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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894. 
Die von mir angestellten Untersuchungen der Töpfe ergaben keine Anhalts- 
punkte; erstere Annahme zerfällt schon darum, weil ich nie Dosenfleisch anrühre, 
somit wäre die Entstehungsursache dieser Krankheit wo anders zu suchen. Der 
Chinese lebte sogar nur von Reis und wurde dennoch von der Krankheit 
befallen. 
Die Heilung vollzog sich folgendermafsen: Vor allen Dingen Ruhe; äußerst 
vorsichtig mufste mit dem Magen umgegangen werden; Milch vermischt mit 
Selterwasser bildete in den ersten 14 Tagen die alleinige Nahrung, dann kam 
unvermischte Milch mit rohen Eiern, erst nach sechswöchentlicher Kur konnten 
dem Magen alle Speisen geboten werden. 
Dagegen nahmen die Schwellungen (Wassersucht) bis zur Heilung recht 
lange Zeit in Anspruch. Sherrywein trieb das Wasser nur langsam durch den 
Urin ab. 
Hiernach stellte sich eine bedeutende Magerkeit — gerade der Beine — 
ein, es war eine Unmöglichkeit, dieselben zu gebrauchen, und man mufste buch- 
stäblich wie ein kleines Kind erst wieder das Laufen lernen. 
Wohl bemerken mufs ich, dafs ich einer der am schwersten Erkrankten 
war, mich jetzt, nachdem ich über zwei Monate aus der ärztlichen Behandlung 
entlassen, recht wohl fühle, aber zum Gehen mich noch eines Stockes bediene; 
ich hoffe in kurzer Zeit wieder völlig hergestellt zu sein. 
Möge nun vorstehende Mittheilung meinen Kollegen bei ausbrechender 
Krankheit gleicher Symptome auf See, wo keine ärztliche Hülfe zu haben, dahin 
dienen, dafs das einzige Mittel (Rezept des Arztes), um das Leben zu fristen, 
einfach ungesüfste kondensirte Milch und Sherry oder Portwein ist. 
Ein ähnlicher Fall aus früherer Zeit möge hier, nach den Mittheilungen 
eines der Betheiligten, Platz finden, weil in ihm die Quelle des Giftes festgestellt 
wurde und derselbe zur Warnung dienen kann. 
An Bord der Bremer Bark „Fortuna“ erkrankte während einer im Jahre 1860 
ausgeführten Reise von Galveston nach Liverpool die ganze Besatzung in solcher 
Weise, dafs mit Mühe Queenstown als Nothhafen erreicht werden konnte. Bei 
Ankunft in diesem Hafen waren nur noch vier Mann von der aus 18 Köpfen 
bestehenden Besatzung eben fähig, das Allernothwendigste in der Schiffsführung 
zu thun. Die Krankheit zeigte sich besonders in gänzlicher Erschlaffung des 
Körpers, hartnäckiger Verstopfung, faulem Geruch aus dem Munde u. s. w. Der 
Arzt in Queenstown erklärte, die Krankheit sei durch den Genufs von schlechtem 
Fleisch entstanden; der Arzt in Liverpool behauptete jedoch, es habe eine Blei- 
vergiftung stattgefunden, und dies letztere erwies sich laut einer in Bremen später 
veranstalteten chemischen Untersuchung des an Bord benutzten Trinkwassers als 
das wahrscheinlichere. Die „Fortuna“ hatte nämlich auf Deck einen sehr grofsen, 
die Gestalt eines Deckhauses besitzenden Wassertank, der inwendig, um beim 
Arbeiten des Schiffes das heftige Schlagen des Wassers zu vermindern, mit 
hölzernen Schotten versehen war. Dieser Tank war in Galveston gereinigt und 
inwendig mit rother Mennigfarbe, die bekanntlich ja aus Blei bereitet wird, aus- 
gestrichen worden. Als sich nun bei schlechtem Wetter während der Reise später 
ein Theil der Schotten im Tank gelöst und diese durch Scheuern die Farbe ab- 
gescheuert hatten, fand eine Aufnahme von Blei ins Trinkwasser statt. Die Besatzung 
vermuthete auch schon während der Reise, dafs das Wasser, das eine bräunliche 
Farbe angenommen hatte, der Krankheitserreger sei. Doch befanden sich außer 
dem im Tank befindlichen Wasser nur noch zwei Reservewasserfässer an Bord, 
und diese waren tief in der aus Baumwolle bestehenden Ladung verstaut. Die 
Genesung der Erkrankten erfolgte später in sehr langsamer Weise, besonders 
waren ihre Verdauungsorgane noch nach langer Zeit sehr geschwächt.
	        
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