120 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894.
vom 7. war. In seinem Gefolge traten am Abend von der Elbmündung bis zur
pommerschen Küste vielfach sehr heftige und von zahlreichen Blitzschlägen be-
zleitete Gewitter auf (vgl. Seite 73 dieser Annalen); an den letztgenannten Küsten-
theilen erfolgten in der Nacht noch weitere Gewitter, begleitet von Schnee- und
Hagelschauern. Am 11. herrschten mäfig stürmische Westwinde am größten
Theil der Küste, doch am späten Abend setzte an der Nordsee der schwerste
Sturm des Monats ein, welcher am 12. an der ganzen Küste tobte, vielfach
nahezu die Stärke eines Orkans erreichte und jedenfalls einer der schwersten
Stürme gewesen ist, von denen unsere Küste je betroffen wurde. Er trat im
Gefolge eines über Mittelskandinavien ziehenden tiefen Minimums von weniger
als 725 mm Druck auf; eine eingehende Darstellung dieses Sturmes findet sich
in diesem Heft, Seite 87 ff, An der östlichen Ostsee flauten die stürmischen Winde
erst am 13. ab.
Nach Vorübergang dieses Minimums trat ein Witterungswechsel ein. Das
Maximum verlagerte sich von der Biscaya-See zunächst vom 13. bis zum 16.
nach Skandinavien und wanderte vom 18. bis 23. nach dem Südosten des Erdtheils.
Bei nordwestlichen Winden begann am 13. der stetige Rückgang der
Temperatur, welcher weiterhin durch das am 15. eintretende Herumgehen des
Windes durch Nord nach NE gefördert wurde; am 16. sanken die bis dahin über
der Normale gelegenen Morgentemperaturen unter ihre normalen Werthe und
erreichten am folgenden Tage Werthe, welche bei nordöstlichen und seit dem 20.
wesentlich südöstlichen Winden bis zum 22. meist nur wenig Aenderung
erfuhren, abgesehen von Rügenwaldermünde und Neufahrwasser, wo am 22. eine
stärkere Abnahme der Morgentemperatur eintrat und von Memel, wo die
Temperatur vom 18. bis 20. stieg und dann bis Monatsschlufßs wenig Aenderung
zeigte. Stürmische Winde traten während dieser kühlen Periode des Monats
vereinzelt am 15., 17. und 18. aus NE—NNE an der pommerschen Küste auf.
Trockene Witterung trat während dieser Herrschaft des Maximums am 16.
an der Nordsee und westlichen Ostsee, an der östlichen Ostsee erst am 20. ein,
da die im Osten gelegene Depression bis dahin noch ihren Einflufs hier be-
hauptete. Am 20. bis 22., im Osten 23., herrschte an der Küste theils heiteres,
theils nebeliges Wetter, und traten die niedrigsten Temperaturen dieses Monats ein.
Einen Witterungsumschwung führte am 23, ein tiefes Minimum in NW
herbei, welches die Küste an diesem Tage bereits durch Südwestwinde beherrschte,
and die über Monatsschlufs währende gleiche Wetterlage wie zu Anfang des
Monats einleitete: niedrigen Druck in NW und Norden, Maximum von SW vor-
buchtend und entsprechend oceanische Luftströmung. Dementsprechend war die
Witterung bis Monatsschlufßs bei steigender Temperatur anhaltend regnerisch;
ausgedehnter Nebel herrschte am 24. an der Nordsee und westlichen Ostsee, am
27. an der Ostsee. Nachdem die Morgentemperaturen vom 16. bis 24. mit
wenigen Ausnahmen unter der Normale gelegen hatten, wurde diese am 25. wieder
meist überschritten. Stürmische Winde aus westlichen Richtungen, nur selten von
größerer Stärke als 8, traten vereinzelt am 25. an der Nordsee, am 26. an der
westlichen Ostsee, am 27. an der Ostsee und am 28. an der Danziger Bucht auf.
in den Monatsmitteln lag der Luftdruck in Borkum und Wilhelmshaven
wenig über, im Uebrigen, und zwar zunehmend nach Osten hin, in Memel, um
6,2 mm unter der Normale; Temperatur, registrirte Windgeschwindigkeit, wie
auch meist die Niederschlagsmengen überschritten die vieljährigen Werthe, An
allen Stationen herrschten die Richtungen aus SW— West, theils gleichmäfsig,
iheils die eine oder andere in höherem Grade vor; östliche Richtungen wurden
am häufigsten in Borkum beobachtet.
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