
Mehrere von diesen Bergen oder eigentlich Eisinseln hatten eine Länge von 3
bis 5 Sm, bei einem Block stellte ich durch Messung des Höhenwinkels die Höhe
zu 137 m fest. Ueberhaupt hatten die meisten Eisberge eine beträchtliche Höhe,
denn wir versegelten von der Zeit, daß wir sie dwars hatten, 15 bis 25 Sm,
ehe sie in der Kimm verschwanden. An zweien der Berge konnte man von oben
noch ein sie umgebendes niedriges Eisfeld erkennen, welches mehrere Seemeilen
Ausdehnung hatte. Etwa 8 Sm NW von uns sahen wir die Masten einer mit-
segelnden Bark. Während der Nacht vom 6. zum 7. November hatte es stürmisch
aus SW geweht. Die dadurch hoch aufgewühlte See brach sich gewaltig an den